Nach 20 Jahren ist es vorbei

»Haus am Roßmarkt« muss seine Türen schließen

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20 Jahre war das „Haus am Roßmarkt“ Anlaufpunkt für etliche Menschen. Jetzt muss Fuhrmann-Hüper (Foto) die Türe für immer schließen.

Landsberg – Nach 20 Jahren schließen sich endgültig die Türen. Das Haus am Roßmarkt muss aufgelöst werden. Der alte Eigentümer hat verkauft und der Neue hat Eigenbedarf angemeldet. Für Martina Fuhrmann-Hüper ein schwerer Abschied. Aber sie sieht auch optimistisch in die Zukunft. Ihr Credo: „Wer weiß wofür es gut ist.“

Angefangen hat alles im Jahr 1998. Nachdem aus dem alten Baustadl ein Finanzamt gemacht wurde, sollte nun ein Haus der Begegnung und Meditation entstehen. Die Idee dazu hatte die frühere Eigentümerin. Das Konzept war noch sehr esoterisch und spirituell. Es ging nicht um ein konkretes Programm, sondern mehr um einen Treffpunkt.

Fuhrmann-Hüper erfuhr später durch Zufall von dieser Einrichtung und konnte sich mit dem „Geist“, wie sie es nennt, sofort identifizieren. Kurz darauf hat sie die Leitung übernommen und im Juli 1999 den „Förderkreis Haus am Roßmarkt“ gegründet. Mit der tatkräftigen Hilfe dieses Förderkreises steuerte Fuhrmann-Hüper das „Haus am Roßmarkt“ immer weiter weg vom esoterischen und spirituellen Bereich.

Ziel war es, einen Ort zu schaffen, „an dem Menschen ein und aus gehen, professionelle Unterstützung erhalten und der eine gute Atmosphäre hat “. Das ist ihr auch gelungen. Tausende von Menschen haben sich in den Jahren Hilfe und Rat bei ihr und den anderen Therapeuten gesucht.

Für Fuhrmann-Hüper war dieser Umbruch zunächst eine „bedrohliche Situation“: Anfangs hatte sie noch keine Patienten, die Miete musste sie ja aber trotzdem irgendwie zahlen. Bei dem bereits älteren Haus standen auch immer mal wieder Reperaturen an. Mal rieselte es von der Decke, mal machte die extreme Hellhörigkeit des alten Gemäuers Probleme. Hinzu kommt, dass das „Haus am Roßmarkt“ keine öffentlich geförderte Einrichtung ist. Fuhrmann-Hüper musste sich also stets selbst um die Finanzierung kümmern.

Jetzt ist es ein Zentrum für Themen zur physischen und psychischen Gesundheit und für die professionelle Begleitung im Alltag und Beruf für eine breite Bevölkerungsgruppe. Die Spiritualität sollte als Philosophie aber immer erhalten bleiben. Deshalb fanden nicht nur Psychotherapien wie Verhaltens- oder Körpertherapie, sondern unter anderem auch Yoga und Qi Gong statt. Zweimal im Monat konnten sich Interessierte zu einem „philosophischen Nachmittag“ treffen und über die unterschiedlichsten Themen diskutieren. Auch Chöre, Theater- und Tanzgruppen fanden hier ihren Platz. Solange, bis die Gruppen zu groß wurden und sich andere Räumlichkeiten suchen mussten.

Nicht zuletzt durch ihre vielen Reisen in die ganze Welt war der kulturelle Aspekt für Fuhrmann-Hüper immer sehr wichtig. Deshalb fanden im „Haus am Roßmarkt“ auch immer wieder Vernissagen und Ausstellungen statt. Seit 2000 hielt auch die „Lange Kunstnacht“ Einzug im Haus.

Ob sie auch mal daran gedacht hat die Leitung abzugeben und sich ganz ihrer Therapiepraxis zu widmen? „Daran gedacht schon. Aber das Haus ist mein Baby.“ Sie hat viel Arbeit und Kraft in den Ort gesteckt und auch einige schwierige Situationen bewältigen müssen. Das Roßmarktteam, aktuell 15 Personen, seien wie eine große Familie. „Da kommt es schon mal zu Konflikten.“ Aber das war nie ein Grund aufzuhören.

Jetzt mussten sie gehen. Schon bald sollen die Handwerker kommen und das alte Gemäuer zu einer Wohnung für die neue Eigentümerfamilie umfunktionieren. Fuhrmann-Hüper hat für die Zeit danach schon zusammen mit vier anderen Kollegen einen schönen Platz am Hauptplatz im Hause Leidescher seit 1855 im Familienbesitz gefunden. Trotz aller Traurigkeit und Emotionalität wünscht sie den zukünftigen Bewohnern, dass der Geist des Hauses auch sie erfüllen möge.

Fuhrmann-Hüper ist vor allem den vielen Menschen dankbar, die das Haus über all die Jahre zu dem gemacht haben, was es war.

Stephanie Novy

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