Hinter Gefängnistüren geblickt

Geschichte hautnah – 100 Jahre Strafvollzug mitten in Landsberg, da haben die Mauern viel zu erzählen. „Übersetzt“ oder besser anschaulich gemacht hat dies Klaus Weichert, der lange Jahre als Pädagoge in der Justizvollzugsanstalt (JVA) tätig war. Er hat die Chronik des Gefängnisses zusammengetragen, und nun erhält die Bevölkerung noch bis zum 5. Juli Gelegenheit den Zeitgeist eines ganzen Jahrhunderts kennenzulernen. Vor allem die Schulen, so Anstaltsleiterin Monika Groß bei der Eröffnung, sollten dieses Angebot nutzen.

Auf sieben Räume verteilt, sind zahllose Dokumente, Fotos und so manches Relikt aus hundert Jahren Strafvollzug zu betrachten. Für rund drei Millionen Mark war 1909 eine der modernsten „Gefangenanstalten“ in Landsberg entstanden, konzipiert für 560 „katholische Gefangene“. Einer der frühen, heute noch bekannten Insassen war Anton von Arco, der 1919 Ministerpräsident Kurt Eisner erschoss. Seine in Festungshaft umgewandelte Todesstrafe wurde aber nach nur einem Tag in Landsberg aufgehoben. 1924 sah man seine Tatmotive bereits als patriotisch an. Ein Jahr zuvor war schon ein anderer in Festungshaft genommen worden. Adolf Hitler saß mit Rudolf Hess und anderen für ein Jahr in Landsberg ein, wo er den ersten Teil von „Mein Kampf“ verfasst hat. Nach 1933 wurde seine Zelle zum „Wallfahrtsort“. Die „Hitlerstube“ besuchten ganze Abordnungen, auch aus dem faschistischen Italien. Nach dem Krieg – im April 1945 kamen die Amerikaner – wurde aus dem Gefängnis ein „War Criminal Prison“ (WCP). Nun bestücken die Alliierten die Zellen mit Leuten wie Friedrich Flick oder Ernst von Weizsäcker, dem Vater des späteren Bundespräsidenten. Im Mai 1958 wurde das Landsberger Gefängnis schließlich ganz geräumt von den Amerikanern. Heute sind vorwiegend Erststraftäter in Landsberg untergebracht, allerdings auch zu lebenslänglich Verurteilte. Auch die „Angebote für das Leben danach“, die heute einen wichtigen Teil des Strafvollzugs ausmachen, dokumentiert die Schau. Landrat Walter Eichner sprach den Initiatoren dieser Ausstellung seinen „herzlichen Dank für die wichtige Geschichtsarbeit“ aus. Eichner hofft, dass viele Landsberger diese Arbeit durch den Besuch der Ausstellung würdigen werden. Die Ausstellung ist täglich geöffnet von 13 bis 18 Uhr, mit Ausnahme vom 19. und 27. Juni. Für Schulklassen und Gruppen sind die Vormittage vorbehalten. Dazu ist eine Anmeldung unter Telefon 08191/126695 (ganztägig besetzt) erforderlich.

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