Mitgehangen, mitgefangen

Hausdurchsuchung wegen Bruder bringt 20-Jährigen vor Gericht

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32 Gramm Kokain bringen einem 20-Jährigen ein Jahr und neun Monate auf Bewährung ein.

Landkreis – Eigentlich steht der Bruder des 20-jährigen Angeklagten im Fokus der Polizeibeamten, als diese im Februar eine Hausdurchsuchung am Ammersee durchführen. Dass letztendlich der 20-Jährige wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz, Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vor Gericht landet: ‚Pech gehabt‘, könnte man lapidar kommentieren. Beim Bruder wurden nur Anhaftungen gefunden, beim Angeklagten gut 32 Gramm Kokain. Verurteilt wurde er zu einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung. Die eher milde Strafe verdankt er seinem umfassenden Geständnis.

Gleich bei der Hausdurchsuchung im Februar sei ihnen der Geruch nach Marihuana aufgefallen, berichtet der zuständige Hauptsachbearbeiter der Polizei bei der Verhandlung im Amtsgericht Landsberg. Weshalb der Angeklagte auch sofort zugegeben habe, einen Joint geraucht zu haben und eine geringfügige Menge Marihuana zu besitzen. Bei einer Leibesvisitation sei der 20-Jährige „unruhig geworden, er wollte weg“. Und als die Beamten eine Plastikbox entdeckten, flüchtete er – bei insgesamt fünf Beamten natürlich erfolglos: Zwei hielten ihn fest. Er wehrte sich und verletzte dabei die Beamten geringfügig.

Die in der Dose gefundene Substanz stellte sich bei einer späteren Untersuchung als Kokain mit einem Wirkstoffgehalt von 17,08 Gramm CHC (Cocainhydrochlorid) heraus: das Dreifache der sogenannten nicht geringfügigen Menge, von Staatsanwältin Melanie Ostermeier als Menge „zum gewinnbringenden Weiterverkauf“ bezeichnet.

„Das schreit nach einem Geständnis“, kommentierte der vorsitzende Richter Alexander Kessler den Sachverhalt. Ganz so schnell ging‘s nicht. Verteidiger Marc Wederhake beantragte eine Besprechung zur einvernehmlichen Verfahrenserledigung – einen „Deal, ein Geben und Nehmen“, wie Kessler, „Jura leichtgemacht“, formulierte. Als Mindeststrafe wurden dabei ein Jahr und sechs Monate, als Höchststrafe zwei Jahre mit Bewährung gesetzt, zudem 80 Arbeitsstunden. Der Angeklagte nahm an und gestand im vollen Umfang der Anklage. Angaben zu eventuellen Käufern der Drogen werde er aber nicht machen.

Die Hausdurchsuchung und das Verfahren hätten auf den Angeklagten „wie ein Schuss vor den Bug gewirkt“, äußert Wederhake in seiner Einlassung. Er habe seine Fehler eingesehen und sei derzeit bereits in stationärer Therapie in München. In Therapie ist der Angeklagte nicht nur wegen Drogenmissbrauchs, auch wegen ADHS bei Erwachsenen und Depressionen. Eine Diagnose, aufgrund der der Angeklagte, im Moment noch arbeitssuchend gemeldet, krankgeschrieben ist. Nach der Therapie beginne er aber einen Teilzeitjob in der Gastronomie, im neuen Lehrjahr wolle er sich eine Lehrstelle suchen.

Der 20-Jährige lebt noch bei seiner Mutter. 2016 begann er eine Ausbildung, die er aber aufgrund der Depressionen abbrechen musste. Seine Drogenkarriere startete früh: mit 13 zum ersten Mal Alkohol , kurz darauf Marihuana, was sich schnell auf täglich mehrere Gramm ausweitete. Kokain habe er das erste Mal an Silvester 2017/2018 genommen. Was sich sofort auf einen Konsum von bis zu zwei Gramm täglich steigerte.

Die Staatsanwältin beantragte das Deal-Höchstmaß. Der Angeklagte sei bereits 2014 und 2017 mehrmals wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz aufgefallen. Ebenso belastend sei die „sehr gute Qualität des Kokains“. Strafmildernd sehe sie neben Geständnis und Therapie auch die Einwilligung des Angeklagten, die bei der Durchsuchung eingezogen drei Handys und 75 Euro nicht zurückzufordern.

Verteidiger Wederhake plädierte für das Mindestmaß: „Die Reue für den Mist, den er gemacht hat, ist ihm anzusehen.“ Richter Kessler entschied sich für eine Jugendstrafe von einem Jahr und neun Monate auf Bewährung, Bewährungszeit drei Jahre, die Fortführung der Therapie und ein drogenfreies Leben als Bewährungsauflage, zudem 80 Stunden Arbeitseinsatz. Das Geständnis, „Karten auf den Tisch und Hosen runter“, sei die richtige Strategie gewesen. Die Aussetzung auf Bewährung sei jedoch keine Selbstverständlichkeit. „Nutzen Sie diese Chance, um etwas vernünftiges aus Ihrem Leben zu machen.“

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