Neue Macher

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Der Hofstettener Dorfkalender sucht Nachwuchs-Macher.

Hofstetten – Vor 16 Jahren erschien der Hofstettener Dorfkalender zum ersten Mal. Rolf-Jürgen Lang war von Anfang an mit dabei: „Es ging darum, dass die Aktionen im Rahmen der Dorferneuerung dokumentiert werden sollten“, erzählt der Sozialpädagoge. Normalerweise gäbe es da Broschüren, aber die werfe man ja fast immer weg: „Mit dem Kalender haben wir die Leute dazu gebracht, die Dokumentation 12 Monate zu behalten.“ Aus der Not wurde eine Tugend und der Dorfkalender erfreut seither jedes Jahr die Gemeindemitglieder.

Den ersten Kalender finanzierte noch das Amt für ländliche Entwicklung Oberbayern. Schon in dieser ersten Ausgabe füllten die ehrenamtlichen Macher den Kalender mit Dorf­anekdoten und Bildern. Erst in der zweiten Version sollten dann auch die Daten der Vereine enthalten sein: Ausflüge, Sitzungen, Feste und natürlich auch die Adressen. „Normalerweise haben sich die Vereine immer erst im Februar zur Terminabsprache getroffen“, berichtet Lang. Das war natürlich zu spät. Doch die Bitte an die Vereine, die Termine schon früher festzulegen, stieß auf Widerstand: „Wir haben dann gesagt: Alles, was bis Oktober da ist, kommt rein, der Rest muss eben draußen bleiben.“

Und es funktionierte: Schon die zweite Ausgabe enthielt alle (!) Vereinsdaten. War der Kalender im ersten Jahr noch umsonst, mussten die Bürger ihn im zweiten Jahr kaufen: „Einige Kinder sind am ersten und zweiten Adventswochenende von Haustür zu Haustür gegangen und haben den Kalender für 12 DM angeboten“, sagt Lang. Die Kinder bekamen einen kleinen Obolus pro verkauften Kalender. Doch offensichtlich war den Leuten das am Anfang noch zu teuer. Verkauft wurden „nur“ 320 von insgesamt 500 Stück, aber das Amt für ländliche Entwicklung erklärte sich bereit, den Verlustbetrag zu übernehmen.

Schon im dritten Jahr hatte der Kalender seine jetzige Form erreicht: Geschichten über das Dorf und die Vereine füllten die Seiten, dazu gab es Bilder von früher und heute. Auch alle Müllabfuhrtermine waren inzwischen enthalten. Die Verkaufszahlen stiegen mit jedem Jahr. Inzwischen bekommt jeder Neubürger den ersten Kalender umsonst, danach muss er ihn bezahlen: Die dafür fälligen sechs Euro berappen immerhin über 430 Bürger, also ungefähr 80 Prozent der Hofstettener und Hagenheimer Haushalte. „Seit sechs Jahren bekommen wir die Herstellungskosten wieder rein“, betont Lang.

Das liegt daran, dass die Kalendermacher alle ehrenamtlich arbeiten: Geschichten suchen und schreiben, Fotos zusammenstellen und dann ein druckfähiges Layout erzeugen: Diese Aufgabe erfüllten bisher Lang, Roman Sonnhof sowie Katharina Berthold samt ihrem Mann und ihrer Tochter. „Vor allem die Druckvorbereitung ist sehr viel Arbeit“, gesteht Berthold: „Uns wird es allen zu viel.“ Auch Lang möchte die Verantwortung für den Kalender nicht länger übernehmen: „Es geht rein zeitlich auch bei mir nicht mehr.“ Deshalb suchen die Kalendermacher Nachfolger. „Das könnte auch jemand Jüngeres sein“ schlägt Berthold vor: Jemand, der ganz neue Ideen habe und auch Themen für die Altersklasse finde, die im Moment ein bisschen vernachlässigt werde. Gerne könne man ab und zu noch eine Geschichte schreiben oder ein Foto beisteuern, sagen die Kalendermacher: „Wir stellen unseren Nachfolgern auch alle unsere Dateien zur Verfügung – da sind zig Fotos drin“, bietet Lang an.

Als Nachfolger denkt er zum Beispiel an einen der vielen Hofstettener Vereine: „In Hagenheim haben wir auch einen Grafikdesigner, der Kurse an der VHS gibt.“ Einer der zukünftigen Kalendermacher könne vielleicht so einen Kurs belegen, wenn ihn die Gemeinde finanziert. Hofstettens Bürgermeister Benedikt Berchtold ist zuversichtlich, dass Nachfolger gefunden werden: „Ein paar sind schon im Gespräch.“ Er werde auch noch im Mitteilungsblatt die Suche bekanntgeben, „aber die Kalendermacher sollen schon aus unserer Gemeinde kommen“, betont er.

Und falls es an einem Freiwilligen mangeln sollte, der die Druckvorbereitungen übernehmen kann, so wäre die Gemeinde auch bereit, einen kleinen Obolus an eine Firma zu zahlen. Der Kalender sei ihm wichtig, so Berchtold, „und am Geld soll‘s nicht scheitern.“

Susanne Greiner

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