"Hier stand ich doch schon mal!"

Einen regelrechten Verkehrsinfarkt in der Landsberger Innenstadt löste am Freitag ein Unfall auf der A96 aus. Der dabei arg demolierte Anhänger steckte beim Abtransport dann selbst im Stau in der Schlossergasse. Foto: Kruse

Super-Stau oder gelungener Auftakt zu einer autofreien Innenstadt? Wie läuft der Verkehr in Landsberg während des Hauptplatz-Umbaus? Niemand hatte auf diese Fragen vorab eine Antwort parat, gespannt blickten alle Beteiligten auf die vergangene Woche. Die Überraschung war dann zunächst groß: Ruhig, geradezu wie ausgestorben ging es nach der Sperrung der Herkomerstraße im Altstadtbereich zu. Ausgerechnet am Freitag, den 13., brach dann aber das Chaos aus – zumindest die Beschilderung scheint nach diesen Erfahrungen verbesserungswürdig zu sein.

Mehrfach war der Termin für die Hauptplatz-Sperrung verschoben worden, am Dienstag nach Ostern war es dann endgültig soweit: Die Baken, die den Weg über die Karolinenbrücke versperrten, wurden aufgestellt. Zunächst scherten sich die meisten Autofahrer darum wenig. Bis 10 Uhr bahnten sich noch etliche Verkehrsteilnehmer auf dem Weg von West nach Ost recht dreist den Weg an den eindeutigen Verbotsschildern vorbei. Ab dem späten Vormittag war es aber auch damit vorbei: Brücke und Hauptplatz waren gesperrt, es wurde mit dem Abschieben des Pflasters begonnen. Neue Sackgasse? Der befürchtete Stau blieb zunächst größtenteils aus. Lediglich im Feierabendverkehr war die Strecke von der Neuen Bergstraße über Schlossergasse und Hinteranger bis zur Augsburger Straße überlastet, ansonsten herrschte eine eher ge­- spenstische Atmosphäre. Die wenigen Fußgänger auf dem Hauptplatz genossen sichtlich die ungewohnte Ruhe, die Zufahrtsstraßen sowohl von Osten (Neue Bergstraße) als auch von Westen (Katharinenstraße) blieben so leer, wie man es in Landsberg seit Jahren nicht gesehen hatte. Die neue Schranke am Schmalzturm blieb offen. Für Verwirrung sorgte allerdings von Anfang an die Umleitungsbeschilderung. Mit „Um­leitung Zentrum“ werden jetzt die Verkehrsteilnehmer aus allen Richtungen auf die Sandauer Brücke gelotst, dort zeigt der Pfeil nach rechts. Nach 30 Metern in der Lechstraße heißt es allerdings „Ende der Umleitung“. Das ließ vor allem ortsunkundige Autofahrer schon am Dienstag ratlos zurück. Das Problem eskalierte am Freitagnachmittag. Auf der A96 war ein tschechischer Kleinbus mitsamt Anhänger umgefallen, die Autobahn musste in beiden Richtungen zwischen den Anschlussstellen Landsberg-Nord und -Ost gesperrt werden. Die abgeleiteten Verkehrsteilnehmer landeten teilweise im Landsberger Altstadt-Dickicht, fanden lange nicht wieder hinaus. Während die Polizei am „Schongauer Dreieck“ die Autofahrer zunächst daran hinderte, in Richtung Altstadt zu fahren, geschah dies am Danziger Platz (Augsburger Straße) nicht. Die Folge: Viele auswärtige Autofahrer folgten der Beschilderung „Umleitung“, landeten in der Lechstraße und umkurvten zuletzt genervt die Müllcontainer am Inselbad. Die mutigeren Fahrer tasteten sich von dort weiter bis zum Flößerplatz vor und ließen sich von Fußgängern einen Rat geben, wie sie denn nun wieder aus Landsberg herauskämen. Aber auch die Vielen, die sich an dieser Stelle für einen Gesetzesbruch entschieden und die Salzgasse in umgekehrter Richtung befuhren, hatten kein Glück: Sie fanden sich danach in der Schlossergasse wieder – dort ging allerdings schon längst nichts mehr und „da bin ich schon vor einer Stunde im Stau gestanden“, meinte ein Regensburger sichtlich genervt. Da inzwischen vielen Auswärtigen offenbar klar war, dass sie über die Lechstraße nicht weiterkommen würden, fuhren sie stattdessen in den Vorderanger ein und sahen sich auf Höhe der Einfahrt zur Fußgängerzone erneut einer Sackgasse gegenüber – dieser Verkehr zurück über die Schulgasse und den Hinteranger machte das Chaos endgültig perfekt. Auch die Schwaighof-Siedlung war da schon längst dicht. Teilweise irrten die Autofahrer, die von der Autobahn kamen, nach eigenen Aussagen bis zu zwei Stunden durch die Landsberger Innenstadt und beklagten sich dabei vehement über die fehlende Verkehrsführung. Von den Rettungskräften, die sich um den Unfall auf der A96 kümmern mussten, wurde das aus der Distanz mehr oder weniger zähneknirschend und machtlos verfolgt. Das beauftragte Abschleppunternehmen sei außergewöhnlich spät aufgetaucht, hieß es. Die Sperrung der Autobahn und damit der Verkehrskollaps in der Altstadt hätten ansonsten viel früher beendet werden können. Durch die Dörfer? Das grundsätzliche Problem während der Hauptplatz-Sperrung ist damit aber nicht gelöst. Bei einem Unfall auf der A96, wie am Freitag, bleiben in den kommenden beiden Jahren als Umleitungsrouten für den überregionalen Verkehr nur die Lechübergänge in Mundraching oder Kaufering. Beide Brücken führen allerdings in den historischen Dorfkern, der den Umleitungsverkehr von der Autobahn wohl kaum auffangen kann. Lösungsansätze scheint es dafür bislang nicht zu geben…

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