Slapstick mit viel Poesie

"Hotel Paradiso" der Familie Flöz begeistert im ausverkauften Stadttheater

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Viel Slapstick und viel Poesie vereint das Theaterkollektiv "Familie Flöz" in perfekter Form. Gestern sorgten sie im Stadttheater für Begeisterung.
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Viel Slapstick und viel Poesie vereint das Theaterkollektiv "Familie Flöz" in perfekter Form. Gestern sorgten sie im Stadttheater für Begeisterung.
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Viel Slapstick und viel Poesie vereint das Theaterkollektiv "Familie Flöz" in perfekter Form. Gestern sorgten sie im Stadttheater für Begeisterung.
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Viel Slapstick und viel Poesie vereint das Theaterkollektiv "Familie Flöz" in perfekter Form. Gestern sorgten sie im Stadttheater für Begeisterung.
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Viel Slapstick und viel Poesie vereint das Theaterkollektiv "Familie Flöz" in perfekter Form. Gestern sorgten sie im Stadttheater für Begeisterung.
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Viel Slapstick und viel Poesie vereint das Theaterkollektiv "Familie Flöz" in perfekter Form. Gestern sorgten sie im Stadttheater für Begeisterung.

Landsberg – Theater mit „Mitteln vor der Sprache“: So bezeichnet das Berliner Theatermacher-Kollektiv Familie Flöz sein Tun. Statt Sprache gibt es Pantomime. Statt Mimik Masken. Einschränkungen, die die Schauspieler zu ihren Gunsten nutzen. Und Auftritte liefern, denen weder Sprache noch Mimik fehlen. Auch mit der Neuversion von „Hotel Paradiso“ erzeugte die Truppe im Stadttheater nahezu orgiastische Begeisterung.

Eine ältere Dame betritt die Bühne. Ihre Absicht: Staubwischen. Und zwar gründlich. Doch weil sie nicht groß, der Staub aber auch weit oben liegt, steht ihr ein wahres Abenteuer bevor: auf einen Stuhl steigen, im Alter nicht mehr ganz so einfach. Aber wenn sich die Seniorchefin des traditionsreichen Hotel Paradiso – vier Sterne! – etwas in den Kopf gesetzt hat, dann klappt das auch. Notfalls, indem der störrische Fuß mittels Spazierstock nachgehakt wird.

Schon diese erste Szene am Anfang der Inszenierung „Hotel Paradiso“ der Familie Flöz begeistert. Und lässt das Publikum wiederholt in Szenenapplaus ausbrechen.

Was folgt, ist ein Panoptikum an absurd-komisch-abstrusen Szenen. Denn im ruhig gelegenen Alpenhotel samt Heilquellenpumpe – die macht sogar Staubsauger wieder lebendig! – passiert einiges. Tochter und Sohn des Hauses sind sich spinnefeind, ersterer sucht Liebe, zweite will Leidenschaft –und beide wollen sie die Führung des Hotels übernehmen. Denn die Seniorchefin ist betagt. Und auch wenn sie nach ihrem Tod noch gerne samt Ehegatten durchs Hotel geistert: Tot bleibt tot. Handeln ist den Lebenden vorbehalten.

Neben Bruder und Schwester gibt es da noch den Koch, der Schweinehälften en masse zerteilt. Wobei es nicht bei Schweinen, auch nicht bei Tieren im Allgemeinen bleiben wird. Ihn begleitet ein tollwütiger Hund. Von dem man aber nur hört: ein Bellen vom tiefen Bass bis zu höchsten Tönen. Und der letztendlich seinem Besitzer unters Messer kommt. Das Dienstmädchen klaut alles, was unter ihre Schürze passt – und die ist groß. Selbst Koffer, Kaffeemühlen und Kochtöpfe tragen da kaum auf. Und der junge Portier überlebt leider nicht lange – ebenfalls ein Fall für den Koch.

Dazu kommen die vielen Gäste. Der rigorose Hotelprüfer, der dem Hotel auch noch den letzten der vier Sterne abpflückt. Ein grandioses Polizisten-Duo, das den Gegensatz von unbeholfenem und abgeklärten Polizist voll ausspielt (auch hier Szenenapplaus). Oder auch ein junges Mädchen, in das sich der Sohn des Hauses auf der Stelle verliebt. So brennend, das sämtliche rote Lämpchen anfangen zu glühen. So bewegend, dass er vor lauter Freude nur noch tanzen kann.

All das ist Slapstick in Reinformat, Strapaze der Lachmuskeln. Aber mit so viel Poesie, Zauber, Anmut versehen, dass nichts lächerlich wirkt, nichts überdreht ist. Einen Großteil dazu tragen die Masken bei. Mit Charakter-Nasen und leicht sentimentalen Ausdruck hauchen sie den Schauspielern so viel Seele ein, dass der Zuschauer nach wenigen Minuten weder Sprechen noch Mimik vermisst. Ein stiller, romantischer und unglaublich witziger Theatergenuss.
Susanne Greiner

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