Holz für ein "Leuchtturm-Projekt"

Der Geruch von Holz liegt in der Luft, es fliegen Späne. An manchen Stellen ist es so laut, dass man einen Gehörschutz tragen muss. Ununterbrochen zerschneiden Sägen die riesigen Holzstämme in lange Bretter. Stolz führt Geschäftsführer Carsten Doehring die geladenen Gäste durch das ehemalige Klausner-Sägewerk im Landsberger Frauenwald. Die Botschaft, die der neue Eigen­tümer Ilim Timber am vergangenen Freitag mit der Betriebsführung im Rahmen der offiziellen Eröffnung vermitteln wollte, war klar: Seht her, hier wird wieder produziert.

Fast eineinhalb Jahre war das Werk stillgestanden, nachdem der ehemalige Eigner Klausner wegen der Wirtschaftskrise in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Immer wieder hatte es in dieser Zeit Gerüchte über eine Übernahme durch die russische Gruppe Ilim Timber gegeben, doch erst Ende August ga­- ben beide Unternehmen den erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen bekannt. Seitdem wird im Landsberger Werk, dessen Name nun llim Timber Bavaria lautet, wieder Holz angeliefert und verarbeitet. (Der KREISBOTE berichtete). Damit endete für die Belegschaft eine lange Zeit der Ungewissheit. Fast alle Mitarbeiter seien dem Unternehmen trotz „Kurzarbeit null“ treu geblieben, sagte Werksleiter Hauke Jungjohann im Rahmen der offiziellen Eröffnung. Nur so sei es auch möglich gewesen, das Werk binnen kurzerZeit wieder hochzufahren. „Wir mussten nicht erst neue Leute anlernen.“ Rund 130 Beschäftigte zählt der Standort Landsberg aktuell. 40 Prozent davon arbeiten in der Produktion, der Rest teilt sich auf Transport und Instandsetzung auf. Derzeit nimmt das Werk pro Tag 50 Lkw-Ladungen Holz in Empfang, um die Produktionskapazität von rund 700 Kubikmeter Schnittholz pro Tag zu gewährleisten – Tendenz steigend. Zum Vergleich: In Spitzenzeiten gingen im Klausner-Werk an die 150 Lieferungen pro Tag ein. Bis zu 350 Mitarbeiter können bei maximaler Kapazitätsauslastung in vier Schichten im Werk arbeiten, erklärte Doehrung. Einen genauen Zeitpunkt, ab wann mit einer derartigen Vollauslastung zu rechnen ist, konnte der Geschäftsführer der europäischen Ilim Timber-Werke allerdings nicht nennen. Für den 2. Bürgermeister der Stadt Landsberg, Norbert Kreuzer, war allein die Nachricht, dass die Produktion wieder angelaufen ist, eine frohe Kunde. „Der Fortbestand ist ein Gewinn für die ganze Region“, sagte Kreuzer. Er hoffe daher auf eine „langfristige Zusammenarbeit“. Gleichzeitig mahnte der Bürgermeister zukünftig einen besseren Austausch mit Stadt und Landkreis an. Zumindest bei der Eröffnungsfeier konnte sich Kreuzer nicht über mangelnde Kommunikationsbereitschaft beklagen, hatte das Unternehmen doch keine Mühen gescheut, um mit prominenten Gästen für einen guten Eindruck zu sorgen. Neben dem Direktor für neue Projekte, Slava Bychkov, der extra aus St. Petersburg angereist war, hatten auch der Gesandte der russischen Botschaft in Berlin, Andrey Zverev, sowie Lars Schmidt vom Bundesverband der Säge- und Holzindustrie die weite Reise nach Landsberg auf sich genommen. Während Zverev die Investition des russischen Unternehmens als „Leucht­turm­projekt“ lobte, hob Schmidt die Bedeutung der Holzindustrie für Deutschland im Allgemeinen hervor. Mit 1,3 Millionen Angestellten in 152000 Betrieben liege man weit über der Zahl der Beschäftigten in der Automobilindustrie, wies Schmidt hin, der sich daher einen höheren Stellenwert in der Bevölkerung für das holzverarbeitende Gewerbe wünschte: „Holz ist ein Rohstoff mit Zukunft.“ Ob auf Dauer auch im Werk im Landsberger Frauenwald wird sich zeigen.

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