Verlust nicht verarbeitet

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Symbolfoto

Landsberg – Den Verlust ihres Zuhauses konnten zwei Schwestern aus dem südöstlichen Landkreis offenbar nur schwer verwinden. Immer wieder gingen die 62 und 64 Jahre alten Frauen zu dem Anwesen, schauten durch die Fenster und liefen über das Grundstück, obwohl die neuen Besitzer es ihnen verboten hatten. Wegen Hausfriedensbruch standen die Beiden nun vor dem Amtsgericht Landsberg.

Das Anwesen war nach dem Tod der Mutter und des Bruders der Frauen zwangsversteigert worden. Die ältere der Schwestern ist allerdings in der Wahnvorstellung befangen, die beiden würden noch leben. Mit einer Graböffnung möchte sie dies beweisen. „Sie glaubt, die Versteigerung sei nicht rechtens gewesen, und möchte unbedingt in das Haus zurück“, erklärte die psychiatrische Gutachterin Dr. Elisabeth Pinker. Trotz dieser „einzelnen Wahnidee“ sei die 64-Jährige, die unter Betreuung steht, voll schuldfähig. Sie verstehe durchaus, dass sie das Grundstück derzeit nicht betreten dürfe.

Das hätten sie auch nicht getan, beteuerten beide Schwestern. Sie seien stets auf öffentlichen Wegen geblieben. Teilweise sei die Grundstücksgrenze nur 1,30 Meter von dem Haus entfernt – die 64-Jährige hatte sich, wie sie sagte, die Zahlen extra beim Vermessungsamt besorgt.

Einer der Vorwände für ihre häufigen Besuche war ein Probe-Abo der Süddeutschen Zeitung, das die Schwestern im März vergangenen Jahres an ihre alte Adresse zustellen ließen. Die Zeitung klemmte stets hinter der Klinke der Haustür, von wo die Frauen sie sich mitnahmen. Entnervt legte die neue Eigentümerin die Zeitung eines Tages ins Haus – und sah die Schwestern später damit auf der Straße. „Damit war klar, dass sie im Haus gewesen waren“, so die 47-Jährige. Auch habe sie die beiden mehrfach über das Grundstück gehen sehen. „Sie haben alles inspiziert. Manchmal waren sie mehrmals am Tag da.“ Auch jetzt kämen die Schwestern, die mittlerweile in Weilheim leben, noch häufig – allerdings würden sie nun tatsächlich auf dem öffentlichen Grund bleiben.

Verteidigerin Gwendolyn Marquis hielt die Zeugin für nicht glaubwürdig und die Vorwürfe nicht für hinreichend belegt. Sie beantragte Freispruch für die Schwestern. Richterin Simone Zwiener sah das anders – sie folgte dem Antrag von Staatsanwältin Regina Grandl und verhängte gegen beide Angeklagte eine Geldstrafe von je 900 Euro. Die beiden Frauen befänden sich zwar in einer schwierigen Lage, so Zwiener, „das darf aber nicht dazu führen, dass sie sich über das Hausverbot hinwegsetzen.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Ulrike Osman

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