Leben im "Anders-Leben"

Hoffen und Bangen nach der Chemo: Der vierjährige Jerome ist wieder zuhause

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Um die Läsionen, die die aggressive Chemo verursacht hat, zu mildern, wurde Jerome auch bestrahlt – natürlich mit ‚Sonnenbrille‘, sicherheitshalber auch für den Stofftiger.

Kaufering – Mehr als 20 Wochen Chemo liegen hinter dem vierjährigen Jerome Wiegert aus Kaufering (der KREISBOTE berichtete). Jetzt ist er vorläufig wieder zuhause und erholt sich von den Nebenwirkungen der aggressiven Behandlung. „Inzwischen können wir auch wieder miteinander lachen“, erzählt sein Vater Mario. Keine Selbstverständlichkeit, denn während und direkt nach der Chemo konnte Jerome nicht mehr laufen und musste in­travenös ernährt werden. Jetzt geht es um jeden Tag. Denn jeder Tag, an dem keine neuen Tumore entdeckt werden, ist ein Erfolg für Jerome gegen das Burkitt-Lymphom, eine extrem aggressive Krebsart. Kauferings Bürgermeister Thomas Salzberger (SPD) ruft nochmals auf, der Familie Wiegert mittels einer Spende finanziell in dieser Zeit zu unterstützen.

Die Zeit nach der Chemo ist eine Zeit des Wartens und Hoffens. Die Untersuchungen finden in kurzen Abständen statt, da die Tumorzellen des Burkitt-Lymphoms so aggressiv sind, dass schon wenige Tage, in denen ein Rezidiv entdeckt oder eben nicht entdeckt wird, entscheidend sein können. Und die Rückfallquote in den ersten Monaten extrem hoch ist. Dass nichts entdeckt wird, heißt nicht unbedingt, dass nichts da ist. „Die Tumore müssen erst eine gewisse Größe haben, damit sie überhaupt entdeckt werden können“, erklärt Wiegert. Weshalb regelmäßig auch Positronenemissionstomografien (PET) mit leicht radioaktiv markiertem Kontrastmittel gemacht werden. Bösartige Tumore haben meist einen erhöhten Stoffwechsel – weshalb sich in ihnen das Kontrastmittel ansammelt und so auch Tumore entdeckt werden können, die nur wenige Millimeter groß sind. Lebenswichtig, denn: „Wenn dieser Krebs zurückkommt, hat Jerome vielleicht nur noch zwei Monate, sagen die Ärzte.“ Dieses Warten und bangen sei wie das Leben in einer Nussschale, die durch Stromschnellen treibt, beschreibt Wiegert. Sie seien jetzt zwar in einer „Entspannungsphase, alles normalisiert sich nach und nach wieder. Aber wir leben immer noch in einem Tunnel, in unserer eigenen Wolke, im Anders-Leben.“

Kauferings Bürgermeister Thomas Salzberger (links) ruft nochmals zum Spenden für Familie Wiegert, hier Vater Mario, auf.

Da Jerome keinerlei Viren oder Bakterien ausgesetzt werden darf – sein Immunsystem liegt komplett am Boden, er habe jetzt seit mehreren Wochen einen Mückenstich, der nicht weggehe, erzählt Mario –, bleibt auch sein größerer Bruder, der siebenjährige Jeanero, zuhause und wird dort unterrichtet, auch wenn er jetzt wieder in die Schule dürfte. Mario und seine Frau Irina sind mit der Pflege Jeromes und dem Homeschooling voll ausgelastet. Arbeiten kann IT-Berater Mario momentan nicht, seine Frau Irina erhält 67 Prozent ihres Gehalts als Rechtsfachwirtin als Krankengeld. Die Familie hat Kredite laufen, die bezahlt werden müssen, ebenso die Miete. „Wir haben keinen Besitz oder sonstiges, bisher haben wir unsere Altersvorsorge aufgebraucht“, rechnet Mario. Um Fördermittel beispielsweise von der Deutschen Kinderkrebsstiftung zu beantragen, habe ihnen bisher – Jeromes Krebs wurde Anfang des Jahres entdeckt – einfach der Kopf gefehlt, sagt Mario. „In der Klinik bekommt man zwar das Angebot psychologischer Unterstützung. Aber die Möglichkeiten von Förderungen gehen da komplett unter.“

Bürgermeister Salzberger ruft nochmals zum Spenden auf. Die Kontodaten: IBAN: DE11 7005 2060 0022 6503 29; Empfänger: Jerome Wiegert; Verwendungszweck: Spende Jerome. Auch einen Blog hat Jerome: www.jetztlebenjerome.de.

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