Sozial und sauber

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Die Pizza-Schachtel ist nicht im Sinne des Erfinders. Bereits seit Februar ist diese „Pfandkiste“ im Vorderanger installiert.

Landsberg – Dieses Bild gibt es nicht nur in der Großstadt: Die gerade leer getrunkene Bierflasche landet im Mülleimer, wenig später holt sie ein Flaschensammler wieder hervor – mit dem Pfand hält er sich über Wasser. Das muss nicht sein, deshalb gibt es auch in Landsberg die Initiative „Pfand gehört daneben“.

Die Idee zu der bundesweiten Aktion hatte der Berliner Matthias Seeba-Gomille. Als er besagte Szene hautnah miter­le­- ben konnte, war er so empört und beschämt zugleich, dass er auf Facebook die Seite „Pfand gehört daneben“ gründete. Inzwischen läuft die gleichnamige Kampagne unter dem Dach des Hamburger Vereins „Machen statt quatschen“ – alles Ehrenamtliche – im gesamten Bundesgebiet. Die Solida­risierung mit Flaschensammlern steht oben an, Pfandflaschen nicht in den Müll zu werfen, das sollte selbstverständlich sein.

Sechs Landsberger Gastronomen und auch das städtische Jugendzentrum haben sich das nun auf die Fahnen geschrieben. Mitte Januar beantragte Sebastian Georgi bei der Stadt, die Aktion „Pfand gehört daneben“ in der Lechstadt starten zu dürfen – zunächst nur für zwei Wochen zum Faschingsendspurt. „Wir beseitigen den Müll unserer Gäste auf selbständige Art und Weise und helfen dabei Bedürftigen“, so Georgi, „unser Beitrag für ein soziales und sauberes Landsberg.“

Das System ist simpel: In der Nähe der jeweiligen Gastronomiebetriebe und Einrichtungen werden am Wochenende handelsübliche, mit Werbelogos versehene leere Bierkisten aufgestellt – befestigt an Laternenmasten, an Mülleimern, Ver­- kehrsschildern oder Mauern. Wer sich seiner Pfandflasche entledigen möchte, der wirft sie nicht mehr ins nächste Gebüsch oder den nächsten Mülleimer, sondern deponiert sie in der „Aktions-Kiste“. Der Flaschensammler darf sich dort bedienen; was am Sonntag übrig ist, wird von den „Aktions-Mitarbeitern“ in Getränkemärk­ten abgeliefert. Der Pfandgewinn komme dann der Landsberger Tafel zugute.

Unproblematisch

„Das hat in der Testphase bereits gut geklappt“, konstatierte Ordnungsamtsleiter Ernst Müller am Mittwoch im Bauausschuss. Immerhin 25 Euro seien im Fasching zusammengekommen. Aus öffentlich-rechtlicher Sicht sei die Aktion „unproblematisch“, allerdings rate er zu einer Sondernutzungserlaubnis. Auch abfallrechtlich gebe es in Abstimmung mit dem Landratsamt keine Probleme. Insgesamt stieß die Aktion im Bauausschuss auf ein sehr positives Echo, die Ratsmitglieder waren begeistert. Nur Stadtbaumeisterin Annegret Michler meldete Bedenken an: In der Altstadt, wo Werbung stark reglementiert werde, sei es nicht unproblematisch, jetzt „in eine andere Richtung“ zu gehen. Sie plädierte dafür, die Aktion „räumlich einzuschränken und im Altstadtbereich etwas einzudämmen“.

Einstimmig votierte der Ausschuss für „Pfand gehört daneben“ und den Probebetrieb bis Herbst. Details, wie Gestaltung der „Pfandkisten“ sowie Aufstellorte und -zeiten, soll die Verwaltung noch festlegen.

Toni Schwaiger

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