Für die Opfer der Gasexplosion in Rettenbach

Heinrich Welz aus Walleshausen spendet Erlös vom Verkauf seiner Nistkästen

+
Den Erlös aus dem Verkauf seiner selbstgebauten Nistkästen spendete Heinrich Welz an Sandra Humm, die durch eine Gasexplosion Mann und Tochter verlor. Das Haus der Familie wurde durch das Unglück in Schutt und Asche gelegt.

Walleshausen/Rettenbach – Rund 250 selbstgebaute Vogelhäuschen hat Heinrich Welz (81) in den letzten Monaten verkauft (der KREISBOTE berichtete). Mit dem Erlös wollte er Gutes tun – am liebsten jemandem helfen, der unverschuldet in Not geraten ist. So jemanden hat der 81-Jährige gefunden: Sandra Humm, die durch eine Tragödie Mann und Tochter, das neugebaute Haus und sämtliches Hab und Gut verlor. Ihr spendete der Walleshausener jetzt 2.500 Euro.

Vor gut einem Jahr löste das Unglück in Rettenbach (Landkreis Ostallgäu) weit über die Region hinaus Entsetzen aus. An einem Sonntag Vormittag im Mai ließ eine Gasexplosion, die von einer Ringleitung in dem Wohngebiet ausgegangen sein muss, das Eigenheim der Humms bis auf die Grundmauern einstürzen. Vater Christian (42) und Tochter Anna (7) starben in den Trümmern. Mutter Sandra wurde im Keller verschüttet und später mit schwersten Brandverletzungen geborgen. Die inzwischen neun- und sechsjährigen Söhne Florian und Tobias waren auf dem nahen Spielplatz und überlebten als einzige Familienmitglieder das Unglück zumindest physisch unversehrt.

Sandra Humm lag fast zehn Wochen auf der Intensivstation und musste anschließend monatelang in die Reha. Inzwischen lebt sie mit ihren Söhnen in einer Wohnung im Elternhaus bei Erding.

Die Ursache der Gasexplosion ist noch immer nicht geklärt, die Schuldfrage offen. So ist aber auch unklar, wer letztendlich für den entstandenen Schaden aufkommen wird.

Als Sandra Humm Heinrich Welz und seine Frau Wally vor dem Rettenbacher Rathaus trifft, ist es auf den Tag genau ein Jahr her, dass sie aus dem künstlichen Koma geholt wurde. Wer ihre Geschichte nicht kennt, würde der 40-Jährigen mit flotter Lockenfrisur und Lederjacke nicht anmerken, was sie durchgemacht hat und immer noch durchmacht. Sie ist offen und freundlich, beantwortet den Welz‘ alle Fragen über das Unglück und erzählt vom Leben mit ihren Söhnen. Noch immer muss sie in die Reha, besonders der rechte Arm ist stark betroffen. An eine Rückkehr in den Beruf kann die Hotelfachfrau frühestens im nächsten Jahr denken.

Es ist nicht der erste Besuch der 40-Jährigen an ihrem alten Wohnort. „Ich war schon im Oktober das erste Mal wieder hier.“ Ihre Psychologin habe es ihr geraten – um das Ganze wirklich zu realisieren. Auf dem Grundstück, auf dem früher das Haus der Familie stand, wächst heute eine Blumenwiese. Nachbarn haben ein Marterl aufgestellt.

Die Solidarität der Menschen im Allgäu und im Erdinger Land war enorm. Viele haben geholfen, sowohl praktisch als auch finanziell.

Heinrich Welz ist froh, dass auch er nun einen Beitrag dazu geleistet hat, die Familie auf dem Weg zurück ins Leben zu unterstützen. Ihn und seine Frau hat Sandra Humm enorm beeindruckt. „Sie ist eine wirklich starke Frau.“

Unterdessen baut der 81-Jährige schon die nächsten Nistkästen. Denn die Nachfrage ist ungebrochen groß, obwohl die Brutsaison der Stare, Blau- und Kohlmeisen für dieses Jahr schon vorbei ist. Aber die nächste Saison kommt bestimmt. Und wer gesehen hat, wie schnell die Nistkästen Anfang dieses Jahres vergriffen waren, bestellt am besten jetzt schon mal das neue Vogeltraumhaus bei Heinrich Welz vor.
Ulrike Osman

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gefälligkeitsatteste: Kripo ermittelt gegen Kauferinger Arzt
Gefälligkeitsatteste: Kripo ermittelt gegen Kauferinger Arzt
Radwegenetz im Landkreis Landsberg wächst
Radwegenetz im Landkreis Landsberg wächst
Christkindlmarkt Landsberg: noch keine Absage
Christkindlmarkt Landsberg: noch keine Absage
Landsberg: Schulklasse in Quarantäne
Landsberg: Schulklasse in Quarantäne

Kommentare