Ein Holzsteg zum Verweilen

1. Preis von Süden

Die Spreu ist vom Weizen getrennt, das Preisge­- richt hat vergangene Woche einstimmig entschieden: Der neue Steg zwischen Inselbad und Mutterturm soll ein geknicktes Holzbauwerk mit besondere Erlebnis- und Aufenthaltsqualität werden. Ob der Beitrag einer Stuttgarter Architektengemeinschaft letztlich zur Ausführung kommen wird, obliegt dem Stadtrat.

„Schnellstmöglich“, also noch im Mai, möchte Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) das Thema ins Plenum bringen. „Wir stehen unter Druck“, sagt er mit Blick auf den bevorstehenden Umbau des Hauptplatzes. Schließlich sollen die Schulbusse in Zukunft am Busbahn­hof halten und gerade die Buben und Mädchen des Ignaz-Kögler-Gymnasiums von dort über die neue Brücke in die Lechstraße gelangen. Auch aus diesem Grund wird sie 3,50 Meter breit sein und einen strapazierfähigen und „pflegeleichten Gussasphaltbelag“ bekommen. Geht alles nach Lehmanns Vorstellungen, dann liegt im Herbst die Detailplanung vor, im Januar könnte die Vergabe erfolgen und die Brücke in der ersten Jahreshälfte 2012 fertig sein. Mehr als 1,2 Millionen Euro darf sie nicht kosten. Der preisgekrönte Entwurf aus Stuttgart liegt mit 960000 Euro deutlich unter dieser Summe. In der Betrachtung der 15 Entwürfe für die Endrunde spielte das aber keine Rolle. Vielmehr galt es für die Jury, jenen Wettbewerbsbeitrag herauszufiltern, der die Anforderungen an den neuen Steg am besten erfüllt: Identitätsstiftend soll er sein, sich in den sensiblen Kontext von Mutterturm und Altstadt einfügen, die Aufenthaltsqualität berücksichtigen und aus einem zu Landsberg passenden Material be­stehen. Was liegt in einer ehema­li­gen Flößerstadt näher als Holz? Das dachten sich auch die Architekten aus dem Ländle, entwarfen eine 78 Meter lange, auf zwei Stützen ruhende Brücke aus Brettschichtholz – Fichte. Konstruktiv sei das etwas Neues, befand Architekt Peter Brückner, Vorsitzender des Preisgerichts. Die besondere städtebauliche Situation würdigte die Architektengemeinschaft aus Stuttgart mit einem Brückenknick, dessen Spitze nach Süden zeigt. Das macht in der Beuge eine fünfstufige, treppenförmige Sitzgelegenheit mit herrlichem Blick auf Lechwehr und Altstadt (Aufenthaltsqualität) möglich. Andererseits wird der Fußgänger oder Radfahrer direkt auf den Mutterturm geführt (Erlebnisqualität). Von einer „fast geheimnisvollen Nachtwirkung“ sprach Peter Brückner angesichts der indirekten Brückenbeleuchtung von unten. Der exakte Verlauf der Wegebeziehungen auf beiden Seiten des Steges möchte Lehmann bis zur Stadtratssitzung im Mai ausgearbeitet wissen. Die Wettbewerbsvorschläge im Bürgerbüro in der Katharinenstraße ausgestellt.

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