Uralte Hauptplatzfunde

Mauern, Knochen, Münzen

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Gesucht, gefunden: Die Archäologen haben einen Teil der Rathausmauern aus dem Mittelalter während den Umbauarbeiten des Hauptplatzes gefunden.

Landsberg – Spektakulärer Fund in den frühen Morgenstunden: Bei den Bauarbeiten am Hauptplatz haben die Archäologen Überreste des alten Rathauses gefunden. Die Mauern stammen aus dem Hohen Mittelalter und sollen viele hundert Jahre alt sein. Nun stellt sich die Frage, was damit passieren soll.

Kurz nach Aufnahme der Bauarbeiten, gegen 7.30 Uhr am Donnerstagmorgen, stießen die Arbeiter neben dem Marienbrunnen auf die Überreste einer Mauer. Archäologin Alexandra Völter, die bei den Arbeiten am Hauptplatz immer vor Ort ist, erkannte sofort: „Das sind Reste des alten Rathauses aus dem zwölften oder dreizehnten Jahrhundert.“ Einhundertprozentig sicher könne man sich dabei zwar nie sein, und es müssten auch noch genauere Analysen durchgeführt werden. Dennoch spreche momentan alles dafür: „Die westorientierte Lage des Gebäudes würde passen. Außerdem wurde eine typische Technik mit Natursteinen verwendet, die kritische Stellen, vor allem die Ecken, stabilisieren soll“, erklärt Völter.

Nun sucht die Archäologin nach Formaten und Mauertechniken, um den Fund zeitlich noch genauer einordnen zu können. Alles muss umgehend digital eingemessen werden, um zu sehen wie die Einzelteile zusammen passen. „Das Fundament ist sehr hochwertig und die Mauer gut erhalten“, freut sich Völter. „Momentan wissen wir allerdings noch nicht, ob es sich um ein komplettes Gebäude handelt, da nur ein kleiner Ausschnitt freigelegt ist“, erklärt sie weiter. Sicher sei jedoch, dass es einen Anbau gibt. Bis zum Marienbrunnen soll nun noch gegraben werden. Weiter jedoch nicht, fügt Hans Huttenloher, Leiter des städtischen Tiefbauamtes hinzu.

Die vorhandenen Fundstücke werden jetzt erst einmal untersucht werden. Neben den Mauersteinen habe man bei den Arbeiten außerdem Fliesen, Glasscherben, Knochenreste und Münzen gefunden, sagt Bauleiter Christian Neumann. Und das, „obwohl wir uns bisher erst im obersten Abbruchhorizont befinden, in dem normalerweise nicht viel zu finden ist“, ergänzt Völter. Die abgetragenen Schichten gingen bisher nicht tiefer als 1,20 Meter.

Erst am Ende des Umbaus werde es einen wissenschaftlichen Bericht und eine Auswertung geben, um alle noch offenen Fragen zu klären, verspricht Völter. Neumann möchte den Archäologen dazu die Zeit geben, die sie brauchen. So lange sollen keine Erdarbeiten in diesem Teil des Hauptplatzes durchgeführt werden. Später könne jedoch direkt auf den Grundmauern eine Rohrleitung verlegt werden, um nicht zu tief graben zu müssen.

„Wir müssen nun überlegen, welche Möglichkeiten es gibt um den Fund kenntlich zu machen“, so Huttenloher. „Schön wäre es natürlich, wenn die Mauer erhalten bleiben kann, doch im Regelfall wird so etwas abgetragen“, erklärt Völter. Sigrid Knollmüller, 3. Bürgermeisterin und Vorsitzende des Historischen Vereins, wünscht sich eine Glasplatte, um das Mauereck sichtbar zu machen. Dies sei jedoch eine Finanzierungsfrage und sehr aufwändig. Eine andere Möglichkeit sei laut Huttenloher, das Fundament hochzumauern und mit einer Platte darauf eine Sitzgelegenheit zu schaffen. Oder aber ein Steinmetz fräste den Verlauf der Mauer in die Oberfläche ein. Letztendlich sei es jedoch Aufgabe des Architekten, sich etwas zu überlegen.

„Momentan stellen die Funde aber keine Behinderung im Ablauf der Bauarbeiten dar. Das Gefundene wird gründlich untersucht, die übrigen Arbeiten können normal weiter laufen“, sagt Huttenloher. Aber: „Einzig mit den für die Archäologie veranschlagten Kosten wird man nicht hinkommen. „57000 Euro waren dafür eingeplant, bei etwa 80000 Euro werde man wohl landen.“

Ricarda Seitz

Scherben, Mauern und Münzen

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