Hochwasserschutz am Lech

Sind jetzt die Mauern dran?

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Schreckensszenario Hochwasser: Große Teile im Westen des Lechs wären beim Bruch der Ufermauern überflutet, wie diese Computersimulation des Wasserwirtschaftsamtes zeigt.

Landsberg – Das Gebiet „Schindler Gärten“ bis zu zwei Meter tief unter Wasser, zwischen Post und Landratsamt alles überflutet – das ist ein Schreckensszenario, wie es im Falle eines Hochwassers eintreten könnte. Denn die Mauern entlang des Lechs, die die Stadt in solch einem Ernstfall schützen sollen, sind marode. Neu ist diese Erkenntnis nicht, bereits seit zehn Jahren wird die Sanierung aber immer wieder aufgeschoben. Jetzt plant das Wasserwirtschaftsamt erneut, die Uferbefestigung dort zu sanieren.

Erstmals brachte das Wasserwirtschaftsamt Weilheim 2006 den Sanierungsbedarf der maroden Bauwerke ins Gespräch – ein Jahr nach dem sogenannten Jahrhunderthochwasser. Doch zunächst wurde die Maßnahme verschoben: Dem Freistaat Bayern fehlte es an den nötigen finanziellen Mitteln, hieß es damals. Das Risiko eines Hochwassers für die Lechstadt konnte dann außerdem durch die Verbesserung des Rückhaltevermögens des Forggensees reduziert werden.

Trotzdem kam es 2009 zu einer Finanzierungsvereinbarung. In dieser sicherte die Stadt zu, die Hälfte der Planungskosten für die Sanierung – damals noch rund 85.000 Euro – zu übernehmen. 2011 – fünf Jahre nach dem ersten Vorstoß – sollte das Vorhaben dann endlich in die Tat umgesetzt werden: Die Schutzmauer entlang der Straße Am Englischen Garten und auch die Ufermauer auf der Ost-Seite sollten erneuert werden. Vor allem die Uferbefestigung Am Englischen Garten entspreche nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik, hieß es damals vom Wasserwirtschafts­amt. Dazu sollte es aber wiederum nicht kommen, die Entscheidung wurde noch einmal vertagt.

Und jetzt – nochmals fünf Jahre später – unternimmt das Wasserwirtschaftsamt einen erneuten Versuch, die Sanierung endlich voranzutreiben. „Die Standsicherheit der Mauer kann nicht nachgewiesen werden“, gibt Sigrun Frank, im Wasserwirtschaftsamt zuständig für den Landkreis Landsberg, zu bedenken. Vermutlich müsse der bestehenden Uferbefestigung eine Mauer vorgesetzt werden. Zusätzlich sei dafür eine Erdvernagelung zum stabilisieren nötig, erläutert Frank auf Nachfrage des KREISBOTEN. „Die Kosten für das Projekt lassen sich noch nicht fixieren“, so Frank weiter. Das komme jetzt auf die Stadt an, welche Gestaltungsmöglichkeit gewählt wird: Die einfachste Lösung wäre hier eine Betonmauer, aber auch strukturierter Beton oder Natursteine wären denkbar.

Vor fünf Jahren wurden die Kosten für die Sanierung noch auf eine Million bis 1,2 Millionen Euro geschätzt. Jetzt liegen die Schätzungen bereits bei etwa 2,3 Millionen Euro. Die Planungskosten haben sich mittlerweile auf maximal 200.000 Euro erhöht. Damit würde auch der Anteil der Stadt von ursprünglich 42.500 auf etwa 100.000 Euro ansteigen.

Zuletzt sollte das Thema im September im Stadtrat behandelt werden. Doch auch im Herbst wurde der Tagesordnungspunkt noch einmal verschoben. Ein Grund dafür waren offenbar auch Bedenken darüber, dass das Wasserwirtschaftsamt die Baustellenerschließung über die Krachenbergschlucht vornehmen wollte. Dies wurde allerdings nun in der Beschlussvorlage geändert.

Nur vom Wasser aus

Über hundert Jahre alt sind die Hochwasserschutzmauern oberhalb der Katharinenbrücke bereits. Jetzt müssen sie aus Gründen der Standsicherheit dringend saniert werden. Doch vor allem die beengten Verhältnisse – eine direkte Zufahrt ist in einigen Bereichen nicht möglich – und die daran angrenzende Bebauung stellen dabei erhebliche Probleme dar. Errichtet wurden die Mauern oberhalb der Katharinenbrücke bereits 1913.

Großer Aufwand war auch bei einer Hochwasserschutzmaßnahme an der Partnach in Garmisch-Partenkirchen nötig. Ähnliches wird wohl auch auf Landsberg zukommen.

Bei einer Untersuchung der Bauwerke vor etwa fünf Jahren wurde festgestellt, dass „die Standsicherheit der Mauer bei horizontaler Krafteinwirkung durch Einstau bei Hochwasser eingeschränkt“ sei, heißt es in der Beschlussvorlage zur heutigen Stadtratssitzung. Die Erschließung der Baumaßnahme soll über die Zufahrtsmöglichkeit Campingplatz-Rodelbahn und Geh- und Radweg entlang des Lechs bis zum Parkplatz Klösterl erfolgen. Die Sanierung der beiden Mauern – der Ufermauer West im Bereich Englischer Garten und die Ufermauer Ost im Bereich Biergarten – soll im Bestand erfolgen. Das westliche Bauwerk muss auf einer Länge von etwa 650 Metern erneuert werden. Um nicht zu sehr in den Bewuchs des Englischen Gartens einzugreifen, soll hier ein binnenseitiger Teilabbruch der bestehenden Ufermauer sowie eine Neuerstellung einer Stahlbetonvorsatzschale erfolgen. Dazu kommt, dass das Bauwerk vom Ufer her auf einem etwa 150 Meter langen Bereich nicht zugänglich ist. Außerdem befinden sich dort einige private Anwesen, die zum Teil auf der Mauer selbst gegründet sind.

Hier muss der Hochwasserschutz voraussichtlich über eine wasserseitige Anschüttung erfolgen. Dazu werden auch Rodungen nötig sein. Auch auf der anderen Seite kann wohl nur von der Wasserseite her gearbeitet werden. Hierfür ist die Aufschüttung einer temporären Arbeitsplattform im Flussbett geplant. Eine direkte Zufahrt ist dort allerdings nicht möglich, zudem befindet sich der Bauabschnitt im historischen Altstadtbereich driekt an der Hauptverkehrs­achse. Für solch eine Arbeitsplattform rechnet man momentan mit etwa 2.000 Kubikmetern benötigtem Kies, was etwa 200 Lkw-Ladungen entspricht.

Erheblicher Platzbedarf besteht dann auch für den Rückbau, wenn der nasse Kies zwischengelagert werden muss. Ein enges Zeitfenster – die Bauarbeiten können nur in der hochwasserrisikoarmen Zeit im Herbst und Winter bewerkstelligt werden – stellt ein zusätzliches Problem dar. Baubeginn könnte im Herbst 2016 oder 2017 sein.

Astrid Erhard

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