St. Jakob bleibt „ortsbildprägende Landmarke“

Schondorf: Hotelneubau muss sich unterordnen

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St. Jakob muß „ortsbildprägende Landmarke“ in Schondorf bleiben. Der geplante Hotelneubau hinter der Seepost soll sich laut Kirche und Denkmalschutz in der Höhe unterordnen. Im Vordergrund auf der Seepromenade die Bronzeplastik „Die Liegende“ von Matthias Rodach.

Schondorf – „Mission impossible“ für Schondorfs Bürgermeister Alexander Herrmann? Bei der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Ortsentwicklung hatte er die schier unlösbare Aufgabe, die Standpunkte von vier Parteien unter einen Hut und einer Lösung näher zu bringen. Es ging um die geplante Erweiterung der Gaststätte Seepost direkt an der Kirche St. Jakob um einen Hotelkomplex.

Da waren zum einen die Gebrüder Hofmann als Eigentümer des Seepost-Areals mit ihrem Architekten Jürgen Stark, zum anderen Dr. Thomas Hermann und Dr. Jochen Haberstroh vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege sowie von Seiten der Kirche Denkmalpfleger Marius Langer und Bernhard Huber von der katholischen Kirchenverwaltung Schondorf. Und da ist letztendlich die Tourismusgemeinde Schondorf, die einerseits von einem neuen Hotel profitieren würde, sich aber andererseits an ihren im Jahr 2008 verabschiedeten Bebauungsplan St. Jakob halten muss. 

Bei dem geplanten Projekt geht es um den Neubau eines Hotels westlich der Kirche St. Jakob, wobei das Lagerhaus hinter der Seepost abgerissen werden soll. Dagegen, so die einhellige Meinung, sei grundsätzlich nichts einzuwenden, wenn sich die Dimensionen dem Bebauungsplan und dem ortsbildprägenden Baudenkmal St. Jakob unterordnen würden. Von der Wirtschaftlichkeit her müsse der Komplex aber 27 Hotelzimmer, sechs Personalzimmer, einen Frühstücksraum und einen abteilbaren Saal für bis zu 200 Personen Fassungsvermögen erhalten, so die Bauwerber. Unterirdisch sollen zwei Stockwerke entstehen mit Lagerräumen und einer Tiefgarage mit 17 Stellplätzen. 

Die Gaststätte Seepost mit Terrasse und Biergarten und dem traumhaften Blick auf den Ammersee bleibt erhalten und wird in den neuen Komplex integriert. Der Wirtsgarten schließt sich direkt an die Südwand von St. Jakob an, was früher durchaus beabsichtigt war. Denn die Symbiose von Kirche und Wirtshaus hat in der katholischen Welt eine lange Tradition nach der Devise „keine Wallfahrtskirche ohne Wirtshaus“. 

Und damit sind wir am entscheidenden Punkt der Diskussionen um den Hotelneubau. Die unter Denkmalschutz stehende Kirche St. Jakob von 1149 sei ein beeindruckendes Beispiel romanischer Baukunst und gehört zum Netzwerk der Pilgerkirchen am Jakobsweg, so die Denkmalschützer. Der auf einem Hügel direkt am See vom Schondorfer Adeligen Chuonradus errichtete Tuffsteinbau sei eine „Landmarke“ und für Pilger schon von Weitem zu sehen. Das doppelgeschossige Gotteshaus gilt als eine der bedeutendsten hochmittelalterlichen Kleinkirchen Bayerns mit profanem Obergeschoss. Die Deutungen für diesen Raum zwischen Gewölbe und Dachstuhl sind unterschiedlich und gehen von der Beherbergung von Pilgern bis zum Trockenplatz für Fischernetze. Denn das damalige Unterschondorf bestand nur aus ein paar Fischerhütten, wie Dr. Hermann von Denkmalamt mit alten Karten und Bildern belegte. Der Raum könne aber auch den Bürgern Schutz geboten haben, denn die Gegend war Schauplatz der jahrelangen blutigen Fehden zwischen Staufern und Welfen. Auch unterirdisch rund um die Kirche könnten sich stollenartige Erdställe als Verstecke befinden, was dann als erhaltungswürdiges Bodendenkmal ausgewiesen würde. Selbst Gräber im Kirchenbereich seien möglich. Bodenuntersuchungen und Bauarbeiten müßten auf jeden Fall archäologisch begleitet werden. 

Diese Bedenken könnten zerstreut werden, wenn die Bauplanung der Untergeschosse kleiner ausfallen und damit nicht direkt an das Kirchengebäude heranreichen würde. Der weithin sichtbaren Kirche als prägende Landmarke auf dem Jakobsbergerl müßte sich der Hotelneubau unterordnen und nicht konkurrieren, so Kirchenpfleger Marius Langer. Dass man diesbezüglich den Baubauungsplan von 2008 ändere, sei aber ohnehin unwahrscheinlich, so die einhellige Meinung der Gemeinderäte. Bedenken wurden auch bezüglich der ohnehin schon angespannten Parkplatzsituation am See geäußert. Trotz Tiefgarage und den bereits ausgewiesenen Stellplätzen der Seepost sei auch weiterhin mit Parkchaos vor allem während der Sommersaison zu rechnen. 

Bei der skeptischen und ablehnenden Haltung von Kirche, Denkmalschutz und Gemeinderat gegenüber der aktuellen Planung liegt es jetzt an den Bauwerbern, das Hotelprojekt so zu verkleinern, dass es dem Bebauungsplan entspricht und sich der Hierarchie von St. Jakob unterordnet. 

Dieter Roettig

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