Vom Heimatverein ausgezeichnet

Dießener Kloster-Klinik ist »Haus des Jahres 2020«

Heimatverein Dießen - Psychosomatische Klinik Kloster Dießen
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Weil der Denkmalschutz in vorbildlicher Weise bei den Sanierungs- und Umbaumaßnahmen berücksichtigt wurde, verlieh der Heimatverein Dießen die Plakette „Haus des Jahres 2020“ an die Psychosomatische Klinik Kloster Dießen.
  • Toni Schwaiger
    vonToni Schwaiger
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Dießen – Schon seit 38 Jahren zeichnet der Heimatver­ein Dießen im Sinne der Denkmalpflege sanierte Häuser im Gemeindegebiet aus. In diesem Jahr fiel die Wahl nicht auf ein Privathaus, sondern auf den gewaltigen Gebäude­komplex der Psychosomatischen Kloster-Klinik neben dem Marien­münster. „Hier wurde der Denkmalschutz in vorbildlicher Weise bei den Sanierungs- und Umbaumaßnahmen berücksichtigt“, wie Nue Ammann vom Heimatverein in ihrer Laudatio betonte.

Der ehemalige Klosterbereich sei laut dem Kulturhistoriker und Heimatvereins-Vorsitzendem Dr. Thomas Raff die geschichts­trächtigste Stelle der Marktgemeinde. Zwischen 1110 und 1120 gründeten die Grafen von Dießen hier bereits zwei Klöster. Aus der Klosteranlage des 12. Jahrhunderts entwickelte sich Laufe des Spätmittelalters ein umfangreicher Komplex aus verschiedenen Kloster- und Ökonomiebauten. Ab 1611 entstanden einige der heute noch bestehenden Gebäudeteile. Nach der Säkularisation 1802 erlebte die Klosteranlage turbulente Zeiten. Erst als Besitz des Bayerischen Staates, dann als Landsitz eines wohlhabenden Medizinalrates, schließlich als Brauerei und Wirtshaus mit Kegelbahn.

Corona-bedingt fand die Überreichung der Plakette „Haus des Jahres 2020“ im Garten der Psychosomatischen Klinik statt. Von links: Chefarzt Prof. Dr. Bert Theodor te Wildt, Klinikleiterin Inga Drummer und Nue Ammann vom Heimatverein .

1917 ersteigerten die Barmher­zigen Schwestern des Hl. Vinzenz von Paul das Anwesen, um das Augsburger Mutterhaus nach Dießen zu verlegen. Wegen des schlechten baulichen Zustandes rückte man von dem Vorhaben ab. Einige Schwestern blieben in Dießen und bewirtschafteten die landwirtschaftlichen Flächen des Klosters. Nachdem sie 2014 das Kloster aufgaben und ins Mutterhaus nach Augsburg zurückkehrten, übernahm die Klinikgruppe Artemed das inzwischen denkmalgeschützte Haus; behutsam und mit Respekt für die klösterliche Bauweise wurde umgestaltet.

Zimmer mit Seeblick

Von außen kaum sichtbar, erfolgte im Inneren eine grundle­gende Sanierung und Ertüchtigung der Bausubstanz. Auf 7.000 Quadratmetern beherbergt die Klinik drei Stationen mit insgesamt 94 Patientenzimmern und eigenem Bad. Die ehe­maligen Zellen der Nonnen wurden vom Innenarchitekten-­Atelier Pilati komfortabel umgebaut. Die Zimmer mit Seeblick laden mit hellen Blautönen zum Durchatmen ein, die Zimmer mit Waldblick greifen das Grün der Natur auf und die Zimmer zum Hof sind in freundlichem Grau gestaltet.

Im Erdgeschoss sorgen der weitläufige Kreuzgang und großzügige Therapieräume für ein offenes und freundliches Ambiente. Auf der Seeseite sind neben zwölf Einzel- und Gruppentherapieräumen mehrere Arzt- und Behandlungszimmer für medizinische Untersuchungen mit Ultraschall, EKG etc. angesiedelt. Im Parterre befinden sich außerdem eine Bibliothek und ein gemütliches Kaminzimmer mit einer kleinen Cafeteria als Aufenthaltsraum.

Beim Umbau gab es zahlreiche Überraschungen, wie Chef­arzt Prof. Dr. Bert Theodor te Wildt bei der Ehrung erzählte. Stahlträger mussten für eine bessere Statik eingezogen werden und der Keller wurde aufwändig trockengelegt und abgedichtet. Die Renovierung der 364 denkmalgeschützten Fenster war eine Mammutauf­gabe, wobei ein Großteil davon stilecht in einer Dießener Schreinerei nachgebaut werden musste.

Verstecktes Gewölbe

Die Bauherren hatten jedoch auch Grund zur Freude. Im Untergeschoss kam hinter verwinkelten Technikräumen ein Keller­gewölbe aus dem frühen 18. Jahrhundert zu Vorschein. Hier ist jetzt der Restaurantbereich, erweitert durch einen lichtdurchfluteten Wintergarten. Der ursprüngliche Klostergarten mit den Obstbäumen auf der Seeseite blieb bestehen, genauso wie die Orangerie und die beiden alten Brunnen im Innenhof und Südgarten.

Die Plakette „Haus des Jahres 2020“ des Heimatvereins Dießen, wegen der Corona-Pandemie open air im Klostergarten entgegengenommen von Chefarzt te Wildt und Klinikleiterin Inga Drummer, wird vom Umbau-Architek­ten Hans Neuner persönlich am Haupteingang, der früheren Klosterpforte, angebracht. Vom Heimatverein, zuhause im benachbarten Tauben­turm, nahmen neben Nue Ammann auch Uschi Radaj und Josef Graf an dem kurzen Festakt teil.
Dieter Roettig

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