Herkomers Jünger in Landsberg – 73 Automobil-Veteranen bei der Herkomer-Konkurrenz 2009

Eigentlich sollten es ja nur 60 werden. So hatten es sich die Organisatoren Ulf von Malberg als Rallyechef und Raimund J. Stolz als Vertreter der Stadt eingedenk der Platzver-hältnisse in Landsberg vorgestellt – einschließlich der Situation bei verschiedenen Restau- rants im Umland mit den zur Verfügung stehenden Parkplätzen. „Aber“, so war es in der Begrüssung für die Teilnehmer zu lesen, „dann kommen die lieben Freunde, ihre Autos seien gerade erst fertig geworden, sie hätten den Nennungstermin verschwitzt“ und mit dergleichen Ausreden mehr. Und nachdem die beiden Verantwortlichen offensichtlich ein gutes Herz hatten, wurden es gar 13 zu viel. Aber irgendwie hat es dann doch geklappt mit der Herkomer-Konkurrenz. Die halbe oder gar dreiviertel Miete: Das Wetter blieb schön; die Hl. Scholastika bekommt ihre Kerze. Versprochen!

Nach den Dreitages-Veranstaltungen der Jubiläumsjahre 2005 bis 2007 kehrte man zur Originaldauer von zwei Tagen zurück – mit Start ausschließlich am Mutterturm. Da erfreulicherweise die Garage des Landratsamtes zur nächtlichen Unterbringung zur Verfügung stand, kam es trotz langer Trailergespanne zu keinem Stau, das Publikum hatte Muße, die rollenden Preziosen zu bestaunen. Neben den Ältesten, deren Namen den Betrachtern vermutlich völlig unbekannt waren, etwa Petigars Prat Carrabin 1898, Leon Buat und Stevens Duryea Stanhope (beide 1903), standen da gewaltige Geräte, wie der Napier 1907, deren Fahrerinnen wie auf einem Hochsitz thronten, die schon bekannte „Zarenkutsche“ Delaunay Belleville von 1911, der ursprünglich für die Feuerwehr konzipierte American La France von 1915 mit 85 Pferdestärken und der 8 Liter-Locomobile von 1916, der tatsächlich Kraft und Größe einer Lokomotive aufwies. Ein blitzblauer hervorragend laufender Hispano Suiza von 1918 gehört schon in die Kategorie Luxuswagen und dann natürlich die zehn verschiedenen Rolls Royce. Eine derartige Anzahl dieser britischen Nobelmarke trifft man in Deutschland gar selten so massiv bei einer Veranstaltung an. Die beiden etwa 100 Kilometer langen Tagesetappen mussten na-türlich auch für die Ältesten zu bewältigen sein, ergo kam es speziell bei den Mittagspausen an der Katzbrui-Mühle südlich von Mindelheim und dem Staudenwirt in Finning zu gewissen Anhäufungen. Dabei war ein Phänomen nach den Mahlzeiten zu beobachten: Da standen die Protagonisten mit laufendem Motor wie die Rennpferde in der Startbox und wollten los. Dabei mussten die Hinteren den Qualm ihrer Vorderwagen einatmen, was sich bei etwas mehr Gelassenheit durchaus vermeiden lässt. Das sollten die Organisatoren in Zukunft berücksichtigen: Man muss die Teilnehmer in ein Zeitfenster zwingen. Dann gibt es keine Vergiftungserscheinungen und keine Staus. Insgesamt drei Zeitprüfungen, eine Geschicklichkeits- und drei Wissensprüfungen entschieden über die Platzierung. Und wie das Ergebnis zeigt, kam es dabei keineswegs auf Alter oder Kraft des Automobils an: Sieger wurde das Team Volker Reindl/Ute Nitsche aus Neuried bei München auf ein Renault AG Phaeton mit zwei Zylindern 1200 Kubikzentimeter und lediglich 7 PS aus dem Jahr 1909 vor einem Rolls Royce Phantom 1 mit über sieben Litern Hubraum aus dem Jahr 1926, gefahren von Hermann und Gabriela Maier aus Singen. Auch Platz drei ging an einen Rolls Royce, an den von Christian und Angelika Frész, wobei sie ihren Chauffeur aus dem Fond des Landaulet dirigierte. Natürlich gab es auch einige Ausfälle. Der Älteste streikte bereits nach zwei Kilometern, nachdem er kurz zuvor diverse Rallyes klaglos bewältigt hatte. Unter anderen die Deutsche Schnauferl-Rallye in Siegen und die berühmte London-Brighton. Der Landsberger Konkurrent Hermann Redl versorgte den Unglücklichen spontan mit einem etwas jüngeren Oldtimer. Respekt! Am Lokomobile stellten sich gefährliche Fehlzündungen ein, und bei einem Bedford Buick von 1910 von 1908 versagte plötzlich die Bremse. Der Fahrer konnte durch ein geschicktes Ausweichmanöver einen Unfall verhindern, wobei er selbst im Graben landete. Ohne größere Auswirkungen für das Auto. Nur landete es auf dem Maimann-Abschleppwagen. Anlässlich der Siegerehrung im Landsberger Bürgerbahnhof betonte Oberbürgermeister Ingo Lehmann die Verpflichtung der Stadt für ihren großen Sohn Hubert von Herkomer. Die nach ihm benannte Konkurrenz wird auf jeden Fall wieder im Zweijahresrhytmus weiter durchgeführt. Auch wenn der seit zwölf Jahren mitverantwortliche Organisator Ulf von Malberg aufhört. Ein Nachfolgeteam steht bereits in der Startlöchern.

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