Hilfe für Mutti

Heilpädagogin Gabriele Schöne hat die Entwicklung des Fachdienstes im SOS-Kinderdorf Ammersee live miterlebt. Foto: SOS

Der so genannte Fachdienst ist aus dem SOS-Kinderdorf Ammersee nicht mehr wegzudenken: Sozialpädagogen helfen den Kindern mit Gruppenangeboten oder Trainings, ihre Vorgeschichten zu verarbeiten und Defizite abzubauen, Psychologen unterstützen mit Diagnostik und Beratungen, aber auch durch Gruppen- und Einzelarbeit. Im Konzept Hermann Gmeiners allerdings war der Fachdienst noch nicht vorgesehen – und so startete auch das SOS-Kinderdorf Ammersee einst ohne ihn, berichtet Gabriele Schöne. Sie wirkt seit über 30 Jahren im SOS-Kinderdorf und hat die Entwicklung des Dienstes live miterlebt.

Als Schöne 1975 ihre Arbeit in Dießen aufnahm – damals als Leiterin des Kindergartens –, waren noch etliche Mütter der ersten Stunde im Einsatz. Sie leisteten damals die komplette Erziehungsarbeit, lediglich unterstützt von so genannten „Tanten“, dem Dorfleiter und dem Dorfmeister. Ein Jahr später bot Hajo Rothkopf Therapiestunden für die Kinder und Jugendlichen an und auch ein Werklehrer unterstützte die kreative Entwicklung der Kinder. Doch Rothkopf wurde bald darauf SOS-Kinderdorfleiter und musste das Therapieangebot damit aufgeben. Schöne bot dann als Heilpädagogin den SOS-Kinderdorfmüttern Spieltherapie für die Kinder als Unterstützung ihrer Arbeit an. Norbert Bernd, der später nach Haiti wechselte, kam als erster Sozialpädagoge ins SOS-Kinderdorf Ammersee. Er sollte angesichts der wachsenden Zahl von Familien und Häusern den Dorfleiter unterstützen. Nach und nach wurde die strikte Auffassung Gmeiners, Liebe und Verständnis der SOS-Kinderdorfmütter alleine helfe den Buben und Mädchen, relativiert. Zwar waren und sind die Mütter immer noch Mittelpunkt und Herz des SOS-Kinderdorf. Doch setzte sich angesichts der oft schwerwiegenden Probleme der Kinder immer mehr die Auffassung durch, dass Fachkräfte die Erziehung durchaus sinnvoll unterstützen. Parallel dazu veränderten sich die Anforderungen von Seiten der Heimaufsicht, der die SOS-Kinderdörfer ja unterliegen, in dieselbe Richtung. So entwickelte sich auch langsam die Arbeit mit den leiblichen Eltern der Kinder, auf die heute sehr viel Wert gelegt wird. Schöne nutzte das Umdenken und das große Interesse von SOS-Kinderdorf an der Weiterbildung seiner Mitarbeiter, um sich unter anderem zur Familientherapeutin sowie in systemischer Mediation und Kunsttherapie fortzubilden. Sie absolvierte eine Ausbildung in tiefenpsychologisch orientierter Körperpsychotherapie und begann ihre Kenntnisse ab den 80-er Jahren in die Arbeit mit den SOS-Kinderdorffamilien einzubringen. Ein halbes Jahr lang hatte sie kommissarisch die Leitung des SOS-Kinderdorfs inne. Von 1994 bis 2006 übernahm sie zwölf Jahre lang die fachliche Begleitung der heilpädagogischen Kinderwohngruppe mit Sozialtherapie „Haus Leuchtturm“, dessen Konzept sie entwickelte. Seit 2005 ist sie als Praxisberatung für die Ausbildung der zukünftigen SOS-Kinderdorfmütter im Kinderdorf tätig. Als anerkannte systemische Supervisorin begleitet sie Einzelne und Gruppen bei ihrer fachlichen und persönlichen Entwicklung. Zum Abschied – Schöne geht Ende September in den Ruhestand – freut sich die Heilpädagogin sehr über die qualifizierte Arbeit des pädagogischen und psychologischen Fachdienstes, der im SOS-Kinderdorf inzwischen fest verankert ist. Die SOS-Kinderdorfmütter beauftragen den psychologischen Fachdienst mit der Diagnostik der Kinder, in Fallbesprechungen werden darauf aufbauend fachspezifische Aufträge erarbeitet, deren Umsetzung die Bereichsleitung verantwortet. Als Ergänzung und Unterstützung ihres nach wie vor zentralen Betreuungsangebots greifen die SOS-Kinderdorfmütter und ihr Team – bestehend aus einem Sozialpädagogen für je zwei Familien, einer Erzieherin und einer Praktikantin – auf die Angebote der dorfübergreifend tätigen Sozialpädagogen und Psychologen zurück. So erhalten die Kinder beispielsweise Therapiestunden, Konzentrationstrainings oder schulische Unterstützung. Für Schöne ist das ein „Win-win“-System, bei dem alle gewinnen und das wichtigste Ziel gemeinsam erreichen – für die Kinder da zu sein und sie bestmöglichst zu fördern.

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