Keine halben Sachen

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In der Holzwerkstatt des alten Lagers: Hermann Floritz (vorne) mit interessierten Besuchern am Lanz-Bulldog

Apfeldorf – Hermann Floritz ist kein Mann, der nur halbe Sachen macht. Wohl aber einer, der vieles in halber Größe entwirft und gestaltet. Die meisten Exponate in der nun kompletten Ausstellung im alten Lager des früheren Baugeschäftes hat der 76-jährige Apfeldorfer in den vergangenen Jahren im Maßstab 1:2 gefertigt.

Halb so groß trifft auch auf den Leiter- bzw. Heuwagen zu, den Floritz im November 2011 gebaut hatte. Es war das erste Exponat für das kleine Museum mit zwei Räumen im ehemaligen Lager des Baugeschäftes in der Schlossbergstraße 1, das inzwischen komplett ist. Die Ausstellung hat der frühere Apfel- dorfer Bürgermeister (1996 bis 2008) mit „Erinnerungen an meine Kindheit“ überschrieben.

All das, was in den Museumsräumen zu besichtigen ist, hat mit der Landwirtschaft während und nach dem zweiten Weltkrieg zu tun. Floritz verbrachte in den letzten vier Jahren unzählige Stunden im La- ger und bildete dabei eine Fülle von Anlagen, Werkzeugen und Geräten nach – das meiste mit dem Werkstoff Holz.

„Der Lanz-Bulldog war meine größte Herausforderung“, bekannte Floritz bei einer Führung, zu der sein Nachfolger, Bürgermeister Georg Epple, interessierte Gäste aus der Ortschaft und von auswärts willkommen hieß. Aus Landsberg war der frühere Museumschef Hartfrid Neunzert gekom- men. Der hellblau gestrichene Lanz ist – im Maßstab 1:2 – eine Nachbildung des Traktors mit 16 Pferdestärken, der Mitte der 50er Jahre in der Landwirtschaft beim Floritz nützliche Dienste erwiesen hatte. Nur die Ackerschiene, die ist an der Mini-Zugmaschine aus Metall. An ihr hatte Enkel Benedikt die Löcher gebohrt, erzählte Floritz, der mit seiner Frau Helga zwei erwachsene Töchter hat.

Hölzerne Ochsen

Wie viele Gerätschaften und Nachbildungen doch im alten Lager und in der Holzwerkstatt, zu der eine breite Holztreppe hinaufführt, Platz finden: hinter dem Lanz-Bulldog stehen zwei geschnitzte Ochsen mit Wagen und Odelfass. Links geht es ums „Wäsa stecha“ und ums Aufschichten im Filz, um eine „Gsodmaschi“, um einen Heustock und ums „Milchg‘schirr“. Gegenüber sind die Hobelbank mit der Werkstatt, das Werkzeug für Drainagen, Utensilien fürs Zäunen, Gabel, Rechen und andere Gerätschaften für die Feldarbeit.

Bevor der Museumsbesucher die Tür zum zweiten Raum durchschreitet, sieht er links das „Haisla“, womit das früher weit verbreitete Plumsklo gemeint war. Über der Tür befindet sich eine Transmission, mit der etwa die Gsodmaschine angetrieben wurde.

Im nächsten Raum hat Floritz in der Ecke die „Kucha“ installiert, wie sie mit Holzherd typisch war auf früheren Bauernhöfen. Rechts davon sind einige „(Holz)henna im Gärtla“, darüber ist der Taubenschlag. Neben dem Fenster hat der Senior aus Apfeldorf ein Pärchen auf einer Ruhebank dargestellt. Davor steht – ebenfalls im Maßstab 1:2 – ein NSU-Motorrad. Ein solches hat der „Mächlar“ aus Apfeldorf selbst besessen, als er 1957 ein junger Bursche mit 18 Jahren war. Die Exponate in der Ausstellung sind eben nicht nur eine Erinnerung an die Kindheit, sondern auch an die Jugendjahre.

Johannes Jais

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