Österreichisches Trio zu Gast im Stadttheater Landsberg

"Räudiger Kammerpunkjazz" mit Edi Nulz 

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Das nackte Interieur der Stadttheater-Bühne passt zum Jazzpunk des Musikertrios Edi Nulz: (von links) Gitarrist Julian Adam Pajzs, Drummer Valentin Schuster und Siegmar Brecher an der Bassklarinette. Das Publikum war begeistert.

Landkreis – Wer zum Teufel ist Edi Nulz? Was soll man unter „räudigem Kammerpunkjazz“ verstehen? Und warum heißt das neue Album dieses obskuren Trios „El Perro Grande“, obwohl da nirgends ein großer Hund sitzt oder platzt? Das österreichisch-deutsche Dreigestirn wirft schon vor dem ersten Ton Fragen auf. Und hört man die Musik, steigen die Fragen ins Unermessliche. Denn die passt in keine Schublade. Jazz mit Punk, Rock’n’Roll und Weltmusik, kurzum alles, was irgendwie passt. Und Laune macht. Denn in all der wohltuenden Unerwartetheit gibt es eine Konstante: Spaß an Musik.

Eine der Fragen beantwortet Edi Nulz-Drummer Valentin Schuster gleich am Anfang des Konzerts im Stadttheater: die nach dem Albumtitel. „Das Album ist dem Sternbild Canis Major gewidmet.“ Warum nun gerade diesem Sternbild und warum auf Spanisch, das bleibt verborgen. Vielleicht ja nur aus Jux und Dollerei. Denn die Band gibt auch ihren Stücken gerne mal abstruse Titel. „Mexikanischer Beistand“ beispielsweise. Oder „Die Mitte des Albums“ für Song Nummer 7 von 13. Aber auch „Hundshübel Hot Tub“ oder „Nimm mich in den Arm und bring mich nachhause – „Der längste Songtitel, den wir je hatten“ – sind auf ihren vier Alben zu finden. Das erste, „Jetzt“, kam 2012 raus. Zusammen mit Adele Neuhauser, Tatort-Kommissarin und Mutter des Edi Nulz-Gitarristen Julian Adam Pajzs, kam das Trio 2015 nach Landsberg. Da war bereits das zweite Album erschienen, 2016 kam das dritte und nun das mit dem großen Hund. Produktiv, die Herren. 

Zur Beschreibung ihrer Musik muss man fabulieren. „Das basslose Jazz-Trio, die Rock-Band ohne Sänger“, formulieren Edi Nulz auf der Webseite: „Humor und Wahnsinn, der in der Lage wäre, aus russischem Kaviar und rohen Kartoffeln ein Wiener Schnitzel zu zaubern.“ Ein Moderator nannte ihre Musik „räudigen Kammerpunkjazz“. Das eher Derbe, drängende des Punks. Verflixt springende Takt- und Rhythmuswechsel mit wilder Improvisation vom Jazz. Unberechenbare Vulkanausbrüche. Und dann schmiert die Melodie ins Romantische: Kammermusik. Wenn auch nur für die Idee einer Sekunde. 

Der Rhythmus geht in Herz, Hirn und Beine. Musik die wach macht, abseits der Komfortzone. Menschen scheinen Treppen emporzusteigen, außer Atem, bevor sie abrutschen und fallen. Ein durch den Wald torkelnder, betrunkener Bär. Der wieder nüchtern wird und davonprescht. Man kann den Musikstil ganz nüchtern auch als multistilistisch bezeichnen. Alles drin. „Uns geht es um Intensität, um neue Energie“, sagt Bassklarinettist Siegmar Brecher. 

Wichtig scheint das Miteinander zu sein, die Interaktion. Die eigens komponierten Stücke auf dem neuen Album hätten sie solange ausdiskutiert, „bis wirklich jedes Bandmitglied mit jedem Ton einverstanden war“, sagt Brecher. Der Bassklarinettist ist für die Melodie im Spiel zuständig. Sein Jazzsaxophonstudium in Graz schloss er 2007 ab, zwischendrin studierte er in Wien und auch in New York – lange bevor „Too many Zooz“ mit ihrem Saxophonisten Leo Pellegrino in der Subway-Station Union Square Karriere machten. Vielleicht hat Pellegrino ja bei Brecher abgeguckt. Auch Brechers Bandkollegen haben in Graz studiert. Getroffen haben sie sich aber erst später. Denn Brecher ist acht Jahre älter als seine gut dreißigjährigen Kollegen. Drummer Valentin Schuster stammt aus Niederösterreich. Wenn er spielt, denkt sicher manch einer an „Das Tier“ der Muppet Show. Trotz kurzer Haare und Brille. Aber wenn er seine unerbittlich facettenreichen Rhythmen spielt, fällt gerne mal das ein oder andere Becken ab. Bass- und Tenorgitarrist Pajzs schließlich kommt aus der hiesigen Kreativwiege Weilheim. Dass er viel Hendrix gehört hat, ist unüberhörbar. 

Aber zurück zur Frage nach dem Bandnamen. Angeblich stammt er aus der persönlichen Mythenwelt von Schuster und Pajzs. In einer dieser Welten gibt es einen Ritter, der den fürchterlichen Drachen Gurglblast erschlägt. Und dieser Ritter, der heißt Edi Nulz.

Susanne Greiner

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