Hochwasser bis zum Discounter

Im tiefer liegenden Bereich links von der Staatsstraße in Kaltenberg sammelt sich bei Starkregen das Wasser. Im Hintergrund entsteht der neue Aldi-Markt, dessen Parkplatz bei einem 100-jährigen Hochwasser überschwemmt werden könnte. Foto: Osman

Mehrere Bereiche in der Gemeinde Geltendorf sind hochwassergefähr­- det. Christian Fuchs vom Ingenieurbüro Dr. Blasy/Dr. Overland stellte kürzlich die Zwischenergebnisse einer Studie vor, die diese Gebiete genauer definiert und Lösungsvorschläge macht. Nach Darstellung der Ingenieure wird unter anderem der Parkplatz des im Bau befindlichen Aldi-Marktes bei Starkregen überflutet werden.

Im westlichen Kaltenberg sieht die Studie ein Gebiet von 113 Hektar als hochwassergefährdet an. „Hier befindet sich eine Senke, die sich bei Starkregen nach und nach füllt“, so Fuchs. Der tiefste Punkt der Senke liege an der Staatsstraße gegenüber dem Discountergelände. Ohne Gegenmaßnahmen werde das Wasser auf den Parkplatz laufen. Damit die Senke mehr Wasser aufnehmen und gegen ein hundertjähriges Hochwasser Schutz bieten könne, müsste eine große Fläche abgegraben werden. Auch im Kaltenberger Ortsteil Dürnast seien Teile der Bebauung durch wild abfließendes Hochwasser gefährdet, sagte Fuchs. Ein Gebiet von 28 Hektar entwässere in eine Tieflage, die nur über wenige unzureichende Sickerschächte verfüge. „Aus der Tieflage kann das Wasser nicht raus“, so der Planer. Als Gegenmaßnahme sei die Verlegung einer 200 Meter langen Entwässerungsleitung zum Weihergraben denkbar, doch auch dieser Schritt hätte gravierende Nachteile. Zum einen wäre der Bauaufwand hoch, zumal man die Bahnlinie durchkreuzen müsste. „Außerdem verursacht man mit dieser Maßnahme eine Abflussverschärfung im Weihergraben, die wiederum an anderer Stelle ausgeglichen werden müsste.“ Alternativ schlug Fuchs ein Sickerbecken im Bereich der ehemaligen Kiesgrube vor, das durch einen Damm begrenzt werden müsste. Die Größe des Beckens hänge davon ab, ob es für ein 20-jähriges oder ein 100-jähriges Hochwasser ausgelegt werden solle. Hier meldete Thomas Glatz vom Planungsbüro Glatz-Kraus Bedenken an, das mit der Umsetzung von Hochwasser­- schutzmaßnahmen beauftragt ist. „Ist die Kiesgrube überhaupt sickerfähig? Liegen Altlasten im Boden? Brauchen wir womöglich einen Bodenaustausch?“ Ein weiterer Brennpunkt befindet sich an der Hanglage in Petzenhofen. Von dort strömt bei Starkregen das Wasser unkontrolliert auf die Straße und weiter nach Süden. „Diese Abflüsse müssten in einem Sickerbecken aufgefangen und ge­- drosselt in die Kanalisation geleitet werden“, erklärte Fuchs. Weitere Bereiche der Gemeinde würden noch untersucht. Als besonders dringlich sah Josef Weiß (CSU) die Situation in Kaltenberg-Dürnast und Petzenhofen an. Dort, wo die Planer ein Sickerbecken vorschla­- gen, sei im Flächennutzungsplan eine Ortsumgehung für Kaltenberg vorgesehen. „Die wird sicher nicht gebaut“, meinte Weiß. Dennoch sei zu prüfen, ob die Trasse aus dem Flächennutzungsplan entfernt werden müsse. „Außerdem brauchen wir ein Bodengutachten, müssen die Verfügbarkeit von Grundstücken für ein Sickerbecken prüfen und Konflikte mit bestehenden Leitun­- gen klären“, so Weiß. Durch das Gebiet verläuft eine NATO-Pipeline. Thomas Dietsch (FB) stellte die Frage, wer die Maßnahmen zahlen müsse. Es sei zu prüfen, ob ein Teil der Kosten auf Grundstückseigentümer umgelegt werden könne, die auf ihren Privatflächen nicht richtig entwässerten. Anton Reiser (CSU) meinte dagegen, die Hochwassergefahr werde überschätzt. Eines der Einzugsgebiete der Studie sei zum Beispiel eine Waldfläche. „Dort ist noch nie ein Tropfen rausgelaufen.“ Der Geltendorfer Gemeinderat entschied letztlich, dass das Planungsbüro Glatz – Kraus nun zunächst ein Bodengutachten für den Bereich der ehemaligen Kiesgrube in Auftrag geben soll.

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