Exkursion ins Ammerdelta

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Zahlreiche Spaziergänger nahmen die Einladung der Dießener Heimatforscher und dem Freundeskreis Ortsgeschichte Pähl-Fischen wahr, und nutzten die Gelegenheit zu einer geführten Wanderung durch das Naturschutzgebiet Ammersee-Südufer. Vom 1. März bis 31. August herrscht dort Betretungsverbot.

Dießen – Bei kaltem, aber freundlichem Wetter nahmen zahlreiche Naturfreunde die Einladung der Heimatforscher und des Freundeskreises Ortsgeschichte Pähl-Fischen wahr, und machten sich auf zu einem ausgedehnten Spaziergang ins Naturschutzgebiet Ammersee-Süd. Im Mittelpunkt standen Spuren, die an die einstige Nutzung der Kulturlandschaft im Ammer-Delta als Heukammer und Holzumschlagplatz erinnerten.

Vom Naturbeobachtungsturm in Dießen ging es in östlicher Richtung zum „Grüberl“, einer Bucht zwischen dem Turm und der Alten Ammer. Überwuchert aber noch sichtbar ist dort der alte Triftkanal. Durch ihn wurde früher das auf der Ammer antransportierte Holz ins „Grüberl“ gelenkt. Im Flachwasser wurden Schären und Flöße beladen, die das Holz nach Segen brachten. Die letzten Schären mit Scheidholz fuhren 1857 über den Ammersee. Die Stammholzflößerei mit Stämmen aus dem Dießener Forst wurde bis 1933 praktiziert. 1876 wurde am Ammersee die Schifffahrt gegründet. Stammholzflößer, die vom „Grüberl“ aus den See überqueren wollten, wurden nun von einem Dampfschiff ins Schlepptau genommen. Ab Stegen ging die Reise auf der Amper weiter bis nach Dachau.

Die Wanderung unter der Leitung von Herwig Stuckenberger (Heimatforscher) und Horst Reimann (Freundeskreis) ging vom „Grüberl“ aus weiter entlang der Alten Ammer fluss­aufwärts bis zur ehemaligen „Heubruck“, von der nur noch Reste im Wasser erkennbar sind. Die Brücke war Bestandteil des sogenannten „Griesweges“, der einst von Dießen bis ans Ostufer nach Wartaweil führte. Er war nicht zuletzt als Pilgerweg nach Andechs von großer Bedeutung und ermöglichte den Dießenern den Zugang zum Hofgarten, einem zirka einen Quadratkilometer großen Heugebiet, das bis zum Bau der Neuen Ammer (1920-1924) von der Alten Ammer bis zur Schwedeninsel reichte und der Viehwirtschaft diente. Grundstücke im Hofgarten, ob als Eigentum oder in Pacht waren begehrt, da sie die Winterversorgung der Tiere mit Futter sicherten. Nach getaner Arbeit wurde das Heu über die „Heubruck“ nach Hause gefahren. Offen ist die Frage, wie der Hofgarten seinen Namen erhielt. „Vielleicht einfach, weil es dort so schön war“, meint Horst Reimann, der bedauert, dass das Areal zunehmend verwildert.

Da die „Heubruck“ als fußläufige Verbindung über die Alte Ammer nicht mehr existiert, ging es über den „Griesweg“ zurück in westliche Richtung und schließlich durch die gepflegten, noch im Winterschlaf liegenden Streuwiesen wieder nach Dießen. Streuwiesen sind vom Menschen gepflegte Feucht- und Nasswiesen. Hier brüten vom Aussterben bedrohte Vogelarten wie Großer Brachvogel oder Bekassine. Sie benötigen große, zusammenhängende und störungsfreie Schutzgebiete. Die Streuwiesen westlich der alten Ammer dienen bis heute der Produktion von Einstreu für Stallungen. Sie werden nur einmal jährlich, im Herbst, von Landwirten und Naturschutzverbänden gemäht.

Gemeinsam mit dem Verein Kulturlandschaft Ammersee-Lech, der 2015 in Dießen gegründet wurde, möchte der Heimatforscher Stuckenberger den auf einem Kiesbett verlaufenden „Griesweg“, der urkundlich erstmals um das Jahr 1100 erwähnt wurde, dokumentieren. Bis heute ranken sich viele Legenden um den einstigen Karrenweg durch das Moos, den auch Zecher aus Fischen oder Pähl nach ihren Besuchen in den einst zahlreichen Brauereigaststätten in Dießen als Heimweg nutzten. Heute ist die Birkenallee die wichtigste Verbindung zwischen dem Ost- und Westufer. Sie wurde 1780 als bedeutender Postweg erbaut.

Seit 1. März, mit Beginn der Vogelbrutsaison und dem Wachstum der Pflanzen, herrscht wieder Betretungsverbot im Naturschutzgebiet an der Ammermündung. Dann gehört die Landschaft bis zum 31. August wieder allein der dort heimischen, großartigen Artenvielfalt von Vögeln, Pflanzen und Insekten.

Ursula Nagl

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