Erfolg im zweiten Anlauf

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Florian Hartmann am Arbeitsplatz in der Werkstätte in Peiting. Er repariert gerade ein Saxophon.

Kinsau – Obacht, dieser Begriff besteht aus acht Silben und hat 26 Buchstaben: Holzblasinstrumentenmacher. Das ist die exakte Berufsbezeichnung von Florian Hartmann. Bayernweit gibt es jedes Jahr nur ein oder zwei junge Männer, die darin ihre Ausbildung abschließen. Mit viel Konkurrenz braucht sich der junge Mann aus Kinsau bei Vergleichen zwar nicht zu messen. Aber dennoch ist das, was der Macher- und Bastlertyp geschafft hat, außergewöhnlich: Der 24-Jährige hat im vergangenen Jahr den Bundeswettbewerb in Ludwigsburg gewonnen.

„Do g’frei i m natürlich mit“, sagt Hubert Schmid, der in Peiting einen Fachhandel für Holzblasinstrumente zusammen mit einer Werkstätte führt. Dort hat Florian die letzten drei Jahre seine Ausbildung absolviert – zur Fachschule musste er nach Mittenwald – und dort ist der junge Mann als Geselle weiterhin beschäftigt. Insgesamt sind es in der Werkstatt fünf Leute.

Die Lehre als Holzblasinstrumentenmacher ist für den jungen Mann aus Kinsau die zweite Ausbildung. Zuvor hatte er bei der Firma Aerotech in Peißenberg Zerspanungsmechaniker gelernt und danach als Geselle nur einen Jahresvertrag bekommen. In dieser Zeit und während des Zivildienstes liebäugelte Florian mit einer weiteren Lehre, die mehr seinen Interessen entspricht. Nach dem Praktikum bei Hubert Schmid ging’s los.

Drei Gründe sind es, warum sich der junge Mann aus Kinsau in der neuen beruflichen Aufgabe so wohlfühlt. Das habe erstens mit Musik zu tun, und die „ist nun mal meine Leidenschaft“, erzählt er und verweist darauf, dass er in zwei Bands spielt. Nämlich in einem Iris Folk-Trio mit jungen Leuten aus Kinsau und in einer fünfköpfigen Trashmetal-Band in Landsberg. Seine Instrumente sind das Saxophon, das Schlagzeug und der Dudelsack.

Zum zweiten bedeute der Beruf, aus Altem was Funktionsfähiges zu machen. So ist der Geselle demnächst damit befasst, ein 90 Jahre altes Saxophon zu generalüberholen. Das wird schon ein bis zwei Wochen in Anspruch nehmen, blickt er voraus. Der dritte Grund, warum er sich in dem Beruf als Holzblasinstrumentenmacher wohlfühlt: „Ich war schon immer ein Bastler“.

Seinen Arbeitsplatz hat Florian an einer langgezogenen Werkbank, Werkzeuge, Instrumente, Mundstücke, Klappen und andere Einzelteilen liegen darauf. Durch die helle Fensterfront bietet sich ein kreativer Blick zum Hohen Peißenberg hinüber. Wichtigste Werkzeuge sind der Schrauberzieher, die Flachzange und die Lötlampe, die zum Warmmachen des Heißklebers für Polster benötigt wird.

Klappe und Bohrung

Beim Bundeswettbewerb in Ludwigsburg nahe Stuttgart war eine Klappe für ein Fagott als Arbeitsprobe gefordert: feilen, schleifen, einpassen und polieren. Zudem wurde eine Bohrung für eine Feder verlangt und ein Drechselwerkstück für einen Klarinettenzapfen. In Peiting repariert Florian vorwiegend Klarinetten und Saxo- phone. Doch gehören auch Flöten, Piccolos, Blockflöten, Oboen und Fagotte zu den Holzblasinstrumenten.

Auf der Flöte möchte der junge Mann mit den langen blonden Haaren und mit dem Kinnbart die Tonfolgen und Griffe noch besser lernen; so kann er selbst beim Spielen nachprüfen, ob es nach der Reparatur mit den Polstern, Klappen, Federn passt und ob alle Töne sauber ansprechen. Die gängigen Instrumente wie Klarinetten und Flöten werden aus der Region zur Reparatur gebracht, Oboen sogar aus der ganzen Republik; da hat sich Hubert Schmid über viele Jahre einen Namen in der Fachwelt gemacht.

Johannes Jais

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