Das Sterben ist immer präsent

+
Dreh- und Angelpunkt der Landsberger Hospiz Gruppe: die Einsatzleiterinnen Susanne Schreull und Heidi Gampel (von links) haben im neuen Büro in der Pater-Rupert-Mayer-Straße 28b wieder mehr Platz für die gestiegenen Anforderungen.

Landsberg – Mehr Platz im neuen Jahr: Die Zahl der Interessenten für Hospizbegleitung ist so stark gewachsen, dass die Hospiz Gruppe Landsberg kürzlich in neue Geschäftsräume umgezogen ist.

Das alte Büro in der Lechstraße war den Anforderungen einfach nicht mehr gewachsen und so findet der Verein in der Pater-Rupert-Mayer-Straße 28b in einer ganzen Wohnung eine neue Heimat.

„Der größere Raum mit 28 Quadratmetern ist mit einer Küchenzeile ausgestattet. Der kleinere mit 13 Quadratmetern soll für Gespräche und als Bibliothek genutzt werden“, erklärt Monika Hawran, die Büroleiterin des Vereins. Gerade die ungestörte Nutzung der Biblio­- thek war im alten Büro nicht mehr möglich: Der Verein erfreut sich einer steigenden Wahrnehmung in der Bevölkerung. Beständig wächst die Zahl derjenigen, die sich für das kostenlose Begleitungsangebot des Vereins oder die ehrenamtliche Hospizarbeit interessieren.

Generell war das Thema Sterben noch nie so präsent in der Öffentlichkeit wie im vergangenen Jahr: eine Vielzahl von Büchern zum Thema ist erschie­- nen und die ARD widmete ihm seine jährliche Themenwoche „In den Köpfen der Menschen tut sich was“, so Susanne Schreull, eine der beiden Einsatzleiterinnen der Hospiz Gruppe. „Das Sterben zuhause wird von den Angehörigen wieder vermehrt zugelassen.“ Hier setzt die Arbeit des Vereins ein: Durch die Hospizbegleitung soll Menschen die Möglichkeit gegeben werden, dort zu sterben, wo sie gelebt haben. Wo eine Betreuung der Sterbenden zuhause nicht möglich ist, besuchen die Begleiter die Betrof-fenen in Pflegeheimen und Krankenhäusern.

Entschließt sich jemand, das Angebot des Vereins in Anspruch zu nehmen, so sucht die Einsatzleitung nach einem ersten Gespräch eine von derzeit 46 Begleitpersonen aus. „Die Aufgabe der Hospizbegleitung besteht darin, einfach da zu sein, dem Betroffenen Zeit zu schenken“, erklärt Einsatzleiterin Heidi Gampel.

Ein Geben und Nehmen

„Es wird vorgelesen, miteinander gespro­chen, aber auch gesungen oder gemeinsam gebetet, je nach den Wünschen des Besuchten.“ Es sei ein gegenseitiges Geben und Nehmen, ergänzt Schreull. „Die Begleitperson schenkt dem Besuchten Zeit und Aufmerksamkeit, der Besuchte schenkt der Begleitperson neue Impulse. Viele unserer Begleiter schätzen die Intimität sehr, die ihnen von den Besuchten und ihrer Familie gewährt wird. So macht das Ehrenamt Freude.“

Zur Hospizbegleitung gehört auch die Entlastung von Angehörigen, damit diese für ein paar Stunden vom Krankenbett weg können. Allerdings führe das zu Missverständnissen: „Immer wieder glauben Angehörige, dass die Hospizbegleitung eine Haushaltshilfe oder Pflegekraft ersetzt. Dem ist nicht so. Unsere Arbeit begleitet die professionelle Pflege“, so Gampel.

Neben der eigentlichen Hospizarbeit informiert der Verein regelmäßig rund um das Thema Sterben. „Besonders gut besucht sind die Vorträge über Patientenverfügungen“, sagt Gampel. Seit der Gründung im Jahr 1992 bildet die Hospiz Gruppe Hospizbegleiter in eigenen Seminaren aus. Im Grundseminar werden sich die Teil­nehmer darüber klar, ob diese ehrenamtliche Arbeit  für sie das Richtige ist. Im Aufbauseminar, zu dem auch ein Praktikum gehört, werden sie auf ihren Einsatz vorbereitet. Danach unterstützen sie regelmäßige Supervisionen und Praxisbegleit­gespräche.


Lebenswert – bis zuletzt

• Seit 1991. Die Hospiz Gruppe Landsberg wurde 1991 gegründet und ist als gemeinnütziger Verein anerkannt. Sie versteht sich als ambulanter Hilfsdienst für Schwerstkranke und Sterbende sowie deren Angehörige und ist im gesamten Landkreis Landsberg tätig.

• Leben bis zuletzt. In unserer Gesellschaft werden Sterben, Tod und Trauer oft tabuisiert. Durch Hospizarbeit soll das Lebensende wieder ins Bewusstsein gerückt werden: Sterben gehört zum Leben – keine aktive Sterbehilfe. Durch die Linderung von körperlichen Schmerzen, seelischen Belastungen und zwischenmenschlichen Problemen kann Leben lebenswert sein – bis zuletzt.

• Überkonfessionell. Die Hospizarbeit ist christlichen Wertvorstellungen verpflichtet, unabhängig von Konfession und Weltanschauung. Der Hospiz Verein betreut und begleitet Menschen jeder Herkunft, jeder Hautfarbe, jeder Sprache, jeder Glaubensrichtung sowie Menschen ohne religiöses Bekenntnis.

• Ehrenamtlich. Die Begleitungen übernehmen ehrenamtliche Hospizbegleiter und Begleiterinnen. Die Angebote des Hospiz Vereines können ohne Mitgliedschaft und kostenlos in Anspruch genommen werden.

• Das Büro befindet sich in der Pater-Rupert-Mayer-Str. 28b direkt neben dem Cafe Freiraum im 1. Stock und ist barrierefrei zugänglich.

• Die Bürozeiten: Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 9 bis 12 Uhr. • Kontakt: Tel. 08191/42388, Fax 08191/921433; E-Mail info@hospizgruppe-landsberg.de; Internet: www.hospizgruppe-landsberg.de.

Eileen Denkewitz



Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Tiefe Einblicke ins Landsberger Klosterleben
Tiefe Einblicke ins Landsberger Klosterleben
Geister steigen aus dem See
Geister steigen aus dem See
Passanten retten zwei Frauen aus brennendem Unfallauto
Passanten retten zwei Frauen aus brennendem Unfallauto

Kommentare