»Geschichte vor der Haustür«  

Heimatmuseum Egling: Förderung für Digitalprojekt »#kein Rembrandt«

Weibliche Tracht
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Das Thema Tracht hat für Christopher Vila eine große regionalgeschichtliche und gesellschaftliche Bedeutung.
  • vonAndrea Schmelzle
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Egling – Großes vor im Bereich der Digitalisierung hat das Heimatmuseum Egling. Mit seinem Projekt „#keinRembrandt“ ist es als eine von 20 Kultureinrichtungen in Bayern und einzige Kulturstätte im Landkreis für eine Förderung über das Programm „Kultur.Gemeinschaften“ der Kulturstiftung der Länder ausgewählt worden – und erhält damit einen Zuschuss von fast 30.000 Euro für ein zukunftsweisendes Vorhaben.

Wie so oft, war Corona der ‚Startschuss‘: „Unser Projekt bettet sich ein in verschiedene Vorgänge, die wir mit Blick auf eine digitale Strategie im Corona­lockdown vorantreiben oder vorangetrieben haben“, sagt Christopher Vila, Erster Vorstand des Kultur- und Heimatvereins Egling, der als Motor hinter der Idee steht.

Quasi „über Nacht“ habe es begonnen, mit ersten Aktivitäten auf Facebook und Instagram. „Wir haben zunächst versucht, verschiedene Angebote zu schaffen, um einen besseren Austausch zwischen den Mitgliedern und auch mit anderen Organisationen zu ermöglichen“, erzählt Vila.

„#kein Rembrandt – Heimatmuseum als Geschichts- und Kulturspeicher“, so lautet der Name der sich daraus entwickelten regionenübergreifenden Projekt­idee. Dabei gehe es darum, eine Plattform oder besser eine „ganze Digital­aktion“ zum Thema Heimatforschung und Heimatsammlung zu schaffen, bei der sich auch andere Museen beteiligen sollen. Etwas Großes, Vernetzendes, Partizipatives solle entstehen, so Vila.

„Wir haben hier im Heimatmuseum Egling keine Objekte von nationaler Bedeutung“, sagt der Vereinsvorsitzende. „Dennoch sind unsere Objekte wichtig und identitätsstiftend, wenn es um Regionalgeschichte geht.“ Denn sie zeugten von Kulturgeschichte, die „genau hier“ stattgefunden habe, quasi „Geschichte vor der eigenen Haustür“. Mit ihnen werde kulturelles Erbe gepflegt und für die Zukunft bewahrt. Archäologische Funde, Archivalien zur Ortsgeschichte, Alltagsobjekte des 18.-20.Jahrhunderts bis hin zu Erinnerungen an den Todesmarsch 1945, in dessen Rahmen auch in Egling zwei KZ-Häftlinge hingerichtet wurden –, all das werde auch digital zum Thema werden.

Aus weiblicher Sicht

Und da andere Landkreise, Städte, Gemeinden auch ihre eigene Regionalgeschichte mit gleichen oder ähnlichen Themen mitbringen, versuche man in Projektpartnerschaften gemeinsam Schwerpunkte aufzuarbeiten und überregionale Vergleiche zu ziehen. Etwa das Thema Tracht eigne sich gut, meint Vila, mit seiner „gewaltigen gesellschaftlichen Bedeutung“. Auch der Bereich „Female Heritage“, die weibliche Erinnerungskultur, sei interessant. „In den Heimatbüchern findet man fast nichts speziell zum Thema Frauen“, meint Vila. Heimatforschung sei oft mit männlichen Klischees behaftet. Das wolle man beleuchten, promoten – und ändern: Die Geschichte aus der weiblichen Perspektive müsse einen verstärkten Eingang in die Heimatforschung finden.

Zusagen für Projektpartnerschaften gibt es schon: etwa das Haus der Geschichte im baden-württembergischen Waiblingen, das Stadtmuseum Aichach oder auch, als großer Player, das Stadtmuseum Dresden. „Jeder bringt aus einer Region etwas ‚auf den Tisch‘ und beleuchtet es,“ meint Vila. Es könnten sich auch Autorenpaare bilden, um gemeinsam an einem Blogbeitrag oder Podcast zu arbeiten.

„Gesellschaftsrelevant, innnovativ und zukunftsweisend“ – das seien die Gründe für die Förderzusage gewesen, so Vila. Auch dass das Projekt in einem digitalen Raum stattfinde und partizipativ angelegt sei, habe überzeugt. Das Fördergeld aus dem Rettungsprogramm „Neustart Kultur“, das auf die digitale Transformation von Kultureinrichtungen abzielt, diene nun zur Anschaffung von Infrastruktur – Hard- und Software – sowie zur Weiterbildung der ausschließlich ehrenamtlichen Vereinsmitglieder, etwa im Bereich von Social Media.

#keinRembrandt werde komplett virtuell stattfinden, über verschiedene Formate, von Blog bis youtube-Kanal. „Wir möchten die ganze Bandbreite ausnutzen“, so Vila, „und dadurch ermöglichen, dass unsere Inhalte ortsunabhängig und niederschwellig rezipiert werden können.“ Vor allem für kleine Museen biete das vernetzende und regionenübergreifende Projekt große Chancen. Die Partner werden eingeladen, ihre Inhalte einzuspeisen, „Content“ zu produzieren sowie über ihre Strategien zur Positionierung im umkämpften Feld „Heimat“ zu sprechen.

Das Programm ist ein weiterer Schritt in Richtung Professionalisierung des Heimatmuseums Egling, die sich Vila seit Amtsamtritt Anfang 2019 auf die Fahne geschrieben hat. Dazu gehöre auch die Einbindung in verschiedene Diskurse oder auch die ziel- und adressatengerechte Aufarbeitung des Materials – stets mit dem Blick darauf: „Was kann uns in der Vermittlungsarbeit weiterhelfen?“, erklärt Vila.

»Alles Vermittlung«

Denn im Museum sei alles Vermittlung. Man mache ja Ausstellungen nicht für das Fachpublikum, sondern für die Besucher. Deren Lebenswelt versuche man zu berühren, damit für sie Geschichte interessant und persönlich relevant werde.

Auch für die Jugendarbeit will Vila Anreize schaffen, etwa außerschulische Programme oder Ferienfreizeiten anbieten. „Das Digitale hat für die Jugend einen großen Stellenwert“, sagt Vila. „Mit unserem Projekt können wir das Interesse der Jugendlichen für Heimatgeschichte wecken und anregen, selber aktiv zu werden.“ Jeder könne sich mit seinen eigenen Interessen und Kenntnissen einbringen. Bürgerschaftliches Engagement solle ermöglicht und gefördert werden.„Und dafür“, so Vila, „muss man nicht erst Kunstgeschichte studiert haben.“

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