Gitarren lassen Puppen tanzen

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Happy End: der Herold (Juri Olbrich) verliest die Beschlüsse des Herzogs

Landsberg – Ein „höllisches Experiment“ hatte Schnürl-Chef Helmut Glatz die Inszenierung des „Herzog-Ernst-Spiel“ genannt. Erstmals agierten Marionetten gemeinsam mit einem Schauspieler, mehreren Statisten und dem Gitarrenduo Gruber&Maklar auf der Bühne – zum Auftakt des Festivals „Faszination Gitarre“.

Erzählt wird die Geschichte vom Besuch des Herzogs Ernst in Landsberg 1434, der bekannte Tanz mit der weißen und gelben Dame und der Stiftung des Jungferngeldes. Doch wer wusste schon, dass der Herzog den Kasperl als Ratgeber dabei hatte, dass der hohe Herr des Nachts heimlich auf Freiersfüßen durch die Gassen der Stadt schlich und das Liebesständchen unter dem Fenster der Damen ein jähes Ende fand? Dass die Landsberger schon damals nur knapp der Gewerbesteuer, Hundesteuer, Vergnügungssteuer und anderen Abgaben entronnen sind, und dies nur durch die besänftigende Wirkung der Musik des Gitarrenduos? 

Kommentiert wird das Ganze vom Herold (Juri Olbrich), der, teils allein, teils im Dialog mit dem Kasperl, durch die Geschichte führt und auch dem Herzog als Ansprechpartner dient. Christian Gruber und Peter Maklar sind die „gar trefflichen Musici“, die zwischen und während der Szenen mit ihrer Musik nicht nur den Herzog verzaubern. 

Besonderen Reiz gewinnt dieses Stück durch die Interaktion der verschiedenen „Arten“ der Akteure. Da diskutiert die Kasperl-Marionette mit dem „echten“ Schauspieler, tanzen die Puppenspieler gemeinsam mit ihren Figuren ein Menuett, spricht die Herzogs-Marionette mit den Musikern, der Kasperl sitzt bei einem Stück vertraulich auf dem Knie Christian Grubers und schaut ihm buchstäblich auf die Finger. 

Und es wäre kein Original-Schnürl-Stück, wäre die historische Handlung nicht durchsetzt mit kleinen philosophischen, ironischen und zeitgenössischen Anspielungen. Wie der Kasperl sagt: „Wir balancieren auf der Zeit wie auf einer Rasierklinge“. Das Ganze zusammen ergibt ein reizvolles und bezauberndes, echt Landsberger Märchen, das es wert wäre, zu einem festen Bestandteil der Stadtkultur zu werden. Gelegenheiten zur Aufführung gäbe es wohl genug: Stadtgeburtstag, Ruethenfest und und und. Ganz egal wann, ein Wiedersehen mit Herzog Ernst und seinen hölzernen und mensch- lichen Gefährten wäre in jedem Fall sehr schön!

Patricia Eckstein

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