Hinschauen statt wegsehen

Hauptkommissar Jürgen Huhndorf und Dienststellenleiter Alfred Geyer präsentierten das neue Zivilcourage-Projekt der PI Landsberg. Foto: Peters

Kaum ein Fall hat die Öffentlichkeit in den letzten Jahren so schockiert wie der Mord am Münchner Geschäftsmann Dominik Brunner. Weil er vier Schüler vor den Pöbeleien mehrerer Jugendlicher hatte schützen wollen, war er von zwei der Streitsuchenden am S-Bahnhof Solln zu Tode geprügelt worden – 22 Schläge und Tritte zählte damals die Gerichtsmedizin. Brunners Name gilt seitdem als Synonym für Zivilcourage, doch für viele ist der erschütternde Vorfall angesichts des tödlichen Ausgangs eher ein abschreckendes Beispiel. Wie man sich am besten in einer derartigen Situation verhält, will daher nun die Landsberger Polizei aufzeigen. Im Rahmen der Aktion „Tu was!“ bietet sie ab April kostenlose Kurse zum Thema „Zivilcourage“ an.

Immer wieder seien Leute in letzter Zeit an sie herangetreten und hätten sich nach einem Präventionsprojekt erkundigt, schilderte Dienststellenleiter Alfred Geyer bei einem Pressegespräch den Beweggrund für die geplante Aktion. „Wir wollen damit vorhandene Unsicherheiten abbauen und die Bürger animieren zu helfen.“ In den Kursen, die auf 20 Teilnehmer begrenzt sind und im Besprechungsraum des Sportzentrums stattfinden, geht es dabei nicht um praktische Methoden der Selbstverteidigung. Vielmehr steht die Theorie im Vordergrund. Durch Vorträge, die Demonstration bestimmter Verhaltensweisen anhand von Filmbeispielen sowie verschiedene Rollenspiele sollen den Teilnehmern unterschiedliche Themen näher gebracht werden. „Ein wichtiger Punkt etwa ist, welche gesetzliche Grundlage habe ich denn in einem solchen Fall?“, erklärte Geyer. „Kann ich Pfefferspray einsetzen oder droht mir, wenn ich als Hilfeleistender zuschlage, eine Anzeige wegen Körperverletzung?“ Nicht immer muss ein Eingreifen auch mit Gewalt verbunden sein, sagte Geyer. „Wir wollen zeigen, wie man vorgeht, um nicht selbst Ziel des Angreifers zu werden.“ Mit der Aktion folgt die Landsberger Polizei dem Beispiel anderer Dienststellen wie Ingolstadt, München oder Kempten, die bereits ähnliche Programme anbieten. Das Thema Zivilcourage spiele auch außerhalb der Großstädte eine immer wichtigere Rolle, erklärte Geyer und wies auf die steigende Zahl von Gewalttaten im Landkreis hin. Nicht nur, dass die Täter immer jünger würden, auch die Art von Gewalt sei eine ganz andere als noch vor ein paar Jahren. „Jetzt wird geschlagen und getreten, auch wenn einer bereits auf dem Boden liegt.“ Umso mehr sei man darauf angewiesen, dass niemand zurückschrecke oder wegsehe, wenn er Übergriffe auf Schwächere oder Hilflose bemerke, betonte der Dienststellenleiter. Die ersten beiden Zivilcourage-Kurse finden am 6. April und 9. Mai statt. Das Angebot richtet sich an alle Erwachsenen im Landkreis. Anmeldungen nimmt die Polizeiinspektion Landsberg ab sofort unter der Telefonnummer 08191/932-0 entgegen. Weitere Termine sind bei genügender Nachfrage bereits geplant.

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