Im Januar 2017 ist Schluss:

Kaufland verlässt das Lechland-Center

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Das Lechland-Centers an der Lechwiesenstraße sollte mit einem Umbau nicht nur ein neues Gesicht erhalten, sondern insgesamt auch funktionaler werden. Als der Bauausschuss das Vorhaben im April absegnete, war Kaufland noch mit von der Partie.

Landsberg – Der seit 1998 bestehende Kaufland-Markt im Lechland-Center an der Lechwiesenstraße will bereits im Januar 2017 schließen. Rund 50 Mitarbeiter sind betroffen. Aufgrund einer ausgeklügelten Firmenkonstruktion ist ihre weitere Verwendung ungewiss. Eine schlüssige Begründung für den Rückzug gibt es nicht.

Alles sah nach Einvernehmen aus: Der Eigentümer des Lechland-Centers legte ein Umbaukonzept für das in die Jahre gekommene Gewerbeobjekt vor, reichte Zeichnungen ein, auf dem das Kaufland-Logo deutlich sichtbar war, und gab an, der Selbstbedienungsmarkt werde als Mieter bleiben. Doch plötzlich argumentiert die Schwarz-Gruppe, zu der neben Kaufland auch Lidl gehört, die „baurechtlichen Auflagen“ erforderten zu hohe Investitionen, und kündigt an, den SB-Markt im Januar 2017 zu schließen.

Recherchen des KREISBOTEN zeigen: Der Versuch, diesen Widerspruch aufzulösen und nach den konkreten Auflagen zu suchen, wird wohl nicht von Erfolg gekrönt sein. Nach Auffassung der Gewerkschaft verdi geht es schlicht darum, das Unternehmen profitabler zu machen. Angesichts der geplanten Expansion von Lidl nach Übersee solle der cash flow der Kaufland-Sparte erhöht werden. Benötigt werde „Bargeld für Amerika“.

Fast alles genehmigt

Der Bauausschuss des Stadtrats hatte am 22. April die Voranfrage für einen umfangreichen Umbau des Lechland-Centers in weiten Teilen positiv beschieden. Als Gründe hatte der Eigentümer „die Beseitigung von funktionalen und baulichen Mängeln“ sowie den Wunsch „nach einer deutlichen optischen Aufwertung der Gebäude und Außenanlagen“ genannt. Dazu war der Komplettabbruch des zweigeschossigen Altbaus und der Ersatz durch einen erdgeschossigen Neubau auf gleicher Grundfläche geplant.

Auch der Kaufland-Markt war tangiert. Seine Betriebs- und Verkaufsflächen sollten reduziert und seine „Funktionsabläufe neustrukturiert“ werden, hieß es in dem Antrag, der dem Ausschuss vorlag. Zudem sollte die Ladenstraße vor dem Markt übersichtlicher gestaltet werden. „Mit diesen Maßnahmen soll der Standort erhalten und der Betrieb nachhaltig sichergestellt werden“, hieß es in der Vorlage der Stadtverwaltung für den Ausschuss.

Hinweise auf einen Dissens mit Kaufland gab es zu diesem Zeitpunkt nicht. Alles deutete darauf hin, dass Kaufland damit einverstanden war, den bislang zweigeteilten Markt bestehend aus dem Hauptverkaufsraum mit 2845 Quadratmetern und dem inzwischen geschlossenen externen Getränkemarkt mit 447 Quadratmetern zu einer Einheit zusammenzufügen und um zwölf Prozent auf insgesamt 2916 Quadratmeter zu reduzieren. Auch mit den übrigen Nutzungsänderungen war Kaufland offenbar einverstanden. Insbesondere war im Neubau ein Lebensmitteldiscounter mit einer Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern vorgesehen.

Der Ausschuss hatte allerdings zwei beantragte Nutzungen nicht genehmigt: Er lehnte zum Schutz der Innenstadt ein geplantes Schuhgeschäft sowie einen Drogeriemarkt ab. Außerdem wollte der Eigentümer fehlende Stellplätze nicht bauen, sondern finanziell ablösen; auch dagegen erhob der Ausschuss Einwände. Diese Beschlüsse hatten die Planungen zum Kaufland-Markt aber nicht beeinträchtigt.

Hohe Investitionskosten

Umso unverständlicher ist daher die jetzt von Kaufland gegebene Begründung der Schließung. „Um den Kunden eine moderne und attraktive Filiale zu bieten und diese auf Dauer auch wirtschaftlich zu betreiben, müsste der Standort umfangreich modernisiert und umstrukturiert werden. Hierfür gelten baurechtliche Auflagen, deren Umsetzung hohe Investitionen zur Folge hätte. Vor dem Hintergrund der Geschäftsentwicklung dieses Standortes hat das Unternehmen entschieden, diese Maßnahmen nicht durchzuführen und den Standort aufzugeben“, heißt es in einer Presseerklärung des in Neckarsulm ansässigen Unternehmens.

Unklar ist auch, ob zwei zwischenzeitlich gestellte Anfragen des Eigentümers zur Nutzungsänderung mit der Kaufland-Entscheidung im Zusammenhang stehen. Verwaltungssprecher Andreas Létang bestätigte zwar diese Anfragen, die offenbar vom Immobilienverwalter des Lechland-Centers, der „German Real Asset&Property Management“, kamen. Ob sie sich auf die zwei Center-Teile bezogen, deren Nutzung nach den Ausschussbeschlüssen noch offen war, oder bereits auf die für Kaufland vorgesehene Fläche, wollte Létang aber nicht verraten, weil es sich um „informelle Anfragen“ gehandelt habe.

Weiterbeschäftigung?

Ob die 50 Mitarbeiter im Kaufland-Markt teilweise im InCenter im Osten Landsbergs weiterbeschäftigt werden, ist fraglich. Nach Angaben des im Bezirk Augsburg für den Handel zuständigen verdi-Gewerkschaftssekretärs Thomas Gürlebeck hat Kaufland seine insgesamt 640 Filialen in Deutschland so organisiert, dass zwei Geschäfte in der gleichen Stadt nie zur gleichen Gesell­schaft gehören. „Landsberg-West, Schwäbisch-Hall, Krumbach“ sei vielmehr eine typische Kombination. So könne das Unternehmen immer darlegen, keine Arbeitsplätze in der Nähe anbieten zu können. Allerdings gebe es Rechtsprechung, die dieses Verfahren in Frage stelle. „Wir versuchen jetzt zunächst einmal, die wirklichen Gründe für die Schließung herauszufinden“, sagte Gürlebeck dem KREISBOTEN.

Neuausrichtung

In diese Schilderung passt die Tatsache, dass Kaufland im Oktober 2014 noch angab, 722 Filialen in Deutschland zu haben. Stimmt diese Zahl, hätte der Konzern in einem Jahr 82 Standorte geschlossen. Grund dafür ist nach einem Bericht des Handelsblatts vom Juni 2015 mit dem Titel „Lidl vor Expansion, Kaufland muss sparen“ ein genereller Umbau der Kaufland-Sparte. Gegenüber dem Manager Magazin hatte Unternehmenschef Klaus Gehrig zuvor erklärt: „Wir richten Kaufland grundlegend neu aus“. Ziel sei es, 100 Milliarden Umsatz pro Jahr zu erzielen, berichteten beide Wirtschaftszeitungen. Kaufland hat weitere 500 Filialen in Tschechien, der Slowakei, Polen, Kroatien, Rumänien und Bulgarien. Insgesamt sind bei der Unternehmenssparte 147.000 Mitarbeiter tätig.

Werner Lauff

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