Veterinäramt stellt erhebliche Verstöße fest

Hofstetten: Es waren mehr als ein Dutzend tote Hühner

Bilder aus dem Herbst, als die Hühner die große Weidefläche vor ihrem mobilen Stall noch nutzen konnten.
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Bilder aus dem Herbst, als Hühner noch ins Freie durften (Symbolbild). Die momentane Stallpflicht habe die Hühner zusätzlich unter Stress gesetzt, sagt eine Tierärztin, die die Tiere in Hofstetten untersucht hat.
  • Susanne Greiner
    vonSusanne Greiner
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Hofstetten – Erst verschenkt ein Hühnerhalter in Hofstetten gegen freiwillige Spenden rund 600 Tiere, da er wegen der Corona-Pandemie keine Abnehmer für die Eier mehr findet. Dann fotografiert ein Passant laut eigener Aussage in unmittelbarer Nähe des Hühnerbetriebs mehrere tote Tiere in einer Kiesgrube. Kurze Zeit später ist das Veterinäramt des Landkreises Landsberg vor Ort – laut Auskunft des Landratsamtes an drei Tagen hintereinander. Dort werden über ein dutzend tote Tiere gefunden. Der Hühnerhalter sagt, die Fotos seien bearbeitet. Mehr Informationen gibt es jetzt von anderer Stelle.

„Einzelne verendete Tiere wurden vorgefunden“, meldet Pressesprecher Müller nach einem ersten von drei Ortsterminen am Montag. Neben den Tieren in der Kiesgrube seien das „mehr als ein Dutzend weitere Tierkadaver in den Haltungseinrichtungen“ gewesen. Mehrere Termine vor Ort seien notwendig gewesen, da der Tierhalter seine „persönliche Mitwirkung an der Erstkontrolle“ verweigert habe. Schließlich habe man „erhebliche Verstöße gegen das Tierschutz-, Tiergesundheits- sowie Tierische Nebenprodukterecht festgestellt“. Zudem wurden vom Landesamt für Gesundheit (LGL) seuchenhygienische Untersuchungen der toten Tiere veranlasst – momentan wegen der Vogelgrippe ein „routinemäßiger“ Vorgang. Am Freitag teilte das Landratsamt schließlich mit, dass keine Vogelgrippe-Erreger gefunden wurden.

Eine Ärztin des Tiergesundheitsdienstes München, beauftragt vom Hühnerhalter selbst, untersuchte den Bestand und die toten Tiere auf andere, nicht meldepflichtige Erkrankungen. In ihrem Beisein wurden auch die Proben zum Ausschluss der Vogelgrippe genommen. Der Tod der Hennen sei durch das hohe Alter der Tiere verursacht worden, teilt die Ärztin auf Anfrage mit. Dazu komme wohl der Stress wegen der momentan vorgeschriebenen Stallhaltung als Schutz vor der Vogelgrippe bei Wildtieren. Die entdeckten bakteriellen Infektionen seien allerdings nichts besonderes, diese Befunde habe man jede Woche. Zudem seien sie für Menschen nicht gefährlich.

Das Landratsamt werde dafür sorgen, dass die zur Einhaltung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung notwendigen Maßnahmen durchgeführt würden, teilt Müller mit. In der Verordnung wird gefordert, dass Haltungseinrichtungen so ausgestattet sind, dass „alle Legehennen artgemäß fressen, trinken, ruhen, staubbaden sowie ein Nest aufsuchen können“.

Dieses Bild wurde dem KREISBOTEN zugesandt. Der Halter der Legehühner sagt, es sei bearbeitet.

Vor allem kritisierte das Veterinäramt die unzulässige Lagerung und Entsorgung der toten Tiere. Zudem habe keine Reinigung und Desinfektion des Stalles zwischen dem Ausstallen und Einstallen von Tieren stattgefunden. Insgesamt habe die Stalleinrichtung nicht den rechtlichen Vorgaben entsprochen. So habe es keinen Zugang zum Einstreubereich gegeben, dieser sei nicht gemistet gewesen, ebenso habe Einstreu gefehlt. Weiterhin kritisierte das Veterinäramt Landsberg, dass nicht ausreichend Fressplätze für alle Hühner vorhanden gewesen seien. Die Ställe seien teilweise beschädigt gewesen, weshalb einige Hühner trotz Stallpflicht auch außerhalb vorgefunden wurden.

Der Halter der Legehennen in Hofstetten hatte laut Medienberichten über 2.000 Hühner in zwei größeren und einer kleineren mobilen Legestation, von denen er in einer Verschenkaktion gegen freiwillige Spenden 600 Tiere abgab.

Der Halter teilte dem KREISBOTEN mit, dass aufgrund der Berichterstattung ein Supermarkt die regelmäßige Abnahme der Eier gestoppt habe. Die Bilder der toten Hühner, laut Fotograf rund 100 Meter neben dem Wagen des Hühnerhalters aufgenommen, seien bearbeitet. Es habe tote Tiere gegeben. Aber bei rund 2.000 Hühnern sei das normal. Wie es zu den toten Tieren kam, wollte er dem KREISBOTEN bei einem zweiten Gespräch weiterhin nicht sagen.
Susanne Greiner

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