Wer hilft schon gern über die Straße?

Natürlich gibt es unsichtbare Schutzengel. Statistisch betrachtet erledigen sie ihre Aufgaben aber nicht zuverlässig genug. Ihre Kollegen in den gelben Westen hin­gegen, die morgens weithin sichtbar die Grundschulkinder über gefährliche Stras­sen­übergänge leiten, können eine beeindruckende Statistik vorweisen: keine Unfälle, keine Verletzten und auch keine Toten. Problematisch nur: die Spezies Schulweghelfer ist in der Lechstadt vom Aussterben bedroht.

„Ich bin froh, wenn mein eigenes Balg aus dem Haus ist, da werd ich mich doch nicht um die Bälger anderer Leute kümmern.“ Das war die drastischste Antwort, die Heidi Bridgeman bei ihrem Versuch, Schulweghelfer für das nächste Schuljahr zu finden, bekam. Während der Schuleinschreibung hatte die ehrenamtliche Organisatorin des Schulweghelferdienstes an der Landsberger Grundschule in der Katharinenvorstadt nahezu alle Eltern der zukünftigen ABC-Schützen angesprochen und für diese wichtige Aufgabe geworben. Nur 8 von 80 An den vorausgegangen Informationsabenden hatte Bridgeman die Eltern eingehend auf die Gefahren, die an ungeschützten Übergängen auf ihre Kinder lauern, hingewiesen. Doch das nützte alles nichts. In sechs Stunden sprach sie rund 80 Eltern an. Am Ende waren auf ihrer Liste acht Mütter und Väter, die es sich hoffentlich nicht wieder anderes überlegen. „Die meisten Eltern denken, dass sie das Problem nichts angeht. Deshalb kann es passieren, dass ein so gefährlicher Übergang wie der am Schongauer Dreieck nicht mehr gesichert sein wird“, ist Heidi Bridgeman sichtlich besorgt. Auch Bettina Hartel-Storhas, die den Schulweghelferdienst für die Spitalplatzschule organisiert, hat ebenfalls noch unbeschützte Übergänge. „Mittlerweile hab ich Magenschmerzen und schlafe schlecht“, sagt die Mutter von zwei Kindern. Auch sie informierte die Eltern über die Gefahren, sprach sie direkt an und versandte hunderte von Briefen. Doch auch sie fand nicht genügend Eltern. Die Schilderungen beider Organisatorinnen über ihre zermürbende Arbeit sind häufig im Wortlaut identisch, obwohl sie sich nicht kennen. Beide berichten, dass es Mütter und einige wenige Väter gibt, die schon seit Jahren Straßenübergänge sichern, manche, obwohl sie nicht mal Kinder an den Schulen haben. Sie erzählen von allein erziehenden Müttern mit mehreren Kindern, die trotz ihrer enormen Belastung zuverlässig die Buben und Mädchen an gefährlichen Stellen sicher über die Straßen lotsen. Eine Mutter von drei Kindern, Ärztin an einer Münchener Klinik, zieht nach der Nachtschicht die gelbe Weste über und garantiert, dass an diesem Tag wieder alle Kinder, die bei ihr vorbeihuschen, unverletzt in der Schule ankom­men. Diese Beispiele bewiesen, so beide unisono, dass es geht, wenn man nur wolle. Und je mehr sich melden, umso weniger Aufwand ist es für jeden Einzelnen. Aus eigener Erfahrung und aus zahlreichen Gesprä­chen mit den aktiven Schutzengeln wissen sie, dass es eine Bereicherung ist, eine derart wert- und sinnvolle Aufgabe zu übernehmen. Überforderte Kinder Einen anderen Aspekt bringt Franz Kreuzer ein. Der Pressesprecher der Landsberger Polizei betont, dass Grund­schul­kinder im Straßenverkehr häu­- fig überfordert seien. Und die Statistik, die er nur zu gut kennt, bestätigt: „In all den Jahren, in denen Schulweghelfer als sichtbare Schutzengel den Schulweg der Kinder sichern, ist kein Kind je verletzt worden oder gar umgekommen.“ Für die Arbeit der unsichtbaren Schutzengel kann Kreuzer keine exakten Zahlen liefern. Nur eines ist sicher: Meistens geht es gut, manchmal aber auch nicht. Schutzengel werden? Schutzengel kann im Grunde jeder Erwachsene werden. Wer Interesse an dieser wichtigen und sinnvollen Aufgabe hat, der sollte sich direkt an Bettina Hartel-Storhas, Telefon 08191/21701, wenden oder an Heidi Bridgeman Tel. 08191/921997.

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