Humane Unternehmenskultur – Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger beim Infokreises der Wirtschaft

Wo bleibt der Mensch in der Arbeitswelt von morgen? Wie umgehen mit dem steigenden Tempo, den wachsenden Anforderungen, den sich rasant verändernden Bedingungen in einer globalisierten Welt? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Augsburger Weihbischof Anton Losinger in seinem Vortrag zum Thema „Ressource Mensch – wichtigster Faktor der Wirtschaft?!“ bei der Herbstveranstaltung des Informationskreises der Wirtschaft (IdW) in der Aula der Beruflichen Schulen.

Nachhaltigkeit ist entscheidend für den Erfolg jedes Unternehmens, betonte IdW-Sprecher Klaus Schmalholz zu Be­- ginn der Veranstaltung, zu der zahlreiche namhafte Vertreter der regionalen Wirtschaft und des öffentlichen Lebens gekommen waren. „Man braucht eine langfristige Strategie und muss eine Unternehmenskultur schaf­fen, in der die Mitarbeiter einen Sinn in ihrer Arbeit sehen und kreativ sein können." Das bestätigte auch Losinger in seinem Vortrag: „Die Menschen wollen arbeiten, und sie wollen sich im Rahmen ihrer Tätigkeit selbst verwirklichen.“ Insofern sei Arbeit viel mehr als nur Beschäftigung und Broterwerb. „Menschen geben mit ihrer Arbeit ein Stück von sich selbst, sie investieren ihr Leben“, so der Theologe, der auch promovierter Volkswirt ist. Deshalb sei der menschliche Aspekt in jedem Unternehmen höher anzusiedeln als „die rein ökono­mische Kombination der Pro­duk­tionsfaktoren Arbeit und Kapital“, und deshalb sei unternehmerische Verantwortung „mehr als schwarze Zahlen am Quartalsende“. Respektvoll Schwarze Zahlen wird längerfristig ohnehin nur derjenige schreiben, dem es gelingt, eine humane und respektvolle Arbeitskultur zu schaffen, denn nur dort kann sich Kreativität entfalten, können Geistesblitze zünden und Erfindungen gedeihen. „Humanisierung der Arbeitswelt und wirtschaftliche Produktivität schließen sich nicht aus, sondern bedingen sich gegenseitig.“ Denn der wichtigste Produktionsfaktor für den wirtschaftlichen Erfolg überhaupt steckt in den Köpfen der Mitarbeiter: das Wissen. „Das Humankapital entscheidet mehr als das Sachkapital über den Erfolg eines Unterneh­mens“, betonte Losinger. „Die Unternehmenskultur ist maßgeblich dafür, ob ein Werk gelingt.“ Im Klartext heißt das: Integration der Mitarbeiter, Ei­- gen­verantwortung, ein kooperativer Führungsstil und ein gutes Betriebsklima sind kein Luxus, den man sich vielleicht aus Idealismus leistet, sondern sind Faktoren, die nachweisbar die Produktivität und damit die Ertragslage steigern. An einem Strang Für die Schwächeren in der Gesellschaft, weniger Lei­stungs­fähige und niedrig oder gar nicht Qualifizierte, appellierte Losinger an die soziale Verantwortung des Staates, aber auch der Wirtschaft. „Es gibt keine Alternative als sich zu kümmern“, so der Weihbischof. Hier wird es allerdings schwierig, wie sich in der anschließenden Diskussion zeigte, die von Bayern-2-Reporterin Susanne Kredo moderiert wurde. Die Verantwortung für ein „faules Ei“ höre dort auf, wo sie die anderen Mitarbeiter beeinträchtige und den Erfolg der Firma insgesamt gefährde, so ein Zu­- hörer. Klaus Schmalholz stellte der unternehmerischen Verantwortung für ein gutes Betriebsklima die Verantwortung der Mitarbeiter gegenüber, Motivation und Leistungsbereitschaft mitzubringen. „Alle müssen an einem Strang ziehen und zur Erreichung des Zieles beitragen.“ Mit dem Vortrags- und Diskussionsabend wurde der IdW erneut seiner selbst gestellten Aufgabe gerecht, über seine Mitglieder als Meinungsträger und Multiplikatoren Impulse und Anregungen in die Region zu tragen. Der IdW umfasst kleine, vor Ort tätige Betriebe ebenso wie weltweit agierende Unternehmen – eine attraktive Zu­- sammensetzung, in der jeder vom anderen lernen kann.

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