"Ad multos annos, Toni!"

Stadtheimatpfleger Anton Lichtenstern zum 80. 

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Auch Manfred Treml (links), Vorsitzender des Verbands bayerischer Geschichtsvereine, ehrte Anton Lichtensterns Arbeit für die Stadt Landsberg.

Landsberg – – Er ist Namensgeber des Ignaz-Kögler-Gymnasiums, unterrichtete dort, saß sechs Jahre im Stadtrat und ließ Landsberg jahrzehntelang sein historisches Wissen zugutekommen. Der ehemalige Stadtheimatpfleger Anton Lichtenstern konnte sich am Freitagabend über einen vollen Festsaal im Historischen Rathaus freuen: Die Spitze der Stadt in Form aller drei Bürgermeister, der Landsberger Jugendchor unter Leitung von Marianne Lösch, die Mitglieder des historischen Vereins und auch Historiker Dr. Manfred Treml, unter anderem Vorsitzender im Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine – alle waren gekommen, um ihm anlässlich seines 80. Geburtstags zu gratulieren. Und um ihm für seine Arbeit angemessen zu danken.

„Du bist und bleibst unser Gewissen. Und auch ein unermüdlicher Mahner.“ Vorsitzende des Historischen Vereins Sigrid Knollmüller nennt Lichtenstern ein „Fundament des Vereins“. Sie kennt ihn schon seit Schulzeiten: als er 1957 sein Abitur an der Oberrealschule machte – dem heutigen Stadtmuseum. Was fast wie eine Zukunftsprognose wirkt. Denn Stadtgeschichte wurde Lichtensterns Passion. Seit über 50 Jahren ist der ehemalige Denkmal- und Stadtheimatpfleger Mitglied im Historischen Verein, mehr als 40 davon im Vorstand, wobei er die Mitgliedschaft von seinem Vater geerbt habe, sagt Knollmüller. Auch vom Architektenvater geerbt habe er das Interesse für die historischen Baupläne der Altstadt. Ihr habe er sein ganzes Engagement gewidmet, um „eine Zukunft für unsere Vergangenheit“ zu schaffen und das zu bewahren, „was uns verbindet“.

Sein Wissen habe der nun 80-Jährige nicht nur in Schule und Arbeit vermittelt, auch in seinen zahlreichen Publikationen sei es erhalten. Denn auch nach seiner Pensionierung 2001 und dem Ende seiner Arbeit als Stadtheimatpfleger 2008: Lichtenstern widmet sich weiterhin mit „Wissensdurst, Neugier und Schreiblust“ der Geschichte, weiß Knollmüller. Zum Beispiel in seinen Beiträgen der „Landsberger Geschichtsblätter“: mindestens einen pro Jahr, meistens aber mehr.

Historiker und ehemaliger Leiter des Museumspädagogischen Zentrums München Manfred Treml, der Lichtenstern die Ehrennadel des Verbandes bayerischer Geschichtsvereine verleiht, nennt ihn einen „Magister doctus, einen engagierten Gelehrten und Bildungsbürger“. Wobei er Letzteres nicht negativ verstanden haben will: Aus dem Bildungsbürgertum seien die historischen Vereine erwachsen. Eine Bürgerkultur „die wir nicht preisgeben dürfen“, da sie die „Garanten für regionales Geschichtsbewusstsein sind“. Zugutehalten müsse man den Historischen Vereinen, dass sie nicht „der romantischen Überschätzung oder einem bayerischen Patriotismus“ zum Opfer fielen. Vielmehr gehe es um eine europäische Gesellschaft mit der „ungebrochenen Kraft der Region“.

Landsberg sei nicht nur von der Bausubstanz eine besondere Stadt, fährt Treml fort. Denn sie habe auch besonders engagierte Menschen. Wie Anton Lichtenstern. Ein „Forscher und Vermittler“, der schon früh gezeigt habe, wie viel man aus der Geschichte für Gegenwart und Zukunft lernen könne. Etwas, das auch Lichtenstern selbst betont: „Wer nichts über die Vergangenheit weiß, tut sich schwer, die Gegenwart und Zukunft zu verstehen.“ Weltgeschichte finde überall statt, Ortsgeschichte sei somit das „Vergrößerungsglas“ für das Verständnis der Welt.

Lichtenstern selbst weiß noch von den Zigaretten der GIs, die er und seine Freunde als Buben verscherbelten. Erzählt lakonisch von seiner Zeit als Ministrant, als er lateinische Gebete lernte, „die wir nicht verstanden, aber auf die wir sehr stolz waren“ – damals, vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Und seiner Zeit als Pfadfinder, als sie den Erpftinger KZ-Friedhof entdeckten. Seine ersten Aktionen als Mitglied des Historischen Vereins seien die Erhaltung der Sandauer Kirche und des dortigen Wachturms gewesen. „Wir haben es geschafft, dass dieser Turm in einer spektakulären Aktion Millimeter um Millimeter verschoben wurde.“

„Landsberg ist für Sie eine Herzensangelegenheit“, sagt Oberbürgermeister Mathias Neuner. Über viele Jahre habe sich Lichtenstern für die Stadt eingesetzt, „auch mit Streitkraft“ in der Zeit, als man den Grundsatz „des alde Zeigs ghört weg“ verfolgt habe. Und so habe die Stadt einiges, was Lichtenstern Handschrift trage. Wie die Lage des heutigen Stadtmuseums. Oder die Stadtbibliothek, das ehemalige Salzstadl, das kurz vor dem Abriss stand. Nicht umsonst habe Lichten-

stern den goldenen Ehrenring der Stadt erhalten. Der Geehrte selbst bleibt bescheiden. Nicht er sei es gewesen, sondern viele miteinander. Immer sei ihm das Bauamt zur Seite gestanden, andere hätten geholfen. „Und heute sind Sie, Herr Treml, extra wegen mir und dieser Ehrennadel nach Landsberg gekommen.“

Ohne Anton Lichtenstern sähe Landsberg anders aus. Oder wie die stellvertretende Landrätin Ulla Kurz formuliert: „Danke für das historische Erbe der Vergangenheit.“ Da bleibt nur in Knollmüllers Worten zu sagen: „Ad multos annos, Toni!“

Susanne Greiner

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