Gemeinsam gegen einsam

Der Helferverein "Gemeinsam" aus Schondorf feiert sein 25-Jähriges!

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Peter Raithel, Dagmar Näther, Matthias v. Linde, Irmtraud Gruber, Barbara Schubert, Elisabeth Tietjens und Andreas Böttcher (v. l.) sind im Vorstand des Vereins „Gemeinsam“.

Schondorf – Bei Klassenfahrten, Stromnachzahlungen, Arztrechnungen, Mieten und vielem mehr hilft „Gemeinsam“. Der gemeinnützige Verein kümmert sich seit Jahren um Menschen in Notsituationen. Vergangenes Jahr half er in Notlagen mit mehr als 37.000 Euro. Dieses Jahr feiern die Mitglieder das 25-jährige Bestehen des Vereins sowie das zehnjährige Jubiläum der Stiftung.

Hilfe erhalten in Deutschland Menschen zwischen dem Westufer des Ammersees und Landsberg am Lech. „Wir schenken den Betroffenen das Geld oder geben ihnen ein zinsloses Darlehen“, erklärt der 69-jährige erste Vorsitzende Peter Raithel. „Das Geld, das zur Verfügung gestellt wird, setzt sich aus Mitgliederbeiträgen und Spenden zusammen.“ Der Rentner ist seit der Vereinsgründung im Dezember 1995 im Vorstand. Der ursprüngliche Name lautete „Evangelischer Gemeindeverein Ammersee West“. 2004 erhielt der Verein seinen aktuellen Namen: „Gemeinsam – Gemeinnütziger Verein Ammersee West“. Seit diesem Jahr ist Raithel auch erster Vorsitzender des Vorstands. Seine Frau Dagmar Näther und seine beiden Söhne sind ebenfalls dabei.

In den Anfängen eröffnete der Gemeindeverein sogenannte Kinderparks in Dießen und Utting, für ein- bis dreijährige Kinder, deren alleinerziehende Eltern einen freien Vormittag benötigten oder aufgrund eines Termines nicht auf ihr Kind aufpassen konnten. „Bezahlen mussten sie dann aber nur, wenn das Kind auch vorbeigebracht wurde“, erklärt der Vorsitzende Raithel. Heute gibt es diese Kinderparks immer noch. Sie befinden sich in Greifenberg und Utting, wo sich insgesamt sechs Mitarbeiter auf 450-Euro-Basis oder mit einer Aufwandsentschädigung um die Einrichtungen kümmern.

Zusammen mit den Kinderparks wurde auch das Sozialmobil für Senioren eingeführt. Zu dieser Zeit lenkte den Wagen ein bei der Kirche angestellter Zivildienstleistender, inzwischen sitzt der Dießener Gunnar Hannich am Steuer. Die Aufgabe war und ist bis heute, für meist ältere Leute zur Tafel und mit ihnen zum Einkaufen, zum Arzt oder ähnlichen wichtigen Terminen zu fahren. Die Personalkosten des Projektes „Sozialmobil2 betragen rund 32.000 Euro. Gemeinden, Privatpersonen, Stiftungen und der Verein selbst übernehmen diese Ausgaben gemeinsam. „Dass wichtigste daran ist, dass die gesamte Region von diesen Fahrten profitiert“, sagt Raithel. Doch erst im Januar musste ausgerechnet das Sozialmobil aufgrund eines Vollkaskoschadens ersetzt werden. Das drei Jahre alte, neu angeschaffte Ersatzfahrzeug kostete 11.500 Euro.

Seit Juni 2010 gibt es auch die Stiftung Gemeinsam. Im vergangenen Jahr half sie 22 Menschen mit insgesamt rund 5.000 Euro. Zeitgleich wurde der Verein zum ersten Mal im Ausland aktiv. Ein Beispiel ist der Kauf von Eseln. Mit dem Nutztier hilft man alleinerziehenden Müttern in Äthiopien und Nepal beim Aufbau einer eigenen Existenz. Außerdem investiert man in den fränkischen „EinDollarBrille“-Verein. Dieser stellt mit den Menschen vor Ort Brillen im Wert von einem Dollar her. Hierbei ist das Ziel, Menschen mit Sehschwäche eine berufliche Laufbahn oder einen Schulbesuch zu ermöglichen.

Die Schondorfer Nachbarschaftshilfe ist seit 2014 im Einsatz. Geleitet wird das Projekt von Gertraud Huber und Raithel selbst. „Wir besuchen ältere Menschen zur Unterhaltung und leisten Gesellschaft bei Ausflügen.“ Ein Problem sei jedoch, dass aufgrund der wohlhabenderen Menschen in der Schondorfer Gegend viele ältere Leute sich nicht trauen würden zu sagen, dass sie Hilfe benötigen.

Doch auch die Jugendarbeit kommt im gemeinnützigen Verein nicht zu kurz. So unterstützt man ärmere Familien mit Zuschüssen zu Klassenfahrten. „Wir wollen nicht, dass jemand ausgeschlossen wird, bloß weil die Familie sich das nicht leisten könnte“, erklärt Raithel. Außerdem unterstützt man zum Beispiel das Jugendleiterprojekt der evangelischen Kirche in Utting. “Früher haben wir auch den Ferientreff in Eching organisiert, aber den machen jetzt die Gemeinden selbst.“ Es sei schön, einen Anstoß gegeben zu haben, meint Raithel.

Wichtig sei aber, dass man mit dem Verein etwas bewegen könne. „Wir hatten letztens eine höhere Privatspende.“ Der Spender habe mitbekommen, wie sich eine Dame beim Verein für dessen Hilfe bedankt hatte. Dies habe ihn animiert, eine höhere Summe zu spenden, da er jetzt wisse, dass das Geld bei denen ankommt, die es brauchen.

Raithel und die Mitglieder freuen sich auch, wenn die Menschen sich bedanken. „Wir hatten mal eine alleinerziehende, zweifache Mutter, die einen Schokokuchen für uns gebacken hat, weil wir ihr unter die Arme gegriffen haben.“

Aber die Helferseite gehe auch gewisse Risiken ein. Denn gerade bei älteren Bürgern kann es sein, dass das Darlehen nicht zurückgezahlt werden kann, da die Person verstirbt. „Sicher ist jedoch: Wir haben einem Menschen in Not geholfen“, sagt Raithel. „Wir helfen auch gerne um fünf nach zwölf.“ Denn er selbst habe bereits mehrmals eine Abstellung des Stromes verhindert, wenn die Stromrechnungen wegen finanziellen Engpässen nicht mehr gezahlt werden konnte.

Raithels Leitsatz war stets: „Mit Pessimismus kommt man nicht voran.“ Nur durch Vertrauen und Optimismus könne man etwas stoppen, wofür es schon fast zu spät sei, so wie im Fall des fast abgestellten Stroms.

Besonders stolz sei er aber auf alle Mitglieder und Unterstützer. Im Jahr des Jubiläums plant der Verein einige übers Jahr verteilte Aktionen, so auch zwei Konzerte. Wann die angesichts des momentanen Corona-Stillstands stattfinden werden, ist noch nicht klar. Auch die Jahreshauptversammlung, geplant für den 18. März, wurde abgesagt. Hier sollten diejenigen geehrt werden, die dem Verein seit 25 Jahren die Treue halten. Von den 30 Gründungsmitgliedern seien 15 bis heute ein Teil des Vereins, freut sich Raithel.

Für ihn gab es viele besondere Momente. Ein ganz besonderer sei die Verleihung des Ehrenzeichens für Verdienste im Ehrenamt durch den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer im November 2015 gewesen.

Mehr Informationen über den Verein, seine Aktivitäten, die Nachbarschaftshilfe oder das Sozialmobil sind über die Internetseite www.gemeinsam-ammersee.de abrufbar.
Matthias Gschwind

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