Urbanes Leben am Papierbach

"Auf keinen Fall zu klein denken!"

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Stadtheimatpfleger Dr. Werner Fees-Buchecker (hinten, Mitte) ging beim Aktionstag auf dem Pöttinge-Areal auch auf die Planungsgeschichte ein.

Landsberg – Vorsichtig optimistisch – so könnte man die Zukunftsaussichten rund um das Pöttinger-Gelände (ehemalige „Pflugfabrik“) im Herzen Landsbergs nach den ersten beiden Aktionstagen einschätzen.

„Die Bürgergruppe hat in der Kürze der Zeit eine tolle Arbeit gemacht“, resümiert Stadtbaumeisterin Annegret Michler, die auch über den „guten Zuspruch der Landsberger“ erfreut war. Auch von dem am Freitag überraschend persönlich angereisten Heinz Pöttinger kamen verhalten positive Signale für eine mögliche Wohnbebauung.

Allerdings blieb der Firmenchef aus der Alpenrepublik zurückhaltend und betonte abermals: „Ich habe eine Seele als Kaufmann, die ich nicht völlig abschalten kann. Wenn man hinterher nicht mehr hat als vorher, sollte man ein Geschäft nicht machen.“ Im Moment befinde man sich wieder in einer Phase, „in der eine Tür aufgehen kann“, mehr aber auch nicht. Ob man sich nach über 30-jährigen, bislang erfolglosen, Verhandlungen über eine neue Nutzung des Areals einig wird, liegt nach Pöttingers Ansicht nun zunächst einmal an der Stadt.

Denn wer erwartet hatte, dass der Vorstand des Landmaschinenherstellers mit Plänen auftreten würde, sah sich eines besseren belehrt. Es sei nun an der Kommune, mit der Bauleitplanung zu beginnen, so Pöttinger auf Nachfrage. Erst wenn diese dann entworfen und gegebenenfalls durch den Stadtrat beschlossen sei, würde er nach Investoren suchen, die das Projekt „Leben am Papierbach“ angehen: „Diese Leute riskieren ja ihr Geld und benötigen natürlich eine gewisse Planungssicherheit.“

Stadtbaumeisterin Michler möchte zwar im ersten Schritt eher nur an den Flächennutzungsplan herangehen, wie sie erklärte, „denn im Bebauungsplan kommen dann immer noch sehr viele Änderungen“, ist sich in der Vorgehensweise aber prinzipiell mit Pöttinger einig, wie sie auf Nachfrage des KREISBOTEN bestätigt. „Das ist auch kein ungewöhnliches Vorgehen, dass die Stadt den Rahmen vorgibt, wir hatten das bei mehreren Projekten“, sagt sie und verweist als jüngeres Beispiel auf das ehemalige „Minimal“-Gelände. „Dort wollte der Eigentümer eine Wohnbebauung, das haben wir abgelehnt.“

Die Stadt dürfe „keinen Verhinderungsbebauungsplan“ erstellen“, so Michler, „aber Wegebeziehungen und Geschosshöhen sind zum Beispiel Dinge, die wir vorgeben.“ In den nächsten Wochen werden deshalb in der Verwaltung verschiedene Modellpläne ent­- wickelt – ob das mit oder ohne externe Unterstützung geschieht, wird vor allem eine Budgetfrage sein. Anschließend soll sich der neue Stadtrat für eine Variante entscheiden; wenn möglich, noch vor der Sommerpause.

Mit Fingerspitzengefühl

Entscheidend wird dann aber sein, ob Pöttinger den Vorschlag akzeptiert und nach möglichen Modifikationen umsetzt. Dabei dürfte Fingerspitzengefühl gefragt sein, wie Michler weiß. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass er das macht, wenn seitens der Stadt zu hohe Forderungen auf ihn zukommen.“ Schon aus rechtlicher Sicht sei etwa klar, dass Wünsche, einzelne Hallen stehenzulassen, nicht durchzusetzen seien. „Das können wir nicht vorschreiben, dafür gibt es keine Grundlage.“

Pöttinger selbst sah diesen Punkt beim Aktionstag äußerst zurückhaltend und erläuterte das am Beispiel des Verwaltungsgebäudes, das auf den Fundamenten der ehemaligen Papiermühle erbaut ist. „Wenn ich einen Nutzer finde, der das saniert, gerne“, so der Unternehmer, der aber gleich ein österreichisches Sprichwort hinterherschob: „Wer hat viel Geld und ist recht dumm, kauft ein altes Haus und baut es um.“ Die Workshops und Vorschläge beim Aktionstag nahm der Firmenvorstand wohlwollend zur Kenntnis („Es ist gut und wichtig, dass das zusammengetragen wird und dass es danach nicht im Vergessen verschwindet.“), wenn auch mit dem Hinweis „dass sich sicher nicht alles umsetzen lassen wird, was man sich wünscht.“ Wichtig sei jedenfalls, dass man „jetzt auf keinen Fall zu klein denkt.“

Auf die Stadt kommt damit in den nächsten Monaten ein Balanceakt zwischen finanziellen, baulichen und sozialen Wünschen und den Interessen des Grundstückseigentümers zu. Pöttinger selbst kann sich ein neues Stadtviertel in Nachbarschaft zur Altstadt zwar gut vorstellen. „Wenn man mit einem Zirkel einen Kreis um die Stadt zieht, sticht man mit der Spitze in der Mitte genau in mein Verwaltungsgebäude. Ob man in so einer Lage heute noch eine Industrie haben will, muss man sich überlegen.“

Allerdings verhandelt in Mathias Neuner inzwischen bereits der vierte Oberbürgermeister mit den Österreichern über die neue Nutzung des Geländes. Nicht nur deshalb will Heinz Pöttinger offenbar keine übertriebenen Erwartungen schüren. „Falls es auch diesmal nicht klappt, wird das eben eine Sache für die nächste Generation, die sich dann in zehn oder 20 Jahren wieder darüber unterhalten kann“, betonte der Vorstand mit einem Fingerzeig auf seine beiden Söhne, die er gleich mit an den Lech gebracht hatte.

Erst an der Verwaltung

Falls sich alle Seiten tatsächlich einig werden, könnte mit den Bauarbeiten voraussichtlich in frühestens eineinhalb bis zwei Jahren begonnen werden, wobei Pöttinger zum Start wohl dem Areal beim Verwaltungsgebäude oder der „Halle B“ den Vorzug geben würde. „Im Norden habe ich Mieter mit Verträgen bis 2016, die würde ich natürlich gerne so spät wie möglich verlieren.“ Kommt man auf keinen gemeinsamen Nenner, dürfte Pöttinger die zentral gelegene Halle B, die über ein marodes Dach („Das übersteht keinen Hagel mehr!“) verfügt, wohl sanieren und dann wieder gewerblich vermieten – langfristig, versteht sich. Und dann wäre die Tür wieder zu.

Christoph Kruse

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