Volle Hütte in der Kapelle

Kapellentag der AMMERSEErenaden ist voller Erfolg

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Haus- und Hofkapellen öffneten am Kapellentag ihr Pforten für zahlreiche neugierige Besucher. Hier St. Anna auf Gut Romenthal.
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St. Jakob in Schondorf ist der Startpunkt der Nordroute beim Kapellentag.
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Und schon hier war kein freies Plätzchen mehr zu finden.
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In Eching lag die zweite Kapellenstation der Nordroute: St. Sebastian.
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Bei St. Sebastian in Eching konnten die Zuhörer der Harfenmusik auch von außen lauschen.
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Denn innen war St. Sebastian schon bald bis zur Decke gefüllt.
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Die Wangerbaur-Kapelle in Painhofen versinkt in der Natur.
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Innen hat sie nur sehr wenig Platz.

Landkreis – Es sind die kleinen Schwestern der Kirchen. Stehen oft etwas abseits und sind meistens verschlossen: Haus- und Hofkapellen, profan oder geistlich, auf Bauernhöfen, am Dorfrand oder auch mitten in einem Schloss. Viele gepflegt, als ob sie täglich Besuch haben. Andere mit dem leicht modrigen Geruch der Einsamkeit. Aber jede in ihrem ganz eigenen Umfeld mit ihrem ganz eigenen Charme. Am Sonntag öffneten 24 dieser Kapellen im Rahmen der AMMERSEErenade ihre Pforten. Die Bäuche voller Musik.

Den ganzen Tag fällt kein einziger Tropfen. Als hätte der Himmel ein Einsehen gehabt. Nur kühl ist es. Was den Radlern sicher entgegenkommt, die einer der vier Kapellen-Touren folgen: Die Nord-. Süd-, West- oder Ost-Route. Manchmal schon eine sportliche Herausforderung, dauert doch das ein oder andere Konzert länger – auf Kosten der verfügbaren Fahrtzeit zur nächsten Kapelle. Nicht jeder ist rechtzeitig. Auch mit dem Auto nicht. Denn da kommt manchmal das Parkplatzproblem dazu.

Zum Beispiel in Schondorf, Startpunkt der Nordroute. Wer das Kircherl St. Jakob anschauen will, muss früh da sein. Schon vor Beginn des Konzerts um halb zwölf ist jeder Platz besetzt, jeder Quadratzentimeter Boden von Füßen bedeckt. Und vor der Türe sammelt sich eine Menschentraube, die Jakob Spahns virtuosem Cellospiel lauscht. Er spielt Bach, Variationen. Und das wunderschön, aber so lange, dass hier schon die ersten den Anschluss verlieren. Denn um halb eins geht es bereits mit dem Harfenkonzert von Kiko Pedrozo weiter. In der fünf Kilometer entfernten Echinger Kapelle St. Sebastian. Manch einer findet den Weg nicht – so lernt man den Landkreis kennen.

Vor St. Sebastian haben Mitglieder des Frauenbundes Häppchen vorbereitet, Saft und Wasser wird ausgeschenkt. Der Pfarrer stellt die Kapelle vor – sie fasst gerade mal 30 Zuhörer –, bevor Pedrozo sein Saitenspiel beginnt. Pedrozo kommt aus Paraguay. Das in der Landessprache Guarani „vielfarbiges Wasser“ bedeutet, erklärt der Harfenist. Seine Musik holt Südamerika nach Bayern, samt Tango und Bossa Nova. Auch St. Sebastian ist brechend voll. Der Rest hört draußen zu, dank offener Fenster. Die Kapelle wird ab und zu für Taufen benutzt, für die Maiandacht. Sonst ist sie wie viele ihrer Kolleginnen geschlossen.

Im Korso geht es nach Painhofen, zur Wangerbaur-Kapelle. Sicher eine der kleinsten: gerade mal drei schmale Kniebänke, Platz für zehn Personen. Erbaut um 1420. Strom wurde vom Besitzer leider keiner gelegt, auch riecht es innen, als ob seit Langem nicht mehr gelüftet wurde. Dafür liegt sie idyllisch, man würde am liebsten die Picknickdecke ausbreiten. Ist aber nicht nötig, beim Wangerbaur gibt’s Platz für den Blues des Gitarrenduos „Blueszeit“.

Die nächste Lokalität ist das Gegenteil der Wangerbaur-Kapelle. Schon auf dem Weg durchs imposante Tor von Schloss Greifenberg winkt der höhere Stand. In der Kapelle Nischen, mit gemalten Vorhanghintergrund samt Goldlitzen. Wer sich nicht unters gemeine Volk mischen wollte, konnte der Messe am Fenster hoch oben folgen. Den Innenhof verzaubert ein Brunnen mit lachsfressender Bärenskulptur. Warum der da steht, ist nicht herauszubekommen. Insgesamt gibt es zu den Kapellen wenig Informationen. Manchmal hat man Glück. Manch Besitzer stellt sein Kleinod vor. Auch in der dem Schloss benachbarten Herrgottsruhkapelle gibt es eine Informantin. Die Mesnerin entfernt die Spinnweben und packt ihren Fahrradkorb mit Leckereien aus. „Die Kapelle wurde 1695 von der Familie Ziegler gebaut, der auch der Gasthof ‚Post‘ gehörte.“ 1877 wurde die Kapelle beinahe abgerissen – die Gemeinde übernahm gerade noch rechtzeitig.

Nach nun fünf Kapellen tut eine Pause Not. Ein Konzert schwänzen, das macht fast jeder. Kurz durchatmen, etwas essen. Man kann auch Routen wechseln, zum Beispiel von der Nord- zur Westroute. Zu St. Anna von Gut Romenthal müsse man unbedingt. Und der Tipp lohnt. Romenthal ist Idylle pur, samt Mehlschwalbenkolonie.

Am Eingang der Kapelle gibt’s Geschichte: 1570 erbaut, 1756 abgerissen und neu erbaut, Architekt Johann Michael Fischer, Deckengemälde vom Münchener Franz Seraph Kirzinger. 1937 erwirbt sie der Freistaat, seit 2008 ist es wieder eine Privatkapelle. Die Gastgeberin bietet Getränke und Quiches, außerplanmäßig sogar Kaffee. Obwohl die Kapelle 80 Plätze hat, ist wieder alles voll. Als auch noch der ADFC eintrifft, aus Weilheim und Landsberg, werden im Innenhof Stühle und Bänke aufgestellt. Wer immer noch keinen Platz hat, setzt sich auf den Rand des Brunnens, um dem Duo Folkadu zu lauschen: „Musik aus dem Heiligen Land“, israelische Lieder mit Trompete, Akkordeon und Gesang. Melancholische Weisen, die zu purer Lebenslust werden, als das Duo wieder aus der Kapelle tritt, um im Sonnenschein weiterzuspielen. „Wir haben noch zwei Lieder“, informiert der Akkordeonspieler. „Müssen Sie noch zu einem Konzert?“ Gelächter. Müssen muss keiner. Wollen mag aber auch keiner. Und so bleiben die Zuschauer, lauschen, genießen. Und lassen den klangvollen Tag ausklingen.

Susanne Greiner

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