Nach 116 Jahren:

Landsbergs Goldenes Buch ist voll

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Der letzte Eintrag im alten Goldenen Buch der Stadt Landsberg: Oberst Daniel Draken (2017).

Landsberg – Als sich Oberst Daniel Draken, Kommodore des Lufttransportgeschwaders 61 (LTG 61), anlässlich des eintägigen Amtstauschs mit Oberbürgermeister Mathias Neuner kürzlich ins Goldene Buch der Stadt Landsberg eintrug, unterzeichnete er die letzte Seite der Chronik. Das Werk ist nach 116 Jahren komplett gefüllt. Ein neues ist schon angeschafft.

Der erste Eintrag im alten Goldenen Buch: Sir Hubert von Herkomer (1901).

Der KREISBOTE durfte noch einmal in das alte Goldene Buch hineinschauen, bevor es im Stadtarchiv unter Verschluss gehalten wird. Schon der erste Eintrag beeindruckt: Am 26. August 1901 zeichnete Hubert von Herkomer ein Selbstportrait von sich und signierte es. Darüber trugen sich Herkomer selbst, seine Gattin Lady Maggie von Herkomer und ihr Sohn Lorenz Hans Herkomer ein, außerdem drei von Herkomers Schülern. 1911 unterzeichnete Johann Albrecht Herzog von Mecklenburg. Er ließ sich von Herko­mer malen und genoss täglich ein Bad im Lech. 1913 kam Oberbürgermeister Georg von Borscht zu Besuch; er war 26 Jahre lang Stadtoberhaupt von München. Mit ihm erschienen Bankdirektor Josef Böhm, der Mitbegründer des Rundfunks in Bayern, und der Eisenwarenhändler Franz Kustermann. 1916 signierte der letzte Bayerische König, Ludwig III., eine Seite des Buchs.

Blanko-Unterschrift

Meist unterzeichneten die Gäste der Stadt übrigens leere Seiten, weiß Ingeborg Egger zu berichten, die Grafikerin aus der Von-Kühlmann-Straße. Sie gestaltet seit Jahren den textlichen und graphischen Titel der jeweiligen Einträge. Kleine Zeichnungen, Wappen, das Datum und Namensangaben verdeutlichen, um wessen Unterschrift es sich überhaupt handelt.

„Ich war zwar immer der Meinung, das müsse als erstes fertig sein, sonst weiß der Gast ja gar nicht, was er da unterzeichnet“, sagte Egger gegenüber dem KREISBOTEN, aber die Stadt habe befürchtet, dass dann Besucher im Buch stünden, die kurzfristig absagen mussten. Auch Daniel Draken gab seine Unterschrift „blanko“.

In anderen Fällen schrieben Gäste selbst ein paar Sätze ins Buch, zum Beispiel Hans-Jochen Vogel im Jahr 2007 („mit großem Respekt vor den allgegenwärtigen Anstrengungen der Stadt“) und Edmund Stoiber im Jahr 1995 („beeindruckt von diesem schönen Rathaus“). 1991 bedankte sich der Bürgermeister von Waldheim anlässlich der beginnenden Städtepartnerschaft „für all das Gute, was uns aus Bayern bisher zuteil wurde“.

Teils vergessen

Beim Blättern stellt man fest: Das Goldene Buch geriet ab und zu in Vergessenheit; ganze Epochen lang enthält es nämlich keine Einträge. Das erklärt auch, warum es 116 Jahre in Gebrauch sein konnte und nicht schon längst voll war. Auch in der NS-Zeit legte man keinen Wert auf die Dokumentation der „prominenten“ Besuche, die es zahlreich gegeben hat. Daher findet sich im Buch auch kein Eintrag von Adolf Hitler.

Das alte (links) und das neue Goldene Buch der Stadt.

Das neue Buch ist schon eingetroffen. Die Stadt gab es nach genauen Recherchen bei der Universitäts-Buchbinderei Konrad in München in Auftrag. Ingeborg Egger hatte zuvor Papierproben geprüft, insbesondere auf die Vereinbarkeit mit den von ihr verwendeten Tinten. Es hat 200 Blatt, also 400 Seiten; das Papiergewicht ist 140 Gramm pro Quadratmeter. Die Kosten für das handgefertigte Buch inklusive eines Leinen-Schubers belaufen sich auf 2.000 Euro.

„Dafür hält es hundert Jahre“, sagt Oberbürgermeister Neuner. „Ein Notiz- oder Fotobuch aus dem Schreibwarenhandel mit aufgeklebtem Landsberger Wappen würde der Bedeutung des Goldenen Buchs nicht gerecht.“ Tatsächlich: Wer das gewichtige und wertig gestaltete Werk in die Hand nimmt, bekommt schon jetzt ein wenig Gänsehaut. Wer wird sich aus welchem Anlass eintragen? Was sind die künftigen historischen Momente in Landsberg am Lech?

Werner Lauff

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