Lumpiger Donnerstag in Landsberg

Eine Frage des Zeltes

Landsberg – Keine Frage, es geht ums Geld. Um richtig viel Geld. Wer am Lumpigen Donnerstag sein Zelt auf der Waitzinger Wiese aufschlagen darf, der kann sich nach dem närrischen Treiben trotz enormen Aufwands einer prall gefüllten Kasse sicher sein. So etwas weckt Begehrlichkeiten, allemal unter konkurrierenden Gastronomen. Was der eine darf, möchte der andere auch dürfen – an derselben Stelle.

Der „Zirkus der Narren“ auf der Waitzinger Wiese, in den Claus Moritz und Christian Greinwald die feierwütige Faschingsgesellschaft am Lumpigen Donnerstag seit Jahren führen, ist das Parade­beispiel dafür. Vergleichbares gab es in der Lechstadt zuvor nicht. In der Folge wollte denn auch der umtriebige Gastronom Niki Amberger ein Stück vom großen Kuchen abhaben. Als Gründervater und Vorsitzender des eingetragenen Faschingsvereins „Landsberg-Gaudiwurm“ hauchte er zunächst dem Gaudiwurm ab 2014 neues Leben ein. Mit durchschlagendem Erfolg.

Und dieser Erfolg sollte sich dann auch in Landsbergs Party­zelt Nr. 2 einstellen – auf dem Schlüsselanger. Doch dem war nicht so. Während die Maschkerer vor dem „Zirkus der Narren“ Schlange standen, war der Andrang in Ambergers „Faschingspalast“ bei der Premiere überschaubar. Damit war das Gerangel um den offensichtlich besseren Standort eröffnet. Da beide Partymeilen in städtischer Hand sind, verständigte man sich in Verwaltung und Stadtrat darauf, nach dem „rollierenden System“ zu vergeben. Demzufolge mussten Moritz/Greinwald im vergangenen Jahr auf den Schlüssel­anger, während Amberger sein Zelt am Premium­standort Waitzinger Wiese aufschlagen durfte. Und dort führte der Faschingsverein dann auch die Gaudiwurm-Siegerehrung durch. Gewiss kein Zufall.

Die Rechnung schien aufzugehen. Kaum war der Lumpige Donnerstag 2017 Vergangenheit, da beantragte der Faschingsverein (mit Niki Amberger an der Spitze) flugs die Nutzung der Waitzinger Wiese im Jahr 2018 für ein „Party­zelt“ – offensichtlich in der Hoffnung als Neuling in der Bewerberliste des rollierenden Systems ganz oben zu stehen. Doch weit gefehlt, er hätte sich turnusgemäß einreihen müssen. Ganz hinten. Dieses Vorgehen sei mit Vorstandsmitglied Ariane Wegner so besprochen worden heißt es aus Stadtkreisen. Dabei sei auch darauf hingewiesen worden, dass der Verein den Grundsatz der Gemeinnützigkeit beachten müsse. Danach herrschte Funkstille, weder der Verein noch Niki Amberger stellten einen weitergehenden Nutzungsantrag.

In der jüngsten Mitgliederinformation von Ariane Wegner liest sich das ganz anders: „...Ferner hat die Stadt dem Faschingsverein untersagt, ein Zelt aufstellen zu lassen, mit der Begründung, dass wir ein gemeinnütziger Verein sind und keine Gewinne erwirtschaften dürfen. Diese Absicht stand nie im Vordergrund, sondern ein toller Abschluss des Umzuges mit einer Siegerehrung, wie es selbst von einigen Umzugsteilnehmern vorgeschlagen wurde – in einem Zelt...“. In einem Zelt? Natürlich, aber auf keinen Fall im „Zirkus der Narren“ der Herren Moritz und Greinwald.

Fragen wirft auch die Mitgliederversammlung des Faschingsvereins auf, zu der die Stadt als Vereinsmitglied offenbar nicht geladen war. Eine „ordentliche Mitgliederversammlung“ sei es gewesen, bestätigt Wegner auf Anfrage. Am 13. Dezember fand sie statt – zu spät. Laut Satzung hätte sie „spätestens zwei Monate vor dem Lumpigen Donnerstag“ (8. Februar) stattfinden müssen. Ist damit der Beschluss, den Gaudiwurm nicht durchzuführen, ungültig?

Toni Schwaiger

Auch interessant

Meistgelesen

Streetfood verbindet!
Streetfood verbindet!
Shakespeares „König Lear“ in einer saftig-bunten Inszenierung
Shakespeares „König Lear“ in einer saftig-bunten Inszenierung
Heldin Theresa schwingt den Hammer im April
Heldin Theresa schwingt den Hammer im April
Alex Dorow (CSU) wieder im Landtag, Gabriele Triebel (Grüne) folgt wohl
Alex Dorow (CSU) wieder im Landtag, Gabriele Triebel (Grüne) folgt wohl

Kommentare