Heile Welt im Stadtmuseum

Eine Gruppe blumenbekränzter Mädchen beobachtet den Flug vorbeiziehender Störche im „Storchenbild“ von Walter Georgi. Foto:Ruile

Anlässlich der Auflösung der Künstlergemeinschaft „Scholle“ vor 100 Jahren zeigt das Neue Stadtmuseum in seiner Winterausstellung eine Auswahl seiner bedeutenden Sammlung. Dazu zählen zahlreiche Werke des Malers Walter Georgi. Zur Vernissage lud Museumsleiterin Dr. Sonia Fischer am Sonntagnachmittag alle Kunstinteressierten auf den Leitenberg.

Einen besonderen Leckerbissen kredenzt Fischer, allen Kunstliebhabern. 29 Bilder von Malern der 1899 gegründeten Künstlergruppe „Scholle“, davon 25 aus eigenem Bestand, werden seit Sonntag in der sehenswerten Sonderausstellung „Walter Georgi und die Scholle“ präsentiert. Mit 19, teils mittel-, teils großformatigen Werken, allesamt aus Museumsbestand, ist Georgi der am stärksten repräsentierte Künstler der Schau. Der „Mensch“, einzeln oder in Gruppen, meist stark in den Vordergrund gehoben und die „Natur“; das ist ein Grundmotiv der Schollemalerei. Dabei erlebt der Betrachter die meist hellen, lichtdurchfluteten Gemälde als Ausdruck eines unbeschwerten Daseins in heiterer Grundstimmung. Schon damals sahen sich die Künstler mit dem Vorwurf konfrontiert in ihren Arbeiten bodenständiger Deutschtümelei Vorschub zu leisten, erklärte Sonia Fischer in ihrem einführenden Vortrag. Die Namensgebung „Scholle“ sei jedoch der Reflex auf ein Gedicht des Lyrikers Michael Georg Conrad und Ausdruck des Strebens nach Individualität. Jedes der Mitglieder der Gruppe war gehalten „seine eigene Scholle“ zu bearbeiten. „Frisch und frech wollte man daherkommen“, wusste Sonia Fischer zu berichten, „ganz im Sinne des liberalen Münchner Kunstprofessors Paul Hoecker“, dessen Schüler fast alle Scholle-Mitglieder gewesen seien. In Opposition zum etablierten Akademiebetrieb wollten die Hoecker-Schüler sich nicht exerzitienhaft an Modellen abarbeiten. Stattdessen sollte es hinausgehen aus den „muffigen Ateliers“ – Freiluftmalerei sei die bevorzugte Arbeitsweise der „Ammerseemaler“ gewesen, erklärt die Museumsleiterin. 1903 war Walter Georgi als erster Schollekünstler von München nach Holzhausen übergesiedelt, wo bald eine Künstlerkolonie entstand. Orts- und Landschaftsansichten der näheren Umgebung fanden seitdem vielfach Eingang in die Werke der Maler. So auch im „Storchenbild“ von Walter Georgi, in dessen Hintergrund der Ammersee und auf der Uferseite der „Heilige Berg“ mit Kloster Andechs deutlich zu erkennen sind. Der typische pastose Farbauftrag, das oft „Pastellige“, aber auch die stark in den Vordergrund gerückte Personengruppe, ihre gelöste Eingebundenheit in die umgebende Natur – in diesem Werk vereinen sich beispielhaft viele Merkmale der Schollemalerei. Naturlyrismus, in den Gemälden allgegenwärtig, gab es dann auch im musikalischen Rahmenprogramm der Ausstellungseröffnung. Begleitet von Cornelia Meyer am Klavier interpretierte die Sopranistin Hermine Eicke Kunstlieder der – zumindest phasenweise – „schollenahen“ Komponisten Richard Strauss, Hans Pfitzner und Richard Trunk. Anlässlich der Ausstellung wird es auch eine kleine Veranstaltungsreihe geben. Den Anfang macht der frühere Museumsleiter und Scholle-Experte Hartfrid Neunzert mit einem Vortrag am 1. Dezember um 19 Uhr.

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