In Kamerun engagiert

Humanitäre Hilfe fürs Hôpital Protestant

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Projektleiter Dr. Soeren Gatz (links) und Dr. Bernhard Dietz behandeln Knochenbrüche im Krankenhaus in Ndoungue (linkes Foto). Auch dem kleinen Louis Jordan Ngalani wurde in Kamerun mit einer Herz-Operation geholfen.

Landsberg – „Für die Ärmsten der Armen“ soll das Krankenhaus in Ndoungue die medizinische Versorgung sichestellen, erklärt der ehemalige Chefarzt des Landsberger Klinikums und Projektleiter in Ndoungue, Dr. Soeren Gatz. Am Valentinstag ist Gatz wieder nach Kamerun geflogen.

Anfang 2012 hat die Landsberger Hilfsorganisation „Humanitäre Hilfe“ begonnen, das Hôpital Protestant wieder aufzubauen und dort „Medizin nach bestmöglichem Standard“ zu ermöglichen. Keine leichte Aufgabe für Dr. Gatz und seine freiwilligen Helfer aus Deutschland.

Vier Mal flog Gatz im vergangenen Jahr nach Kamerun: „Bezahlt wird nichts, die Frei-willi­- gen bekommen nur Kost und Logie.“ Bisher haben die Mitglieder der Hilfsorganisation viel erreicht – das Prinzip lautet Hilfe zur Selbsthilfe“. Das Personal wurde geschult, viele Behandlungen, die vorher nicht möglich waren, können der dortige Chefarzt Dr. Francois Djomou und seine Mitarbeiter jetzt alleine durchführen. Etwa schulte die Landsberger Endos­kopieschwester Otti Ecke zwei Krankenschwestern vor Ort. „Diesmal fliege ich ohne Otti, weil ich weiß, dass die Schwestern in Kamerun das jetzt können“, sagt Dr. Soeren Gatz. Bislang gab es im Radius von 130 Kilometern um das Hospital keine Endoskopie. „Wenn einer eine Gräte verschluckt, hat er Pech gehabt“, sagt Dr. Gatz. „Hier in Deutschland dauert es nur drei Minuten, um sie herauszuholen.“

"Humanitäre Hilfe" mit neuen Zielen für 2013

Nicht nur müssen Ärzte und Schwestern in Ndoungue für Operationen und Krankenpflege geschult werden, auch musste Vieles renoviert und erneuert werden, sogar „Müllunterricht“ steht jetzt bei den Einheimischen auf der Tagesordnung. „Wir arbeiten ganz­- heitlich“, nennt Gatz das Konzept. Im letzten Jahr haben die Freiwilligen geholfen, das Krankenhausgebäude selbst zu renovieren. Auch ein Notstrom­- aggregat wurde eingerichet. „Ich habe ein Dutzend Duschen und zwei Dutzend Waschbecken eingebaut“, erinnert sich der Internist, zuvor habe es in den Krankenzimmern keine gegeben. Außerdem haben Helfer aus Deutsch­- land die Wasserfilteranlage erneuert, damit ist die Versorgung für die Klinik und das Dorf gesichert.

Minimalhygiene

Die medizinischen Geräte, die im Kameruner Krankenhaus benutzt werden, kommen alle aus Deutschland. „Gute Sachspenden nehme ich mit“, sagt Gatz. Etwa habe er letztes Jahr zwei Container voll mit Röntgen-, Ultraschall- und Endoskopiegeräten nach Ndoungue geholt. Stolz ist Gatz mittlerweile vor allem auf die Behandlung von Knochenbrüchen, denn das Hôpital Protestant hat die Traumatologie zu seinem Spezialgebiet gemacht. „Dort unten haben die Ärzte Knochenbrüche bisher mit einer großen Schraube längs durch den Knochen behandelt“. Das berge aber ein sehr hohes Infektionsrisiko, oft musste man amputieren. „Die arbeiten mit einer Minimalhygiene“, erläutert Dr. Gatz. „Da gibt es auch Fliegen im OP – aber der Operationssaal selbst ist einer der besten Afrikas.“ Gatz&Co. haben nun die Extensionsbehandlung für Knochenbrüche eingeführt.

Für dieses Jahr sind bereits neue Projekte in Ndoungue geplant. „Die Apotheke ist total veraltet“, sagt Dr. Gatz. „Wir haben 65 Kilogramm neue Medikamente besorgt und alles alte vernichtet.“ Die Kosten für die Hälfte der Medikamente – etwa 2500 Euro – übernehme die Organisation Action Medior. Das Krankenhaus soll damit auch wirtschaften, denn ein Drittel des Gesamtumsatzes der Klinik könne durch den Verkauf von Medikamenten eingenommen werden. „In Ndoungue ist noch alles billiger als in der Stadt.“ Eine Blinddarmoperation koste zwölf Euro. „Doch oft haben die Menschen das Geld nicht oder denken, alles heilt von alleine.“

Im Juli gründete die Humanitäre Hilfe einen Sozialfond, um Patienten, die mittellos sind, Operationen zu finanzieren. Damit habe man bereits Erfolg gehabt: Durch eine private Spende konnte der elfjährige Louis Jordan Ngalani operiert werden. „Er hatte einen schweren Herzfehler und war totgeweiht“, berichtet Gatz. „Man sagte ihm eine Lebenserwartung von insgesamt zwölf Jahren voraus – jetzt ist er wieder ein fröhlicher Junge.“

Früherkennung aufbauen

Weiteres Ziel für dieses Jahr ist ein Krebsvorsorgeprogramm. „Gebärmutterhalskrebs ist der häufigste Krebs in Afrika.“ Der Landsberger Gynäkologe Dr. Rudolph Hänsch reist dazu erneut nach Kamerun, um eine Früherkennung einzuführen. Des weiteren wird ein Hebammenprojekt gestartet. In Kamerun gebe es laut Dr. Soeren Gatz eine extrem hohe Kindersterblichkeit. „Dieser wollen wir auf den Grund gehen.“ Alles in allem läuft das Klinikprojekt in Westafrika „besser als erwartet“, freut sich Dr. Gatz. Der Projektleiter wolle ein nachhaltiges Krankenhaus sehen, das über Jahre oder sogar Jahrzehnte gut läuft – bald fast ohne Hilfe aus Deutschland.


Hôpital Protestant

• Das Hôpital Protestant de Ndoungue liegt in der Region Littoral im Westafrikanischen Kamerun. Gegründet wurde es 1906 von der Basler Mission.

• Träger der Klinik ist die Evangelische Kirche Kameruns, die Eglise Evangelique du Cameroun.

• Die Landsberger Dr. Soeren Gatz und Thomas Weinhold gründeten 2005 die Hilfsorganisation Humanitäre Hilfe. • Anfang 2012 begann die Humanitäre Hilfe eine Evaluation im Hospital in Ndoungue und entschied sich für den nachhaltigen Wiederausbau der Klinik.

• Mehr Infos gibt es auf www.humanitaere-hilfe-ev.de.

• Das wichtigste Ziel des Landsberger Vereins heißt „Hilfe zur Selbsthilfe“. Das einheimische Personal wird von Freiwilligen aus Deutschland fort- und weitergebildet.


Janina Bauch

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