Ein Heft mit Sensationen

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ANDREA PETER, Landsberg – Wie Krankheiten mit Gebeten und Beschwörungsformeln beizukommen ist, das wusste eine Bäuerin aus dem nördlichen Landkreis. Das Merkheft dieser Heilerin, die 1977 starb, wurden von einer Landsberger Familie aufbewahrt. „Wer das Ding glaubt, es wird heilen geschwind“, heißt es in den Landsberger Geschichtsblättern zum Wirken dieser Frau. Der 108. Jahrgang der Reihe ist jetzt erschienen und hat noch mehr „Geheimnisvolles“ parat: zum Beispiel Graffiti in der Stadtpfarrkirche. Für Sigrid Knollmüller sind die Wandkritzeleien mit Rötel in Mariä Himmelfahrt, die bei der Renovierung hinter Grabmalen gefunden wurden, eine Sensation. Stolz ist sie, als 1. Vorsitzende des Historischen Vereins, auch auf eine Erstveröffentlichung von Elisabeth Hinterstocker zum Leben des Stuckateurs Johann Michael Feicht- mayr aus Wessobrunn. Das „Organ des Vereins“ bringt auch in der 2009er Ausgabe Interessantes und Neues aus allen Zeiten der fast 2000-jährigen Stadtgeschichte hervor. So gibt es einen Vortrag der Stadtarchivarin Elke Kiefer über die „Castrum Landespurch – Die Anfänge Landsbergs“. Laut Kiefer ist zum Beispiel nicht geklärt, dass Heinrich der Löwe eine bereits existierende Salzstraße von Kaufering nach Landsberg verlegt habe (im 12. Jahrhundert). „Genausogut kann es sein, dass Heinrich einen bereits existierenden Handelsweg über Landsberg zur Salzstraße ausbauen ließ.“ Auch sei zu bedenken, dass im Mittelalter Römerstraßen weitergenutzt wurden und eine solche, seit 1971, von Gauting über Landsberg nach Kempten vermutet würde. Klaus Münzer stellt unter anderem eine Pestpredigt aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges vor, wo „ausgestorbene gassen, die gespeigt Todten last, die angecörperte Leicht-Karn“ genannt werden oder erzählt von Georg Sieß, der erst stolzer Weinwirt, dann streitlustiger Bierbräu war und „keinen Respekt vor hohen Herrn und der Obrigkeit“ hatte. Der Stoff wird Münzer, dem Verantwortlichen, der Schriftleiter und Ehrenvorsitzender des Historischen Vereins ist, wohl nie ausgehen. Schon jetzt ist das nächste DIN-A4-Heft mit Hochglanzumschlag, eigentlich handelt es sich mehr um ein Buch, gefüllt. Darin geht es um Landsbergs Brauereien. „18 Stück gab es und das war schon beachtlich“, weiß Münzer. An dem aktuellen Heft besonders schön ist das Bildmaterial: Was sich an der Decken der Jesuitenkirche Heilig Kreuz abspielt – Kaiser Konstantins Schlacht auf der Milvischen Brücke oder die Kreuzauffindung und -Probe durch Kaiserin Helena – ist farbenprächtig abgebildet (und beschrieben). In den Buchhandlungen der Stadt sind die Geschichtsblätter, geschmückt mit der barocken Standuhr von Großuhrmacher Antoni Hartmann, für 12,50 Euro erhältlich.

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