Hercule Poirot in Haferlschuhen

Der Kommissar, der Doktor und die Mörderin: Zunächst als Hercule Poirot verkleidet, trifft Kluftinger (André Stuchlik, rechts) in Begleitung seines Lieblingsfeindes Dr. Langhammer (Fridtjof Stolzenwald, links) im Hotel von Julia König (Anke Fonferek) ein. Foto: Eckstein

Es hätte ein gelungener Theatercoup werden können: eine erfolgreiche Romanvorlage samt kauzigem Protagonisten, ein Setting, das für die Bühne quasi geschaffen ist und eine Handvoll skurriler Nebenfiguren. Doch was im Buch wunderbar funktioniert, erzeugte am Sonntagabend auf der Bühne des Stadttheaters nur bleierne Langeweile.

„Ich spüre viel von Kluftinger in mir“, hatte Schauspieler André Stuchlik im Vorfeld der Inszenierung stolz verkündet. Tatsächlich? Sein Kommissar hatte wenig mit dem liebenswerten Grantler der Allgäu-Krimis des Autorenduos Volker Klüpfel und Michael Kobr gemeinsam – außer seiner Vorliebe für Kässpatzn. Eher kühl und gleichgültig tappte er durch das Hoteldekor und brilliert schließlich mit geschliffener Rhetorik, die eines Hercule Poirot würdig gewesen wäre. Die Entscheidung des Intendanten und Regisseurs Walter Weyer, aus dessen Feder diese Adaption stammt, auf Dialekt zu verzichten, ist logisch, wenn der Protagonist des Dialekts nicht mächtig ist, doch fehlt da doch die Konsequenz: die eingestreuten Wen­dungen wie „So a Schmarrn“ wirken unecht und deplatziert. Chance nicht genutzt Mit dem Roman „Rauhnacht“ haben die Autoren eine Steilvorlage für eine Bühnenfassung geliefert. Die Handlung ist zeitlich und räumlich begrenzt, nur eine kleine Anzahl an Personen, genug Spannungen und Konflikte und viele Anspielungen auf die englische Krimitradition. Doch hat Walter Weyers diese Chance nicht genutzt. Das dramaturgische Element des Eingeschlossenseins durch den Schneesturm erschöpfte sich in einer Ansprache des Kommissars und einem kurzen Windgeräusch aus dem Lautsprecher, der mythologische Hintergrund der Rauhnacht in einem kurzen Smalltalk beim Kartenspiel. Was ein psychologisch und kriminalistisch spannendes Kammerspiel hätte werden können, blieb uninteressant, die Charaktere (inklusive Mörderin) eindimensional. Einzig Theatersenior Peter Höschler überzeugte als trunksüchtiger Hoteldirektor und tragische Figur. Auch Fridtjof Stolzenwald amüsierte als überdrehter Dr. Langhammer, wenn auch die berühmten Spannungen zwischen ihm und Kluftinger nicht ausgespielt waren. Eine Enttäuschung nicht nur für „Klufti-Fans“, und so wundert es nicht, dass der Applaus nur höflich war und eher eine Anerkennung für die Schauspieler, die sich tapfer durch diese mäßige Inszenierung gekämpft hatten. „Priml!“

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