"Literatur findet Stadt"

Märchenstunde vor dem Rathaus

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Sigrid Knollmüller und Thomas Bauer hatten die Ehre der Premiere. Die Lesereihe von der landsberger bühne und Sigrid Knollmüller „Keiner konnte sich der Tränen enthalten“ entführt in vergangene Zeiten.

Landsberg – Am Donnerstag konnte „Literatur Findet Stadt“ endlich beginnen. Sigrid Knollmüller und Thomas Bauer gaben auf der Roten Couch direkt vor dem Rathaus Seiten aus dem „Fräulein von Sternheim“ und den „Leiden des jungen Werther“ zum Besten. Landrat Thomas Eichinger und Sabine Kittel von der landsberger bühne, die am Mittwoch die ersten Seiten lesen sollten, wurden leider vom Regen verjagt.

„Es geht darum, in der schnellen Zeit heutzutage innezuhalten. Und seien es nur fünf Minuten.“ So beschreibt Mitinitiatorin Sabine Kittel das, was sie sich von der Lesung erhofft. Beide Werke sind Brief- und Liebesromane, Werther endet mit dem Tod des Protagonisten, Sophie nimmt ihr Schicksal in die eigene Hand und findet ein Happy End. Sich diese Romane vorlesen zu lassen, ist ein wahrer Genuss. Zwar braucht es ein bisschen, bis man sich an die Sprache des 18. Jahrhunderts gewöhnt hat. Aber dann wird es zur Reise in vergangene Zeiten: ein „serial“ ohne schnelle Cuts, eine Zeitblase in der Hektik des Alltags.

Wenn die Rote Couch ruft

LiteraturFindetStadt ist Geschichte: Sabine Kittel und Mike Bischof gestalteten das Finale auf der Roten Couch. © 
Immer Gentleman: Sepp Wörsching beschattet Maren Olbrich am Samstagvormittag vor dem Rathaus. © 
Erst lasen sie, dann sangen sie: "All your need is love!": Angela Jacobsen und Franz Krauß am Freitag auf der Roten Couch. © 
Endlich wieder LiteraturFindetStadt: Ingrid Asam und Florian Werner am Donnerstagabend auf der Couch. © 
Am Freitagabend erst auf der Roten Couch und dann beim Töpfermarkt: Sabine März-Lerch und Alex Dorow. © Greiner
Donnerstagabend: Auf dem Rossmarkt startet das Kino-Open-Air und am Hauptplatz lesen Bürgermeisterin Doris Baumgartl sowie Harald Dollinger. © 
Mittwochabend: Edith Fuchs und Albert Ostermaier lesen auf der Roten Couch vor dem Landsberger Rathaus. © Greiner
Am Sonntagabend folgten Constanze Günther und Christian Karlstetter dem Aufruf auf die rote Couch. © Greiner
Patricia Eckstein und Kurt Tykwer lasen am Sonntagvormittag. © Greiner
Am Samstagabend begaben sich Maren Olbrich und Matthias Bartels auf die rote Couch. © Greiner
Samstagvormittag auf der Roten Couch: Claudia Flörke und Edmund Epple. © Greiner
Den Anfang machten am Donnerstag Sigrid Knollmüller und Thomas Bauer. © Greiner

Goethes Roman wird dem Sturm und Drang zugeordnet und war einer der ersten „Bestseller“. Auch Sophie von La Roche kann mit einer Premiere punkten: Sie war die erste deutschsprachige Romanautorin. Zwar wurde ihr der „Empfindsamkeit“ zugeordnetes Werk vorerst anonym von Christoph Martin Wieland publiziert. Aber schon bald wusste man, dass es tatsächlich von einer Frau, von Sophie, stammte. Wieland und sie waren eng befreundet: verwandt und vor längerer Zeit sogar verlobt. Aber Wielands Studium verhinderte, dass sich die beiden öfter sehen konnten – die Beziehung scheiterte. Als sie sich dann gute zehn Jahre später wiedersahen, soll das sehr rührend gewesen sein: Ein Augenzeuge beschrieb es mit „Keiner konnte sich der Tränen enthalten“ – das Leitmotiv der Lesung.

Die Lesung von Sigrid Knollmüller und Thomas Bauer am Donnerstag setzte nicht mit dem Anfang der Romane ein: „Wir können da keine Ersatztermine bringen“, sagt Mitinitiatorin Kittel auf die Frage nach der entfallenen Lesung am Tag zuvor. Aber zu jeder Lesung gibt’s am Anfang ein „summary“, sodass man es verschmerzen kann, wenn mal eine Lesung ausfällt oder man selbst keine Zeit findet. Auch für Hintergrundinformationen ist gesorgt: In der Schublade der Roten Couch finden sich Umschläge mit den Biografien Goethes und La Roche.

Am Donnerstag lernten beide Protagonisten das Ziel ihrer Begierde kennen: Werther seine Lotte, von Sternheim ihren Lord Seymour. Von hier aus nimmt das Lieben und Sehnen seinen Ausgangspunkt. La Roches Text – den Kittel gekürzt hat – wird immer von einer Frau, Goethes Text von einem Mann gelesen. Menschen laufen direkt an der Couch vorbei, das Handy am Ohr oder wild am Tippen. Kinder fahren mit Rollern und Skateboard durch die Szene, drehen den Kopf und rasen fast in den Tisch des Eiscafés. Ein Grieche läuft vorbei und sagt etwas von „Paramythia“ – Märchen. Genau das ist es: Die Lesebühne ist ein Ort, der aus der Zeit herausragt. Es lohnt sich, die Ruhe zu genießen und den Worten der vergangenen Zeit zu lauschen.

Die Termine der Lesung und die Namen der Vorleser gibt es unter http://www.dominikus-zimmermann.de/veranstaltungen/literatur-tanz-event/literaturfindetstadt/

Susanne Greiner

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