Es läppert sich in der Eishalle

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Zumindest in naher Zukunft wird sich daran nichts ändern: Die HCL-Fans dürfen ihre Jungs auch weiterhin in der Landsberger Eishalle bejubeln.

Landsberg – Verbindlich im Ton, hart in der Sache: Stefan Meiser stellte auch in der zweiten Runde der Haushaltsberatungen 2015 im Finanzausschuss die Landsberger Eishalle offen infrage. Der ÖDP-Stadtrat und Vorsitzende des Rechnungsprüfungsausschusses sah sich von Kämmerer Peter Jung in Teilen bestätigt, erntete aber auch viel Widerspruch.

Er habe nichts gegen die Halle oder gegen den Sport, betonte Meiser mehrmals in seinem erneuten Vorstoß; „mein Sohn hat selbst bis zur Jugend hier Eishockey gespielt.“ Dennoch scheine hier etwas „völlig aus dem Ruder“ zu laufen, „das wird ein Fass ohne Boden.“ Drei Millionen Euro habe man vor wenigen Jahren in die Sanierung gesteckt, dazu komme der jährliche Verlust von 550000 Euro. „Das macht über 5 Millionen in sechs Jahren und jetzt läppern sich schon wieder 250000 Euro über verschiedene Punkte zusammen.“

Meiser brachte den „Verteilungswettbewerb“ in Landsberg zur Sprache und verglich Eishalle und Inselbad. „Im Bad haben wir 80000 Besucher und schießen 330000 Euro zu. Wenn ich lese, dass in der Halle jetzt wieder 1000 Besucher waren, ist das schön für das Landsberger Eishockey, aber gerecht ist das nicht.“

Er wolle die Eishalle „ja nicht nächstes Jahr zusperren“, stellte der ÖDP-Rat klar, „aber wenn dieser Sport offensichtlich so teuer ist, müssen wir uns schon grundsätzlich die Frage stellen, ob wir das auf Dauer weiter betreiben wollen.“

Man müsse sicher zusehen, „ob man nicht an den Schrauben Einnahmen und Ausgaben drehen kann“, pflichtete Kämmerer Peter Jung bei, vermied es aber, direkt von einer Schließung der Halle zu sprechen. „Aber der Stadtrat hat natürlich auch die Aufgabe, jedes Jahr wieder zu überprüfen, welche Einrichtungen er sich noch leisten will und welche nicht.“ Im kommenden Jahr müsse man sich „bereits beim Eckdatenbeschluss entscheiden, ob Ihnen die Eishalle 550000 Euro wert ist oder nicht.“

Keines der Ratsmitglieder wollte sich öffentlich gegen den Weiterbetrieb aussprechen. Allen voran brach Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) eine Lanze für die Einrichtung. „Ich gehe selbst seit vielen Jahren dorthin. Das Eishockey in Landsberg und seine Tradition stehen für mich nicht einmal ansatzweise zur Disposition.“

Identitätsstiftend

Ähnlich sah das Felix Bredschneijder (SPD). „Das hat eine identitätsstiftende Wirkung für Landsberg, seit ich denken kann. Das kostet dann eben immer auch Geld.“ Es sei zwar legitim, die Frage nach einer Hallenschließung zu stellen, „aber ich kann auch sagen, dass ich sie für mich schon klar beantworten kann.“ Auch eine weitere Erhöhung der Gebühren sehe er kritisch. „Wir können die Vereine nicht noch weiter belasten, ohne sie in ihrer Existenz zu gefährden.“

Die Halle sei emotional und rational nicht wegzudenken, meinte auch Christoph Jell (UBV). „Wir haben gerade vier Millionen Euro reingesteckt und uns ja vorher überlegt, ob wir dort weitermachen wollen. Wir müssten sonst übrigens auch eine Bücherei und ein Stadttheater in eine solche Diskussion mit einbeziehen.“

Stefan Meiser („jeder Landsberger zahlt im Jahr 20 Euro für diese Halle“) wunderte sich über „die Nonchalance, mit der hier über diese immensen Kosten hinweggegangen wird.“ Wenn das politisch von der Mehrheit so gewollt sei, „akzeptiere ich das, verstehen kann ich es nicht.“

Ein paar Jahre noch

Aus den Investitionen für das laufende Jahr konnte dann immerhin mit rund 150000 Euro der größte Brocken herausgenommen werden. Die Eismaschine, wenn auch zuletzt sehr reparaturanfällig, „sollte schon noch drei bis vier Jahre laufen“, wie Christian Kinzel (Veranstaltungstechnik) meinte.

Kein Weg führt dagegen an der Sanierung der Deckschicht unter der Eisfläche vorbei (100000 Euro). „Wir haben dort Risse, irgendwann läuft uns Wasser in die Kühlschleifen, dann bekommen wir auch noch Probleme mit dem Ammoniak“, skizzierte Peter Huber vom Hochbauamt und wies darauf hin, dass es dafür auch keine von Meiser gewünschte „low-cost-Lösung“ gebe.

Ob für die noch relativ neue Lautsprecheranlage weitere 80000 Euro fällig werden, ist dagegen offen. Huber: „Die Anlage entspricht klar nicht der Ausschreibung, das ist auch durch ein Gutachten bestätigt. Wir sind im Moment mit der Firma vor Gericht.“ Sollte man den Rechtsstreit verlieren, müsse man die Technik auf eigene Kosten in Ordnung bringen.

Christoph Kruse

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