Entlastung fürs Nadelöhr Herrenstraße und Hofmark:

Eine "Italienische Lösung" für Dießen?

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Mit einer Nord- und Südspange würde Stefano Verardi den Schwerlastverkehr aus Dießen verbannen.

Dießen – Herrenstraße und Hofmark im Dießener Zentrum sind bekanntermaßen in beiden Richtungen ein gefährliches Nadelöhr. Extremes Verkehrsaufkommen bei Veranstaltungen wie Töpfer- oder Flohmarkt, vor allem aber der Schwerlastverkehr unter der Woche sorgen immer wieder für Stau, brenzlige Situationen und natürlich extreme Abgase. Jetzt gibt es eine „Italienische Lösung“ für die Marktge­meinde.

Hobby-Verkehrsplaner Stefano Verardi.

Bei der Analyse der 1.063 ausgefüllten Bögen der Haushaltsbefragung zur Verkehrssituation in der Marktgemeinde standen die Marktplatz-Kreuzung Johannes-/Prinz-Ludwig-/Herrenstraße sowie die Hofmark auf den ersten Plätzen bei der zu hohen Lkw-Belastung. Verkehrsplaner Robert Ulzhöfer vom Büro „Stadt Land Verkehr“, von der Marktgemeinde Dießen beauftragt für die Ausarbeitung und Auswertung der Haushaltsbefragung, konnte dieses Teilergebnis den Gemeinderäten nur mitteilen, allerdings noch keine Lösung anbieten. Schließlich gehören Herrenstraße und Hofmark zur Staatsstraße 2056 und da hat die Gemeinde wenig zu melden. Immerhin ist es ihr nach langer Verhandlung mit dem Straßenbauamt in Weilheim gelungen, wegen der Carl-Orff- und Liebfrauen-­Schule einen Teilbereich in eine Tempo-30-Zone umzuwidmen. Aber trotz Hinweisschilder und Geschwindigkeitsmessanlage mit rot-grünem Smiley wird meist immer noch zu schnell gefahren. Gefährlich vor allem für Radfahrer, die zum Marienmünster hinaufstrampeln oder sich in Richtung Marienplatz abwärts rollen lassen. Wenn sich dann noch Lastwagen und Linienbusse begegnen, kann es ganz schön brenzlig werden.

Jetzt gibt es – zumindest theoretisch – eine „Italienische Lösung“. Was nach Mafia klingt, ist eine akribische „Überlegung zur Verkehrsberuhigung des Gemeindekerns von Dießen“. Ausgearbeitet vom Hobby-Verkehrs­planer Stefano Verardi (65). Der Dießen-Fan kommt aus Bologna und wohnt derzeit bei seiner Lebensgefährtin Karin Zischka in Penzing. Das Paar fährt oft nach Dießen und wird immer wieder mit der Verkehrsproblematik im Zentrum konfrontiert.

Verardi, pensionierter Grafiker mit dem recht ungewöhnlichen Hobby „Verkehrsplanung“, machte sich völlig unvoreingenommen und außer Konkurrenz an die Arbeit. Dank Google Earth verschaffte er sich den Überblick von oben und kam so auf sein Konzept von zwei Umgehungsstraßen – eine im Bereich Dießen-Nord (Nordspange) und eine im Bereich Dießen-Süd (Südspange). Er schreibt: „Die Umgehungsstraßen würden den Verkehr in beide Richtungen abfangen bzw. umleiten und dadurch den Verkehr über die Hofmark/Herrenstraße stark entlasten. Außerdem würde auch der sehr problematische Knotenpunkt an der Kreuzung Johannis-/Herrenstraße deutlich entlastet.“ Zu einer möglichen Realisierung meint er: „Die vorgesehenen Umgehungsstraßen sind vorhanden, es wären also keine aufwendigen Baumaßnahmen bzw. Investitionen nötig.“

Die Frage, was die Anlieger seiner Nord- und Südspangen-Idee dazu sagen würden, wenn hier Tag für Tag der Schwerlastverkehr durchdonnert, bleibt bei Stefano Verardis Konzept natürlich unbeantwortet. Er meinte aber augenzwinkernd beim Gespräch mit dem KREISBOTEN, Gemeinnutz stünde vor Eigennutz. Bei seiner Nordspange ginge es ab der Lachener Straße durch die Eger- und Bergmil­lerstraße sowie Buzzallee zur Hofmark. Die Südspange ginge ab der Johannisstraße wahlweise über die Schützen- oder Krankenhausstraße, Probst-Herkulan-Karg-Straße, Klosterhof und Rotter Straße zur Hofmark. Verardi hat sogar zwei Varianten mit Einbahnlösungen ausgearbeitet.

Beim „Verkehrskonzept Dießen“ ist Stefano Verardi übrigens nicht „Ersttäter“. Für seine Heimatstadt Bologna hat er schon vor Jahren ein über 100 Seiten starkes Exposé erstellt, das aber „durch den ständigen Wechsel in der Kommunalpolitik irgendwie unterging.“ Und von seiner Wahlheimat Penzing aus hat er sich auch schon sehr konkrete Gedanken über die Stadt Landsberg gemacht – inklusive möglicher Verbesserungen beim Öffentlichen Personennahverkehr mit Omnibussen. Von Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) erhielt er für das 20-seitige Konzept immerhin ein Dankschreiben. Eine Reaktion aus dem Dießener Rathaus steht noch aus. Denn natürlich hat Verardi sein Konzept auch an Bürgermeister Herbert Kirsch geschickt.

Dieter Roettig

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