Heizwerk ohne Hackschnitzel

Das Biomasse-Heizkraftwerk in Kaufering schreibt rote Zahlen. Jetzt will die Marktgemeinde die Anlage weiter optimieren, um das Defizit zu reduzieren Foto: Weh

Schon lange war vermutet worden, dass das Biomasse-Heizkraftwerk der Marktgemeinde deutliche Verluste schreibt. Doch erst jetzt, auf Antrag der Fraktionen von GAL, SPD und CSU, äußerte sich Bürgermeister Dr. Klaus Bühler öffentlich und legte anhand von Berechnungen sämtliche Faktoren dar, die 2010 zu dem Defizit in Höhe von 275000 Euro geführt haben.

Schon im November hatten die Fraktionen aufgrund des Zwischenberichtes der Kommunalwerke beantragt, eigens zum Thema Biomasse-Heiz­kraft­werk eine Werkausschusssitzung einzuberufen. Unter anderem forderten die Ratsmit­- glieder Informationen zum Betriebsablauf, zur Auslastung der Anlage, einen Vergleich zwischen den Planzahlen bei der Einführung des Heizkraftwerkes und den Ist-Zahlen sowie die Wirtschaftlichkeitsberechnung. Diese lieferte der Rathauschef nun in aller Ausführlichkeit und entgegen seiner anfänglichen Absicht sogar öffentlich. Rund 275000 Euro Verlust hat das 2007 erbaute und im Jahr darauf in Betrieb genommene Heizkraftwerk im vergangenen Jahr eingefahren. Die Gründe dafür liegen laut Bühler in erster Linie an der gesetzlich verankerten Preisgleitklausel, mit der die zu erhebenden Gebühren für die Nahwärme anhand einer höchst komplizierten Formel ermittelt werden. Zu 50 Pro­zent fließt der Hackschnitzelpreis des Vorjahres mit ein, so dass die Gemeinde die Gebühren nicht marktkonform erheben kann, „was für uns enorme finanzielle Auswirkungen hat“, so Bühler. Rund 130000 Euro fehlten somit in der Kasse. „Im Laufe der Jahre gleicht sich das natürlich aus. Wenn der Hackschnitzelpreis fällt, ist das für uns wiederum günstig.“ Hinzu kommt, dass es zum Jahreswechsel eineinhalb Monate lang Lieferschwierigkeiten bei den Hackschnitzeln gab. „Es war kein Holz zu bekommen“, sagte Bühler. Die Konsequenz daraus war, dass die Biomasse, die etwa 20 Euro pro Megawatt-Stunde kostet, durch dreimal so teures Öl ersetzt werden musste, um die Nahwärme für die angeschlossenen Haushalte, Firmen und Schulen zu erzeugen. Die Stromgutschrift in Höhe von 90 Euro pro Megawatt-Stunde gibt es auch nur, wenn der Strom mit Biomasse erzeugt wird. Rund 145000 Euro gingen dadurch verloren. Rinde und Stammholz „Das sind Durststrecken, die Schlaf raubend sind“, verdeutlichte Bühler die Misere. Zu Hilfe kam der Gemeinde der Umstand, dass am 24. November eine Clearing-Stelle entschieden hatte, dass auch Rinde verfeuert werden kann. Ein Sägewerk im Umkreis konnte kleine Kontingente für das Kauferinger Biomasse-Heizkraftwerk abgeben. Um eine solche Situation künftig zu vermeiden, will die Gemeinde nun auf dem Gelände des Heizkraftwerkes an der B17alt rund 5000 Tonnen Stammholz lagern, um für etwa zwei Monate gerüstet zu sein. Nur wenig hilfreich ist dies allerdings, wenn die Anlage, wie im März 2010 passiert, durch eine Störung lahm gelegt ist. Zehn Tage lange musste wieder Öl statt Holz verfeuert werden, was bei täglich rund 8000 Euro insgesamt 80000 Euro ausmacht. Weitere 30000 Euro Minus kamen dadurch zustande, dass viele Neukunden erst im vierten Quartal an das Nahwärmenetz angeschlossen wurden „und sozusagen für günstiges Geld den teureren Teil der Wärme bezogen haben“, so Bühler. Für reichlich Diskussionsstoff sorgte im Gremium die so genannte Wechselprämie, die die Marktgemeinde Neukunden zahlt, sofern die alte Heizungsanlage noch nicht ganz abgeschrieben ist. 2010 wurden dafür 82500 Euro ausbezahlt. Meinrad Mayrock (CSU) schlug vor, die Wechselprämie zu einem bestimmten Stichtag abzuschaffen: „Die Prämie ist doch kontraproduktiv. Damit ziehen wir noch mehr Nutzer an, die im Winter Wärme benötigen. Wir brauchen aber solche, die uns den Überschuss im Sommer abnehmen.“ Für Hans Koch (SPD) ist die Wechselprämie ebenfalls „eine reine Anschubfinanzierung“, über deren Weiterführung man intern nachdenken sollte. Wärme fürs Lechtalbad? Beim Blick in die Zukunft liegt das Augenmerk Bühlers nun vor allem in der Optimierung der Anlage. Gesucht wird weiter nach Abnehmern der überschüssigen Sommerwärme. Im Gespräch ist das Lechtalbad, das beim Bau eines Lechsteges an das Nahwärmenetz angeschlossen werden könnte. Aufgrund laufender Verträge sei dies allerdings frühestens ab Ende 2012 möglich, so Bühler. Weiter liebäugelt der Rathauschef mit einer Wärmerückführungsanlage, „einer Investition, die in die großen Zahlen geht.“ Durch den Feuchtigkeitsgehalt des Holzes von 40 bis 50 Prozent gingen allein 20 Prozent der Energie verloren, um das Holz zu trocknen. „Die Anlage würde rentabler arbeiten und Energie liefern, die schon bezahlt ist.“ Den Vorschlag von Hans Koch (SPD), mehr Energiewälder zu pflanzen, um das Holz selbst liefern zu können, begrüßte Bühler: „Der Weg ist richtig. Allerdings fehlen uns dazu die Flächen. Es kann lediglich Beiwerk sein.“ Aushängeschild Abschließend betonte Bühler, dass das Biomasse-Heizkraftwerk zuverlässig funktioniere und er es für ein Aushängeschild Kauferings halte. „Ich bin stolz darauf. Auch aus ökonomischen Gesichtspunkten. Wenn wir dafür einen Bonus bekommen würden, was wir an Kohlendioxid einsparen, dann wären wir Weltmeister.“ Die Anlage sei nie auf maximalen Gewinn ausgelegt gewesen. „Wenn wir schwarze Zahlen schreiben, müssen wir froh sein.“ Im Großen und Ganzen stieß Bühlers ausführlicher Vortrag im Gremium auf breite Zustimmung. „Es wäre allerdings schöner gewesen, wenn man viele Dinge im Voraus hätte besser planen können“, meinte Alex Glaser (GAL).

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