Historischer Blechschaden

Autounfälle haben heutzutage keinen Seltenheitswert. 1929 dagegen waren sie fast schon eine kleine Sensation, denn nur wenige besaßen damals bereits ein eigenes Auto. Foto: Teufl

Es ist fast genau 125 Jahre her, da veränderte eine Erfindung die Welt. Ein gewisser Carl Benz meldete am 29. Januar 1886 seinen Motorwagen zum Patent an und schuf damit das erste moderne Automobil. Heute ist das Auto aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken, Millionen Fahrzeuge rollen täglich über deutsche Straßen. In der Anfangszeit konnten sich dagegen nur wenige ein Auto leisten. Umso kurioser ist daher das Foto, das der Walleshausener Ludwig Teufl jüngst als Leihgabe vom Pestenacker Landwirt Erwin Silbernagl erhielt. Auf dem Bild: Ein Verkehrsunfall aus dem Jahr 1929.

Teufl fotografiert selbst leidenschaftlich gern. Seit Jahren sammelt der 72-Jährige zudem historische Fotos aus der Umge­- bung. Selten erzählen die Funde jedoch eine derart wundersame Geschichte wie das Foto, welches Silbernagl beim Umbau seines Hauses auf dem Dachboden fand. Aus einigen handschriftlichen Zeilen auf der Rückseite hat Teufl nun versucht, die Geschehnisse zu rekonstruieren, die zu jenem Unfall führten. In Walleshausen gab es zur damaligen Zeit die Landmaschinenfabrik „Michael Rüll & Söhne“, von der noch heute zwei Fabrikationshallen und einige Wohnhäuser erhalten sind. Die Firma stellte vor allem Dreschmaschinen und Brechmühlen her, die sie nicht nur in der näheren Umgebung sondern in ganz Deutschland verkaufte. Das Geschäft lief gut, was sich daran ablesen lässt, dass Michael Rüll sich schon damals ein eigenes Auto leisten konnte. Im Vorderanger in Landsberg betrieben zur gleichen Zeit die Brüder Süß die Gaststätte Kristeiner samt Brauerei. Später sollte dort für lange Jahre das Bekleidungshaus Heimsch stehen. Auch die beiden Brüder besaßen bereits ein Auto. Nur ein Haufen Blech Just zwischen Rüll und Süß, so verrät es der Text auf der Rückseite des Bildes, kam es schließlich zu jenem Zusammenstoß, den ein Fotograf festhielt. Von den Autos blieb nicht viel mehr übrig als ein Haufen Blech. Was mit den beiden Insassen geschah, sei nicht überliefert, sagt Teufl. Auch über den Unfallhergang lasse sich nur spekulieren. Die Kreuzung bei Unfriedshausen zwischen Pestenacker und Beuerbach sei damals wie heute von allen Seiten einsehbar gewesen, noch dazu habe kaum Verkehr geherrscht, stellt Teufl fest und rätselt: „Vermutlich hat einer der beiden Fahrer auf sein Vorfahrtsrecht bestanden.“ Geklärt ist dagegen, mit welchen Mitteln das Foto damals zustande kam. Denn Silbernagl fand auf seinem Dachboden nicht nur das Bild, sondern auch eine alte Fotobox, mit der das Unfallbild geschossen worden war. Für Teufl ist auch das kein alltäglicher Fund. „Ein solcher Fotoapparat dürfte zu dieser Zeit einen ähnlichen Seltenheitswert gehabt haben wie ein Auto“, erklärt der 72-Jährige. Unverkäuflich Nur zu gerne hätte Teufl daher dem Landwirt sowohl das Originalfoto als auch den Apparat für seine Privatsammlung abgekauft. „Aber er gibt das verständlicherweise nicht her.“ So blieb dem Sammler nur, die spektakulären Fundsachen abzufotografieren. Es dürften derweil nicht die letzten Zeugnisse der Vergangenheit sein, die Eingang in Teufls Archiv finden. „Es schlummern noch viele Dinge auf den Dachböden“, sagt der 72-Jährige überzeugt.

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