Hier Knödel, dort Kastanien – Landsberg und Rocca di Papa

Vom Kastanienfest in Rocca di Papa schwärmt Martha Borgmann, UBV-Stadträtin, noch heute – obwohl schon 20 Jahre vergangen sind, seit sie Landsbergs Partnerstadt in der Nähe von Rom besucht hat. Italienfreund Erwin Richter entdeckte bei seinen Reisen dorthin, dass Italiener Puristen sind und eine Weinschorle zu bestellen geradezu eine Sünde ist. Roberto Romei lernte durch die Städtepartnerschaft seiner Heimatstadt mit Landsberg die bayerische Küche – Knödel und Schweinsbraten – lieben. Und Martin Zeisers Familie pflegt schon viele Jahre eine intensive Freundschaft mit der Familie Trinca.

1989 begann die Partnerschaft von Landsberg und Rocca di Papa, die durch eben solche persönliche Erlebnisse und Kontakte lebendig ist. Zum 20-jährigen Jubiläum haben 69 Italiener ihre deutschen Partner in der Lechstadt besucht. Bei einer Feierstunde im Historischen Rathaus wurden Erinnerungen (und Geschenke) auf italienisch und deutsch ausgetauscht. Deutsch-italienisch war auch die Festrede zum Jubiläum, die Bürgermeister Nobert Kreuzer und CSU-Stadtrat Harald Reitmeir hielten. Für Reitmeirs italienische Übersetzung gab es anerkennenden Beifall von den Gästen, die fünf Tage in Landsberg und Bayern unterwegs waren – Sightseeing unter anderem in München und Augsburg stand da auf dem Programm. Am besten gefällt dem Italiener Roberto Trinca aber immer noch Landsberg. Mit Frau und Sohn hat er an der Reise teilgenommen und dabei die Stadt besucht und Freunde, Martin Zeiser und Ehefrau Walburga getroffen. „Schon in der zweiten Generation stehen wir in direktem Kontakt“, erzählt UBV-Stadtrat Zeiser, der den Trincas Landsberg gezeigt hatte. In Italien wiederum ist auch Roberto Romei einer der Einheimischen, der sich auskennt und Landsberger Gäste, wie Erwin Richter, bei den Besuchen herumführt. „Roberto weiß, wo das beste Restaurant ist und es das beste Eis gibt“, so Richter, der bei der Feierstunde über die Rolle des Italienischen in Landsberg und über den Club Italiano sprach. In den 80er Jahren hatte Richter einen Italienischkurs besucht und bald mit anderen Sprachfreunden entdeckt, wie wichtig die Praxis ist – der Club Italiano entstand 1987. Eine Gruppe von Deutschen und Italienern trifft sich seitdem regelmäßig, um miteinander zu plaudern und auch italienisch zu singen. Es sei mittlerweile schon ein Treffen unter Freunden geworden, sind sich die Mitglieder einig. Kontakt zum „Sprachenclub“ können Interessierte über die hiesige Volkshochschule aufnehmen. Die Gründung der Städtepartnerschaft zwei Jahre später geht auf die Landsberger Schriftstellerin Luise Rinser zurück, die in Rocca di Papa eine neue Heimat fand und den Anstoß zu der Verbindung gab. Zur Erinnerung und in Anlehnung an die italienischen Kastanien wurde damals auch ein Kastanienbaum beim Lechsteg am Rocca-di-Papa-Weg gepflanzt „Es gibt viele Menschen in der Stadt, die dem melodiösen Zauber, der italienischen Sprache nicht widerstehen können,“ wusste Richter weiter zu berichten. Davon zeugen auch die vielen Italienisch-Kurse an der Volkshochschule Landsberg. Richter war es auch, der für den Redner von italienischer Seite, Simone Pizziconi, auf Deutsch übersetzte. Pizziconi ist Stadtrat in Rocca di Papa und erklärte, neben der Kultur auch wirtschaftlich mit Landsberg zusammenarbeiten zu wollen. Für die Zeit in der Lechstadt, in die auch das Landsberger Stadtfest fiel, bedankte er sich und meinte schmunzelnd, es seien nicht nur die „Flüsse von Bier“ gewesen, sondern auch das Gefühl, mit Freunden zu feiern, was ihn beeindruckt habe. Pizziconi lud die Landsberger ein, die demnächst in Rocca di Papa anstehenden Feste, „un piccolo Oktoberfest“ im September und das Kastanienfest im Oktober, gemeinsam zu feiern. Die Fahnen, die ihm als Geschenk an seine Stadt überreicht wurden, versprach er dann aufzuziehen. Festlich wurde das Treffen im Rathaus durch den Gesang von Susanne Storz und das Klavierspiel von Gerhard Johannes, die mit italienischen Liedern unterhielten. Selbst sangen die Landsberger und die Italiener dann das von Erwin Richter 1989 erdachte Lied „Primo incontro al Lech“, das die erste Begegnung der Städtepartner beschreibt.

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