Ein "himmlischer Glücksfall"

Mit der Sonderausstellung „Der Himmel auf Erden" hat das Neue Stadtmuseum Landsberg kürzlich das Ausstellungsjahr 2009/2010 eröffnet. Die Exposition im gesamten Erdgeschoss ermöglicht Blicke in eine barocke Altarwerkstatt. Herzstück sind fünf Handzeichnungen von Johann Michael Feichtmayr (1709/10 bis 1722) mit voll ausgearbeiteten kolorierten Altarentwürfen, so genannten Präsentationsblätter.

Den Zeichnungen sind in großformatigen Fotografien die Werksausführungen in der ehemaligen Klosterkirche Amorbach, der Benedik- tinerabteikirche Ottobeuren und der Walfahrtskirche Maria Steinbach bei Memmingen zugeordnet. Zudem wird das Stuckateurhandwerk mit Materialien und Werkzeugen vorgestellt. Zahlreiche Gegenstände von Aufsätzen, schlicht für die Fastenzeit, prunkvoll für Hochfeste, Kanontafeln und Wäsche über einen Filetstickereischleier zur Verhüllung des Tabernakel und Messbücher bis hin zu Leuchtern und Blumen dokumentieren, wie ein Altar für das „barocke heilige Theater der Messe“ präsentiert wurde. Um die Feichtmayr-Handzeichnungen spinnt sich ein kleiner Krimi. Recherchen für ihre Promotion über Franz Xaver Schmädl (1705 - 1777), dem Weilheimer Rokoko-Bildhauer, der seine „Handschrift" in zahlreichen sakralen Bauten unter anderem in Garmisch, Murnau, Andechs, Ober- und Unterammergau, Dießen und auch Landsberg hinterließ, führten die Kunsthistorikerin Elisabeth B. Hinterstocker ins Neue Stadtmuseum Landsberg. Ihr wurde eine Mappe mit mehreren Handzeichnungen zu Altarentwürfen vorgelegt, eine mit einem Teilstück eines Vertrages zwischen einem Künstler und einem Abt datiert im Jahr 1743. In unermesslicher, schon kriminalistischer Kleinarbeit konnte Hinterstocker die Arbeiten eindeutig Johann Michael Feichtmayr zuordnen. Außerordentliche Qualität „Die außerordentlich gute Qualität der Blätter hat mir zunächst einfach nur Freude bereitet. Ein Entwurf erinnerte mich irgendwie an Ottobeuren. Und dann ging es darum, die Zuordnung wissenschaftlich zu be- oder widerlegen“, erklärte Hinterstocker den für einen Kunsthistoriker „himmlichen Glücksfall“. Dieser zählt auch für Museumsleiterin Dr. Margarete Meggle-Freund, die den „wissenschaftlichen und ideellen Wert“ sieht. Die Entdeckung von Hinterstocker lüftet den Mantel der Geschichte um Johann Michael Feichtmayr als einen der herausragenden Vertreter der Wessobrunner Stuckateurschule in der Zeit des bayerischen Rokoko ein wenig. Schon seine Biografie mit Abstammung, Geburtsdatum oder früher Gesellenzeit ist im Dunkeln. Bislang gab es nur eine einzige signierte Handzeichnung. Gesichert ist, dass Feichtmayr zusammen mit Dominikus Zimmermann die qualitative Spitze des Stuckateurhandwerks definierte. Im Übrigen: Zu Schmädl wurde nichts gefunden, aber die Museumsleiterin ist sicher, dass im umfangreichen Depot noch so mancher Schatz schlummert. Barocke Festwoche Ihrem Anspruch, das Neue Stadtmuseum als ein Haus für alle Interessen- und Altersgruppen zu etablieren, wird Museumsleiterin Dr. Meggle-Freund mit ihrem Begleitprogramm gerecht. Höhepunkt bildet eine „barocke Festwoche“ im Mai. Es ist Zufall, dass nach der Weihnachtsausstellung „Christkindl, Englein, Rehlein“ zum Abschluss des vorherigen Ausstellungsjahres jetzt wiederum ein reli- giöses Thema behandelt wird. „Ich wollte unbedingt die bisher der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Feichtmayr-Arbeiten vorstellen“, sagt Meggle-Freund. Für diesen Sommer kündigt sie eine Sonderexposition Exposition über Künstlerverbände zwischen Lech und Ammersee an.

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