Obdachlosenunterkunft Jahnstraße

Es ist eben kein Wohnhaus

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Ein in einer Nische verschraubtes Bettgestell – Möblierung für Hilfe in der Not.

Landsberg – Die neue Obdach­losenunterkunft in der Jahnstraße ist für die zeitweise Unterbringung von Menschen ohne Dach über dem Kopf konzipiert. Für Langzeitbewohner entstehen dadurch schwer überwindbare Probleme. Darauf machten Nutzer der bisherigen Gebäude während der Einweihung aufmerksam.

Die Apartments sind mit fixier­ten Bettgestellen ausgestattet und bereits (spärlich) möbliert. Die Langzeitbewohner der sogenannten Jahn-Baracken haben damit ein Problem. Ihre gewohnten Betten, Schränke, Sofas, Tische und Kühlschränke passen in die neue Unterkunft nicht hinein. Entsorgen können sie ihr Mobi­liar aber auch nicht; sie brauchen es wieder, wenn ihnen doch eine Sozialwohnung angeboten wird. Die Stadtverwaltung vertritt die Auffassung, sie müssten die Möbel bis dahin eben irgendwo unterstellen. Aber wo und zu welchem Preis?

Es gibt ein zweites Problem: Einige der Obdachlosen arbeiten regelmäßig und verdienen Geld. Für sie ist die Kostenmiete in Höhe von nahezu 800 Euro (warm), die ihnen Kämmerer Peter Jung für die Einzelnutzung eines der Zwei-Zimmer-Apartments in der Obdachlosenunterkunft in Rechnung stellen muss, viel zu hoch. Auch die Sozialämter helfen da nicht weiter, im Gegenteil: Da die Miete die Bedarfssätze übersteigt, werden die Obdachlosen zum Auszug aus der Obdachlosenunterkunft aufgefordert.

Der zuständige Bereichsleiter der Herzogsägmühle, Matthias Holleschovsky, sagte den protestierenden Bewohnern zwar Hilfe bei der Lösung dieser Probleme zu. Letztlich wird aber nur bleiben, die Langzeit­obdachlosigkeit so schnell wie möglich durch die Zuweisung von Sozialwohnungen zu beenden.

Obdachlosenunterkünfte bieten Hilfe bei kurzfristiger Not; sie sind kein Wohnhaus im klassischen Sinne. Wie aus den Gesprächen am Rande der Einweihung zu entnehmen war, besteht seitens der Obdachlosen auch die Bereitschaft zum Umzug. Allerdings: Herzaubern kann die Stadt diese Wohnungen nicht.

Werner Lauff

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