Chillen und Musik hören – aber wo?

Bürgermeister stellt Schondorfs Jugend die Hütte "Zur Aussicht" in Aussicht

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Zufrieden mit der ersten Jungbürgerversammlung zeigten sich (von links) Bürgermeister Alexander Herrmann, Jugendtreff-Leiter Andi Langgartner, Jugendreferent Marius Polter und Gemeinderat Rainer Jünger, Mitglied im Jugendausschuss.

Schondorf – Bürgermeister Alexander Herrmann hat die unliebsamen Auswüchse von jugendlichem Übermut in der Schondorfer Seeanlage zur Chefsache gemacht. Auf der Suche nach Lösungen kann er sich trösten. Schon immer hatten die älteren Generationen Probleme mit den Heran­wachsenden. Der griechische Denker Sokrates schrieb 400 Jahre vor Christus über die Jugendlichen: „Sie lieben den Luxus, ärgern die Lehrer und lümmeln herum“. Aristoteles sah es noch drastischer. Er verzweifle an der Zukunft der Zivilisation, wenn er die Jugend sehe, wurde der entnervte Philo­soph zitiert.

Ausschweifende Partys am See mit Komasaufen, überlauter Musik und Zerstörungswut haben auch Alexander Herrmann entnervt. Und mit ihm viele Besucher der Seeanlage, die am nächsten Tag durch Abfall und Scherben steigen mussten. Sonderschichten des Bauhofs und erboste Anrufer führten schließlich dazu, dass der Gemeinderat die Satzung der Seeanlage überarbeitete und sich das Recht auf ein temporäres Alkoholverbot einräumte – wenn in der „Seepost“ Schülerpartys steigen oder im Strandbad Forster das Sammersee-Festival stattfindet.

Mit Alkohol- und Musikverbot allein ist es aber nicht getan. Herrmann sucht den Dialog mit den Heranwachsenden und lud erstmals zu einer Jungbürgerversammlung unter dem Motto „Sag was“ in den Jugendtreff gegenüber dem Bahnhof ein. Er und Jugendtreff-Leiter Andi Langgartner begrüßten immerhin 27 junge Schondorfer zwischen 13 und 18 Jahren. Die legten Wert auf Feststellung, dass die Auswüchse in der Seeanlage überwiegend von auswärtigen Jugendlichen verursacht worden seien; das deckt sich mit den Beobach­tungen des Bürgermeisters. Wegen einer Horde Übermütiger und Betrunkener dürfe man nicht die ganze Jugend verteufeln und „die Braven bestrafen“. Ein Hauptproblem seien die stets überfüllten Schülerpartys in der „Seepost“. Wer nicht reinkomme, feiere dann halt draußen in der Seeanlage, wo man vorsichtshalber „reichlich Alkohol-Depots“ angelegt habe.

Laut muss es sein!

Was Bürgermeister Herrmann bedauerte, sei die „fehlende soziale Kontrolle untereinander“. Wenn Rabauken Autospiegel abtreten oder Zaunlatten herausreißen, müssten die anderen Jugendlichen einschreiten und „die Bösen“ in die Schranken weisen. Solche Vorfälle rückten schließlich alle Jugendlichen pauschal in ein schlechtes Licht.

Unabhängig davon beklagten die jungen Gäste an diesem „Zuhörabend“, wie Alexander Herrmann und Jugendreferent Marius Polter das Treffen nannten, dass es in Schondorf am See kaum Platz gebe, wo man sich spontan treffen könne. Chillen und Musik hören, auch zu fortgeschrittener Stunde im Sommer, seien weder am gemeindlichen Badestrand noch am Steg möglich. Ab 22 Uhr bestehe hier sogar ein Aufenthaltsverbot. Auf Musik in viel mehr als Zimmerlautstärke legten die Jugendlichen aber größten Wert, das gehöre einfach dazu. Und das führt in schöner Regelmäßigkeit zu Differenzen mit den Anwohnern und Beschwerden im Rathaus.

Also wohin zum Chillen und Musik hören, ohne andere zu stören? Bürgermeister Herrmann brachte eines der Schönsten Fleckerl der Gemeinde ins Spiel: „Zur Aussicht“ südwestlich von Oberschondorf „mit Blick auf sieben Kirchen“. Hier könnten sich die Kids spontan verabreden und sogar auf der vorhandenen Feuerstelle grillen. Erst ab 25 Personen müsse so ein Treffen als Veranstaltung im Rathaus angemeldet werden. Mehr noch: Der Bürgermeister würde sogar den Bau einer Holzhütte im Gemeinderat anregen, sofern die Jugendlichen aktiv mit anpackten und selbst für Recht und Ordnung sorgten. Das stieß auf breite Zustimmung bei den jungen Gästen. Herrmann ging noch weiter und regte die Bildung eines „Jugendbeirats“ an, der ähnlich wie der Seniorenbeirat als Bindeglied und Sprachrohr zur Gemeinde fungieren könnte.

Von diesem ersten Gedankenaustausch waren die Schondorfer Kids und auch der Bürgermeister sehr angetan. In regelmäßigen Abständen will man sich treffen und damit der Jugend Gehör geben. 

Dieter Roettig

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